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Erntezeit für Zwetschgen: Unsere Tipps und Tricks

Länglich, meist blau und schön süß – die Zwetschge oder auch Zwetschke, Zwetsche oder Quetsche ist eine beliebte Verwandte der Pflaume, aber hat ganz andere Vorzüge. Der Großteil wird in Bäckereien zur Herstellung von Kuchen verwendet. Nur ein geringer Anteil dient dem Frischverzehr, denn neben Speisen wie Kompott und Marmelade schmecken sie uns auch eingemacht, gedörrt und tiefgefroren. Sogar in Gebranntem bereichern sie unsere Kultur, zum Beispiel als Zwetschgenwasser oder Slibowitz. Kein Wunder, dass wir uns jedes Jahr kaum halten können, wenn für die Zwetschgen die Erntezeit beginnt. Hier kommen unsere Tipps und Tricks.

Zwetschgen in der Erntezeit – voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Wie unterscheiden sich Zwetschgen von Pflaumen?

Nicht nur während der Erntezeit der Zwetschgen fragen sich Interessierte, wo der Unterschied zwischen den beiden beliebten Früchten liegt. Was viele nicht wissen: Zwetschgen zählen ebenso wie Mirabellen und Renekloden zu den Pflaumen (Prunus domestica). Doch was genau sind die Unterscheidungsmerkmale?

Im Gegensatz zu Pflaumen, die eher rund bis rundoval wachsen, sind sie länger als breit und weisen an der Seite eine deutlich erkennbare Bauchnaht auf. Pflaumen haben diese Bauchnaht nicht.

Zwetschgen-Erntezeit [Foto: AdobeStock_Branko Srot]
Zwetschgen sind länger als breit, haben eine Bauchnaht und sind blau mit einem Duftfilm. [Foto: AdobeStock_Branko Srot]

Meistens sind Zwetschgen zudem blau, wohingegen Pflaumen in vielerlei Farben daherkommen. Je nach Sorte können wir sie in Blau, Violett, Rot oder sogar in Grün oder Gelb bekommen. Letztere nennen wir Mirabellen oder auch Renekloden, doch dazu erfahren Sie hier mehr. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal: Zwetschgen sind mit einer kräftigen Beduftung überzogen.

Die Beduftung oder auch der Duftfilm bezeichnen einen weißlichen Belag, der sich noch am Baum durch Kondenswasser bildet. Er schützt die Frucht vor dem Austrocknen. Außerdem ist er ein Zeichen für Frische, denn je länger die Zwetschgen lagern, desto mehr verschwindet der weißliche Film.

Auch markant: Pflaumen sitzen fest am Stein. Bei Zwetschgen lässt sich das Fruchtfleisch ganz leicht lösen. Das Fruchtfleisch der Zwetschgen zeichnet sich außerdem durch seine Feste aus und schmeckt süß-säuerlich. Während Pflaumen beim Kochen zerfallen, passiert das bei Zwetschgen nicht. Das ist ein Grund für die zahlreiche Verwendung in Backwerk während der Zwetschgen-Erntezeit, denn sie saften deshalb nur sehr wenig, sondern backen süß und fest.

Generell ist die präzise Unterscheidung der beiden Unterarten jedoch schwierig. Denn heute gibt es eine Vielzahl von Kreuzungen und Übergängen.

Wo die Zwetschge am besten gedeiht

Die ertragreichen Zwetschgenbäume wachsen wohl seit der Römerzeit bei uns. Die älteste und bekannteste Sorte, die ‘Hauszwetschge’, wird seit dem Mittelalter in Deutschland kultiviert. Diese Obstgehölze bevorzugen ein gemäßigtes Klima. Auf leichten, nährstoffreichen, warmen und mäßig feuchten Böden gedeihen die fünf bis zehn Meter hohen Bäume problemlos. Gönnen Sie den Zwetschgen zudem mindestens fünf Meter allseitigen Abstand, um in der Erntezeit erfreuliche Erträge zu erzielen.

In sehr niederschlagsreichen Gegenden mit staunassen Böden oder an schattiger Stelle verzichten Sie besser auf Zwetschgen. Pflanzen Sie, wenn der Platz ausreicht, am besten und mindestens zwei verschiedene Sorten. Obwohl viele Sorten selbstfruchtbar sind, ist so dennoch ein besserer Fruchtansatz zu erwarten. Stehen in der Nähe weitere Zwetschgen, Pflaumen oder Schlehen, so können auch diese als Befruchter dienen. Die geschickte Sortenwahl ermöglicht eine gestaffelte Ernte der Zwetschgen von der Erntezeit Mitte Juli bis in den Oktober hinein.

Wie lange halten sich die Früchte der Zwetschgen in der Erntezeit?

Die bläulich bis violetten Früchte entfalten nur dann ihr volles Aroma, wenn sie am Baum ausreifen dürfen. Also besser ein bisschen mit der Ernte warten. Der bläulich-weiße, reifartige Belag auf den Früchten, der sogenannte Duftfilm, sollte unmittelbar vor dem Verzehr abgewaschen werden, da er durch Verunreinigungen aus der Luft belastet sein kann.

Eine feste Konsistenz, eine schöne, dunkelblaue Ausfärbung und angenehmer Duft sind weitere Reifemerkmale während der Erntezeit von Zwetschgen.

Vollreif gepflückte Früchte halten sich im Gemüsefach des Kühlschranks etwa eine Woche. Die Jahr für Jahr voll hängenden Bäume liefern in der Regel mehr, als sich frisch verzehren lässt. Halbiert, entsteint und bei minus 18 Grad tiefgekühlt, halten sich Zwetschgen jedoch gut ein Jahr.

Zwetschgenbäume pflegen

Die laufende Pflege beschränkt sich im Wesentlichen auf das Düngen und Schneiden. Daher ist eine jährliche Gabe von etwa vier Liter Kompost sowie 100 bis 140 Gramm Hornmehl ratsam. Gegen Ende März auf der Baumscheibe verteilt und leicht eingeharkt, erhält die Zwetschge einen kräftigen, aber mäßigen Wuchs. Stellen Sie vor allem während des Fruchtwachstums eine ausgewogene Wasserversorgung sicher.

Zwetschgen reife Früchte am Baum
So sollten Zwetschgen zur Erntezeit aussehen. Sie sind dunkelblau und zeichnen sich durch eine fast makellose Beduftung aus. [Foto: ©GartenFlora]

Ein regelmäßiger Baumschnitt im Frühjahr vor der Blüte sorgt für eine lockere und lichte Krone. Schaderreger haben es dann schwerer, sich dort einzunisten. Viele neuere Sorten sind weitestgehend resistent oder tolerant gegenüber Pilz- und Viruskrankheiten. Ihre örtliche Baumschule berät Sie, welche Sorten auf welchen Unterlagen in Ihrer Gegend gedeihen.

Die richtige Befruchtung von Zwetschgen

An Ihrem Zwetschgenbaum öffnen sich gegen Ende April Tausende weißer Blüten, sie setzt aber keine oder zu wenig Früchte an? Dann fehlt bestimmt der geeignete Befruchter. Wer nur Platz für einen Baum hat, pflanzt daher besser eine selbstfruchtbare Sorte, wie ‘Ortenauer’ oder ‘Hauszwetschge’. Stehen im Nachbargarten jedoch Bäume unterschiedlicher Pflaumensorten, ist die gegenseitige Befruchtung in aller Regel gesichert und die Zwetschgen Erntezeit kann losgehen.

Robuste Sorten in der Zwetschgen-Erntezeit

Die altbewährte ‘Hauszwetschge’ wird wegen ihres ausgesprochen würzigen Aromas auch heute noch gern gepflanzt. Es gibt jedoch neuere, weniger krankheitsanfällige Sorten wie die scharkaresistente, reichtragende und selbstfruchtbare Sorte ‘Jojo’. Ein weiteres Plus dieser Sorte: Ihre Früchte sind größer. Die mittelfrüh tragende und ebenfalls selbstfruchtbare ‘Hanita’ mit mittelgroßen Früchten kann zwar vom Scharkavirus infiziert werden, ist aber tolerant: Auch wenn’s einen Baum erwischt hat, leiden die Früchte nicht unter den typischen Symptomen wie Pocken auf der Schale oder gummiartigem, ungenießbarem Fruchtfleisch.

Sorten

Neben der alten und immer noch beliebten ‘Hauszwetschge’ halten Baumschulen etwa 25 Zwetschgen-Sorten bereit. Wer große Früchte schätzt, wählt vielleicht ‘Auerbacher’ oder ‘Tegera’. Als resistent gegen die unheibare Viruskrankheit Scharka gilt zum Beispiel ‘Jojo’. In der Tabelle haben wir einige Infos zu diesen und anderen guten Zwetschgensorten zusammengetragen. (Auswahl in der Reihenfolge der Reifezeit)

Zwetschgen-Sorte
Reife-/Erntezeit Eigenschaften
KatinkaVII– VIIIselbstfruchtbar, hoher, regelmäßiger Ertrag,
kleine Früchte,
Aroma ähnlich Hauszwetschge
TegeraVII– VIIIselbstfruchtbar, regelmäßiger Ertrag,
mittelgroße Früchte,
würzig aromatisch, süß-säuerlich
Bühler FrühzwetschgeVII– VIIselbstfruchtbar, sehr hoher Ertrag,
mittelgroße Früchte, leicht säuerlich,
aromatisch
Wangenheims FrühzwetschgeVII– VIIselbstfruchtbar, hoher Ertrag,
geringe Ansprüche an Boden und Klima,
ähnlich Hauszwetschge
Zimmers FrühzwetschgeVII– VIInicht selbstfruchtbar, hoher Ertrag,
große Früchte mit würzig-säuerlich-süßem
Aroma
TopfiveVIII– VIIIteilweise selbstfruchtbar, früher und
hoher Ertrag, harmonisches Aroma
Cacaks BesteVIII– VIIInicht selbstfruchtbar, mittlerer bis hoher
Ertrag, große Früchte,
reift in kühlen Lagen nicht aus
FelsinaVIII– VIIIselbstfruchtbar, mittlerer bis hoher
Ertrag, mittelgroß, für kühlere Lagen,
harmonisches Aroma
HanitaVIII– IXselbstfruchtbar, trägt gut und regelmäßig,
mittelgroße Früchte, gutes Aroma
AuerbacherVIII– IXselbstfruchtbar, früher, hoher Ertrag,
alternierend, mittelgroße Früchte,
süß-säuerlich, saftig
JojoIX– IXselbstfruchtbar,
hoher bis sehr hoher Ertrag,
große Früchte mit festem, saftigem Fleisch
HauszwetschgeIX– IXselbstfruchtbar, hoher Ertrag,
kleine Früchte,
sehr gutes würzig-süß-saures Aroma
HaromaIX– Xnicht selbstfruchtbar, hoher und
regelmäßiger Ertrag, mittelgroße Früchte,
saftig aromatisch
PresentaIX–Xselbstfruchtbar, hoher Ertrag,
mittelgroße bis große Früchte,
weniger Säure als Hauszwetschge
Zwetschgen Erntezeit (nach Sorte und Eigenschaften)

So werden Zwetschgen geschnitten

Wie beim Apfelbaum halten Sie die Kronen luftig und lassen Sie das Fruchtholz nicht zu alt werden. So bleibt Ihr Baum immer im Wuchs, die Früchte erhalten mehr Licht, und Schaderreger haben es schwer, sich zu halten. Die besten Früchte entwickeln sich an kurzen Seitentrieben des zwei- und dreijährigen Holzes. Beim Winterschnitt nehmen Sie daher ältere und starke sowie sehr steile Triebe zugunsten schwächerer und flacher stehender einjähriger Triebe heraus. Die blühen zwar vor der Zwetschgen Erntezeit zunächst nicht, bilden aber bald neues Fruchtholz.

Sie haben erfolgreich Zwetschgen ernten können, aber suchen nach einem anderen Obstgehölz für die nächste Erntezeit? Wie wäre es denn mit einem Apfelbaum? In unserem Artikel erklären wir Ihnen alles, was Sie über die Wahl eines Apfelbaumes als Hausbaum wissen müssen.

Wir freuen uns schon auf Sie!

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