Neudorff bietet homöopathische Elixiere für verschiedene Pflanzen an. Bild: Hersteller

Pflanzenstärkungsmittel mit nachweisbarer Wirkung

Kräuterextrakte lassen sich aus Ackerschachtelhalm, Kamille, Brennnessel leicht selbst herstellen. Pflanzenstärkungsmittel aus dem Handel enthalten zusätzlich Gesteinsmehle, Fettsäuren, Molke oder Mikroorganismen. Ob selbst gebraut oder gekauft, sie helfen dabei, die Pflanzen gesund zu erhalten. Das unterscheidet sie von Pflanzenschutzmitteln, die Schädlinge und Pilzkrankheiten bekämpfen und neuerdings auch Pflanzen vorbeugend vor ihnen schützen.

Nicht alle Pflanzenstärkungsmittel haben jedoch eine nachweisbare Wirkung. Für den Verbraucher kommt erschwerend hinzu, dass Pflanzenstärkungsmittel in den Handel gebracht werden können, ohne dass ihre Wirkung nachgewiesen werden muss. Und doch gibt es tatsächlich wirksame Mittel: u. a. Ackerschachtelhalm, dessen Kieselsäure die Pflanzenzellen stärkt und Angriffe von Pilzen und Schädlingen vereitelt, Sachalinknöterich (z. B. Milsana), der vergleichbar mit einer Impfung die pflanzeneigenen Abwehrkräfte mobilisiert, oder Kamille, deren antibiotisch wirksamen Inhaltsstoffe Pilzsporen an Samen abtöten. Brennnesselauszüge vertreiben Blattläuse durch ihren strengen Duft. Bekämpft werden die Läuse jedoch nicht. Alle Pflanzenstärkungsmittel helfen nur vorbeugend und sollten alle sieben bis 14 Tage tropfnass gesprüht werden. Denn der Neuaustrieb ist noch nicht „gestärkt“. Zudem wäscht Regen das Mittel ab, oder die natürlichen Wirkstoffe werden unter Lichteinfluss in ihre (dann unwirksamen) Bestandteile zersetzt.

Neue Regeln für Pflanzenstärkungsmittel

Viele Gärtner schwören auf die sanften Natur-Produkte. Doch im letzten Jahr ist der Markt ins Wanken gekommen. Am 14. Februar 2012 wurde das Pflanzenschutzgesetz nach einer EU-Verordnung novelliert. Die Definition von Pflanzenschutzmittel wurde in dem Sinne erweitert, dass sie Pflanzen vor Schadorganismen schützen oder deren Einwirkung vorbeugen. Das hatte auch Auswirkungen auf die Definition von Pflanzenstärkungsmitteln. Vorher waren es Mittel, welche „die Widerstandsfähigkeit gegen Schadorganismen erhöhen“, also ein Punkt, der nun den Pflanzenschutzmitteln hinzugefügt wurde. Jetzt dürfen die Stärkungsmittel nur noch der „allgemeinen Gesunderhaltung der Pflanzen“ dienen. Das hört sich erst einmal nicht nach viel an, hat aber Auswirkungen auf die gesamte Branche und die Verbraucher.

Es war lange Zeit nicht klar, ob es die Pflanzenstärkungsmittel überhaupt noch geben wird. Jetzt wissen wir: Sie dürfen weiterhin verkauft werden, aber mit Einschränkungen. Alle Pflanzenstärkungsmittel müssen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) neu angemeldet und gelistet werden. Auch für die Etiketten gibt’s neue Vorschriften: Es darf nicht mehr mit der Wirkung gegen Schädlinge und Krankheiten geworben werden. Anmeldung und Umetikettieren dauern seine Zeit, so dass es kurzzeitig zu Lieferengpässen kommen kann. Zudem wurden einige Pflanzenstärkungsmittel aufgrund ihrer Zusammensetzung den Düngemitteln oder Hilfsstoffen zugeordnet.
Natalie Faßmann

Was ändert sich für den Verbraucher?

Einige unserer Produkte haben nun neue Namen. Was früher „Bio-Spritzmittel gegen Echten Mehltau“ hieß, heißt nun „Bio-Pflanzenspray zur Gesunderhaltung Mehltauanfälliger Pflanzen“. Die neuen Etiketten und die vorgeschrieben Wortwahl wirken für den Verbraucher noch sehr ungewohnt. Da sich der Inhalt der Pflanzenstärkungsmittel aber nicht ändert, gehen wir davon aus, dass sich die Verbraucher schnell an die neuen Namen gewöhnen werden.
Ralf Rohde,
F. Schacht GmbH

Unsere beiden beliebten Stärkungsmittel „Neudo-Vital Obst-Spritzmittel“ und „Neudo-Vital Rosen-Spritzmittel“ sind wegen ihres Nährstoffgehalts nun offiziell Kaliumdünger. Ebenso unsere „Algan-Wachstumshilfe“. Das „Brennnessel- Pulver“ zählt nun zu den NPK-Düngern. Wir hoffen, dass die Händler unsere Produkte auch weiterhin zu den Stärkungsmitteln stellen, so dass der Verbraucher sie schnell wiederfindet. Wenn nicht, schauen Sie einfach bei den Düngern nach.

Sabine Klingelhöfer