Schwarzwurzeln in der Küche Foto: AdobeStock_Printemps

Küchengarten im Dezember – was ist zu tun?

Wer sich ganzjährig an seinem Küchengarten erfreuen möchte, kann auch im Dezember aktiv werden. Manche Schützlinge freuen sich über Schnittmaßnahmen. Zudem lässt sich manches Gemüse auch jetzt noch problemlos ernten.

Johannisbeeren verjüngen

Johannisbeeren muss man nicht sofort nach der Ernte schneiden! Denn der Schnitt zielt darauf ab, den Neuaustrieb in der nächsten Saison zu fördern. Jedes Jahr sollten dabei circa 25 Prozent der Triebe gänzlich entfernt werden. Der Grund: Überalterte Johannisbeerbüsche und -stämmchen bilden nur noch wenig junges und damit produktives Fruchtholz. Die Beeren und Trauben werden somit Jahr für Jahr kleiner, sind weniger süß und verlieren an Aroma.

Und: Die Ernte der vielen, aber kleinen Beeren an Minitrauben ist eine mühsame Angelegenheit. Zudem nisten sich in zu dichten Sträuchern schnell Schaderreger ein. Jetzt sieht man die Sträucher ohne Blätter, und die alten Triebe sind gut erkennbar! 

Im Küchengarten können Sie daher im Dezember (oder in den Folgemonaten bis März) zur frisch geschärften Schere greifen und ein bis zwei Drittel der alten Äste an der Basis herausnehmen. Die übrigen werden über die kommenden Jahre nach und nach zugunsten junger Bodentriebe entfernt.

Faustregeln: Johannisbeeren fruchten am besten am 2- und 3-jährigen Holz. Beim Schnitt können 4 bis 5 mittelalte Triebe an einem Busch verbleiben. Man lässt beim Schneiden kleine „Stummel“ stehen, so dass dort ein Neuaustrieb erfolgen kann.

Johannisbeeren schneiden
Beim Schnitt von Johannisbeeren werden die dicksten Äste und hängende Seitentriebe zuerst entfernt. Foto: iStock_Lex20

Topinambur ernten

Die Knollen sind schon ab Oktober erntereif, halten sich jedoch dort, wo sie gewachsen sind, am besten: So welken sie nicht, und ein Frostschaden an den überaus robusten Knollen ist nicht zu befürchten.

Dennoch sollten Sie sich im Küchengarten spätestens im Dezember ans Ausgraben machen, denn ist der Boden erst einmal fest gefroren, ist es mühsam bis unmöglich, an das gesunde Knollengemüse zu gelangen. Da einmal geernteter Topinambur nicht besonders lagerfähig ist, ernten Sie am besten nur so viel, wie Sie in zwei Wochen verbrauchen können. So lange halten sie sich, vor Verdunstung geschützt, im Kühlschrank.

Die Alternativen: Decken Sie die Beetfläche mit einer dicken Isolierschicht aus Laub plus Vlies ab. Dann bleibt der Boden offen. Oder ernten Sie eine größere Menge, legen sie in Kisten mit feuchtem Sand und stellen diese kalt, aber frostfrei auf.

Küchengarten im Dezember: Schwarzwurzeln ernten

Frühestens ab Oktober sind Schwarzwurzeln erntereif. Es besteht dennoch kein Grund zur Eile. Das frostharte Wurzelgemüse kann im Küchengarten noch bis Ende Dezember geerntet werden. Die langen, meist geraden Stangen lassen sich zum Beispiel mit der Grabegabel ernten. Oder Sie legen eine Seite der Reihe vorsichtig mit dem Spaten frei und lockern dann von der anderen. So dürfte keine Wurzel brechen.

Tipp: Lassen Sie dünne Schwarzwurzeln im Boden – sie sind nur mühsam zu schälen. Im kommenden Jahr zeigen sich dann hübsche, gelbe Blüten.

Sind Schwarzwurzeln beinig, haben also verzweigte Wurzeln ausgebildet, war der Boden bei der Aussaat nicht tiefgründig genug gelockert oder enthielt Steine. Möglicherweise konnte sich das Saatbeet vor dem Aussäen auch nicht ausreichend absetzen. Die Wurzeln schmecken nicht weniger gut, sind aber deutlich schwerer zu putzen.

Schwarzwurzeln
Diese Schwarzwurzeln sind ideal gewachsen. Foto: iStock_MagMos

Gründünger und Erntereste untergraben

Egal ob schon erfroren oder nicht: Lassen Sie Blätter und Stiele von Gründüngerpflanzen oder Kohlrabistrünke nicht einfach auf den Beeten liegen! Werden sie oberflächlich in den Boden eingegraben, setzt im kalten Winterboden nur langsam die Rotte ein. Wenn der Boden im Frühjahr wieder wärmer wird und die ersten Kulturen langsam Hunger bekommen, wandeln die Bodenorganismen die organische Substanz nach und nach in wasserlösliche, mineralische Nährstoffe um. Salat- oder Radieschenwurzeln saugen sie dann gierig auf.

Ebenfalls empfehlenswert ist das Kompostieren der Biomasse, denn so werden Kohlstrunk, Bohnenstroh und Phaceliagrün zusammen mit anderen Bestandteilen zu organischem Dünger umgewandelt, der den Boden auch nachhaltig mit Humus versorgt.

Schnelle Ernte mit Keimsprossen

Im Dezember wächst im Küchengarten kaum ein Blättchen. Allenfalls in milden Jahren steht noch ein wenig Petersilie oder Thymian zur Ernte bereit. In der warmen Stube dagegen können Sie leicht und laufend frisches und würziges Grün ernten – auch in der lichtarmen Jahreszeit. Auf feuchter Watte oder feuchtem Küchen krepp keimen die Samen von Kresse, Senf und Radieschen innerhalb weniger Tage.

Auf einer warmen Fensterbank sind die würzig-scharfen Blättchen schon eine Woche nach der Aussaat erntereif. Brokkoli oder Alfalfa (Luzerne) wachsen nur wenig langsamer und bringen ebenso aromatische, doch mildere Blättchen. Brokkoli-Sprossen gelten sogar als krebshemmend. Möchten Sie die Keimsprossen in Keimgläsern heranziehen, sollten Sie die keimenden Samen und die sprießenden Pflänzchen täglich ein- bis zweimal mit frischem Wasser spülen.

Küchengarten im Dezember Foto: AdobeStock_Ronstik
Keimsprossen können im Küchengarten schon innerhalb weniger Tage keimen – auch im Dezember. Foto: AdobeStock_Ronstik

Schneiden ohne Quetschen

Die klassischen Bypass-Gartenscheren hinterlassen gut verheilende Wunden, sofern Sie auf drei Dinge achten. Nur scharfe Scheren schneiden wirklich glatt durch Triebe bis maximal 2 cm Durchmesser, während stumpfe zu splitterndem Holz führen können. Zudem arbeitet es sich mit stumpfem Werkzeug deutlich schwerer. Sind die Triebe, vor allem bei Hartholz wie Quitte oder Flieder, so stark, dass die Schere nur mittels Hin und Herbewegen der Schere durchs Holz zu treiben ist, sollten Sie lieber eine Säge bemühen und die sägerauen Ränder mit einem Messer glätten.

Und schließlich: Halten Sie die Schere so, dass die schneidende Klinge zum Baum zeigt. Dann quetscht die flach aufliegende Gegenklinge den abzuschneidenden Trieb. Hält man sie andersherum, verbleibt die gequetschte Stelle am Gehölz. Dort hätten dann holzzerstörende Pilze ein leichtes Spiel.

Die Top-Themen der Oktober-Ausgabe:

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2. Bäume unterpflanzen: Robuste Stauden für den Schatten

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3. Furioses Finale: So bunt leuchten Wilder Wein & Co

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Achim Werner