Herbstzeitlose. Foto: AdobeStock_Reikara

Herbstzeitlose: Eine giftige Schönheit

Vielen dürfte die Herbstzeitlose vorrangig als Giftpflanze bekannt sein. Doch trotz dieser in ihr schlummernden Gefahr bezaubert die Knollenpflanze mit ihren zierlichen Blütenköpfchen, weshalb sie auch gerne als Zierpflanze Verwendung findet. Ihre Blütezeit im Herbst ist besonders ungewöhnlich und unterscheidet sie von anderen Zwiebel- und Knollenblühern. Wir verraten Ihnen mehr zu Pflanzung und Pflege.

Inhalt

Herkunft der Herbstzeitlose

Das Aufgehen ihrer Blüte kündigt gewissermaßen den Herbstbeginn an, daher auch ihre deutsche Bezeichnung. Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) gehört zur Familie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae). Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt in weiten Teilen Europas – von Irland bis nach Norditalien und in die Ukraine.

Herbstzeitlosen auf einer Wiese bei Sonnenaufgang. Foto: AdobeStock_midgardson
Die Herbstzeitlose bringt knallige Blütenfarbe in den Herbst. Foto: AdobeStock_midgardson

Wuchs und Aussehen

Neben ihrer Blütezeit hat die Herbstzeitlose eine weitere interessante Eigenschaft: Ihre Blätter und die krokusähnlichen Blüten zeigen sich nie zur selben Zeit an der Pflanze. Jetzt im Herbst, wo sich die hübschen Blüten zeigen, haben sich die Blätter bereits in die unterirdische Knolle zurückgezogen und treiben erst wieder im Frühjahr aus. Die Knolle wiederum stirbt nach der Blüte ab; aber erst, nachdem sie mehrere Tochterknollen gebildet hat. So breiten sich die Pflanzen immer weiter aus. Die Blätter wachsen eher niedrig und erreichen etwa Höhen von 10 bis 30 Zentimetern.

Herbstzeitlosen enthalten Colchicin – ein giftiges Alkaloid. Da bereits Hautkontakt toxische Auswirkungen haben kann, sollten Sie bei jeglichen Pflegemaßnahmen an den Pflanzen Handschuhe tragen.

Blätter, Blüten und Früchte der Herbstzeitlose

Im Frühling treiben die Blätter der Herbstzeitlose. AdobeStock_Martina Simonazzi

Vom Spätsommer bis in den Herbst zeigt die Herbstzeitlose ihre zarten, hellvioletten Blüten. Pro Knolle bilden sich meist zwischen ein und fünf Blütenköpfe, die aus jeweils sechs Blütenhüllblättern sowie Staubblättern bestehen. Dank hybrider Züchtungen sind auch Sorten mit weißen und rosa Blütenblättern erhältlich.

Obwohl die Blüte den höchsten Giftgehalt aufweist, ist das Laub meist von größerer Gefahr. Das liegt daran, dass die tulpenähnlichen Blätter dem essbaren Bärlauch ähneln. Unglücklicherweise teilen die beiden Pflanzen nicht nur ähnliche Blätter, sondern auch ähnliche Standorte, weshalb es oft zu fatalen Verwechslungen kommt.

Ab Mai bilden sich die Fruchtstände der Herbstzeitlose. Sie tragen längliche Kapselfrüchte. Während dem Reifeprozess werden sie langsam braun und vergrößern sich.

Vorsicht beim Bärlauch sammeln: Verwechslungsgefahr!

Wer Bärlauch sammeln gehen möchte, sollte eine äußerst gute Pflanzenkenntnis und die nötige Vorsicht mitbringen. Während die Blätter der Herbstzeitlose leicht nach links geschraubt wachsen und eher straff sind, hat der Bärlauch weichere und schlaffere Blätter.

Aufgrund der ähnlichen Standortansprüche können sich Herbstzeitlosen aber auch zwischen Bärlauchpflanzen verstecken und dann ist selbst der eigentlich unverwechselbare Bärlauchgeruch kein sicheres Indiz mehr!

Standortbedingungen

Herbstzeitlosen mögen es sonnig bis halbschattig. Sie wachsen gerne in lichten Wäldern oder auf nährstoffreichen Wiesen. Der Boden darf leicht lehmig sein, Wasser sollte aber dennoch gut abfließen können. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen bringen die giftigen Pflanzen daher oftmals Probleme mit sich. Sie müssen gründlich entfernt werden, damit sie nicht unter die Ernte geraten.

Pflanzen und Pflegen

Wenn Sie vor dem Gift der schönen Pflanze nicht zurückschrecken und es Ihnen die zarten Blüten angetan haben, können Sie Knollen der Herbstzeitlosen zwischen Mitte Juli und Ende August in den Garten pflanzen. Bringen Sie die Knollen dabei mindestens zehn Zentimeter unter die Erde. Auch in Pflanzgefäße kann man die eleganten Blütenschönheiten setzen; eine Drainage am Topfboden sollte aber vorhanden sein.

Herbstzeitlosen möchten gerne gleichmäßig feucht gehalten werden. Zu flach gepflanzte Knollen können schnell unter Trockenheit leiden. Und auch Topfpflanzungen trocknen schneller aus, weshalb sie regelmäßig gewässert werden müssen. Feucht-regnerisches Herbstwetter kann der Herbstzeitlose jedenfalls nichts anhaben.

Herbstzeitlose auf Wiese zwischen Äpfeln. Foto: AdobeStock_Reiner Ugele
Auch auf Streuobstwiesen ist die Herbstzeitlose häufig anzutreffen Foto: AdobeStock_Reiner Ugele

Vermehrung der Herbstzeitlose

Die natürliche Form der Vermehrung von Knollen durch die Bildung von Tochterknollen kann man sich zur gezielten Vermehrung der Pflanzen zunutze machen. Nachdem die Herbstzeitlose im Herbst ihre Blätter eingezogen hat, lassen sich die Knollen ausgraben, die Tochterknollen abtrennen und an anderer Stelle im Garten erneut einpflanzen.

Krankheiten und Schädlinge

Trotz ihrer Giftigkeit sind die zarten Blätter ein beliebtes Schneckenmahl. Eine ökologisch vertretbare Maßnahme gegen Schnecken bieten beispielsweise Schneckenzäune. Hilfreich sein kann auch, Beete morgens statt abends zu wässern. Herbstzeitlosen können außerdem anfällig für Pilzkrankheiten werden, wenn sie lange feucht stehen. Dann können etwa Grauschimmel– oder Mehltaupilze auftreten.

Verwendung der Herbstzeitlose

Trotz ihrer Giftigkeit ist die Herbstzeitlose eine beliebte Zierpflanze. Schließlich macht sich die zierliche Schönheit toll in Töpfen oder dezent in kleinen Gruppen an Gehölzrändern gepflanzt. Auch als Zwischenelemente inmitten von niedrigwüchsigen Stauden bringen ihre eleganten Blütenkelche zum Ende des Jahres noch einmal Farbe in den Garten. Wer eine große Wildwiese hat, kann die Herbstzeitlose sich dort verwildern und ausbreiten lassen.

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