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Kunterbunte Wegbegleiter – Elfenblumen & Co

Von GartenFlora

Hunderte, ach was, Tausende Menschen sind unseren Privatweg schon entlang gekommen: fröhliche, nachdenkliche, pflanzenblinde und pflanzenbesessene, Deutsche, Niederländer, Österreicher, Russen, Amerikaner. Und auch manches einheimische Getier: Rehe, Wildschweine, entlaufene Hunde und Katzen. Es ist der Weg, der unser Grundstück mit der Straße verbindet. Wir wohnen in zweiter Reihe, eine Situation, die mancher kennt. Seit über fünfzig Jahren gibt es diese Einfahrt.

Einst führte sie als grasbewachsener Feldweg von der Straße in die Wildnis einer verlassenen Gärtnerei zwischen uralten Obstgärten. Ein Eingangstor brauchten wir damals nicht. Dennoch begann ich, den Weg seitlich mit Hecken zu bepflanzen. Im Süden fiel die Wahl auf eine Spiräenhecke. Spiraea arguta lässt sich bequem in zwei Metern Höhe halten, wächst dicht und braucht nur einmal jährlich geschnitten zu werden. Ideal. Auf der anderen Seite pflanzte ich eine Lebensbaum-Hecke, Thuja occidentalis, Wurzelware, 80 cm hoch. Heute staunen Besucher über diese Hecke. „Was, über 40 Jahre alt und noch so schlank!“ Ja, ich habe unsere Hecke von klein auf jährlich getrimmt, und dabei in den vier Jahrzehnten mindestens drei Heckenscheren „verbraucht“.

Schließlich pflasterte ich auch noch die Fahrspuren, damals auf Trabant-Breite. Zweimal habe ich die Breite dem automobilen Fortschritt mittlerweile angepasst. Soweit alles ganz praktisch, aber für den Gärtner in mir natürlich zu trist. Noch im gleichen Jahr bepflanzte ich den schattigen Seitenstreifen unter der Spiräenhecke mit Elfenblumen. Nur die rot blühenden Epimedium x rubrum standen mir zur Verfügung. Schnell haben sie sich zwischen Hecke und Pflaster zu einem breiten Band entwickelt. Die roten Blüten im April und die kupferrote Blattfärbung im Herbst sind willkommene Höhepunkte. Der Pflegeaufwand ist fast Null. Lediglich in ganz trockenen Sommerwochen helfe ich mit Wasser nach. Und im zeitigen Frühjahr, vor dem Neuaustrieb, schneide ich die alten Blätter mit der Heckenschere ruck zuck ab. Den nicht gepflasterten Mittelstreifen, 75 cm breit, hatte ich nicht so schnell im Griff.

Einige Jahre experimentierte ich. Welche Pflanzen bleiben niedrig genug für den Unterboden vom Trabi? Sie sollten pflegearm sein und auch noch blühen. Lange war ich unzufrieden. Bis mir Anfang der 80er Jahre die neue Storchschnabel-Sorte ‘Biokovo’ in die Finger kam. Die war es! Sie verträgt Sonne, Halbschatten, Trockenheit, gelegentliches Überfahrenwerden, bleibt niedrig und blüht weiß bis zartrosa. Mangels genügender Stückzahlen musste ich zu einem gärtnerischen Trick greifen: Risslinge. Doch dazu ein andermal.

Im Laufe weniger Jahre haben sich die zarten Teilstücke auf dem Mittelstreifen flächendeckend ausgebreitet. Wenn Sie nun meinen: Bodendecke, aha, spart das Jäten – das ist aber ein Irrtum. Unzählige Eindringlinge haben im Laufe der Jahre versucht, in meinem Teppich aus Storchschnabel Fuß zu fassen! Löwenzahn, Knöterich und Brennnessel sind noch die harmlosen. Quecke, Schachtelhalm und Acker-Winde – schon übler. Auch eine dichte Pflanzendecke braucht etwas Zuwendung, um gepflegt auszusehen.

Doch auch willkommener Pflanzenbesuch stellte sich ein: Zuerst kamen die Schneeglöckchen, dann die Elfen-Krokusse, die Blausternchen und der Winterling, ab und zu auch ein Buschwindröschen. Sie alle nutzen das noch schüttere Blätterdach der Storchschnäbel im Frühjahr für ihr Gedeihen. Ich lasse sie gewähren oder helfe sogar nach. Und so fahren wir von Februar bis April mit unserem Auto über einen leuchtend bunten Streifen. Erstaunlich ist, dass sich sogar seitlich, im Wurzelgewirr der Elfenblumen, das Bild wiederholt. Dort, im Schatten, dominieren Anfang April die Lerchensporne sowie gelbe und weiße Buschwindröschen.

Und was wurde aus dem sonnigen Südstreifen vor der Thuja-Hecke? Die Frühjahrsblüher versuchten auch hier, Fuß zu fassen. Doch es war ihnen zu trocken. Dann kam ich auf die Idee, die abgeblühten Tulpen aus den Töpfen dort unterzubringen. Es funktionierte! Nun erleben diese einen zweiten, oft sogar dritten Frühling. Im Herbst erfreuen mich an der Hecke wochenlang die duftenden weißen Blüten des Schnitt- Knoblauchs, Allium tuberosum.

Die Welt hat sich unterdessen weiter gedreht, es wurde notwendig, den Ein- und Ausgang für Mensch und Tier zu kontrollieren. So bauten wir ein Schiebetor ein. Aber die Wildschweine brachen seitlich durch die Spiräenhecke und zerwühlten den Garten nach Schweineart. Im Frühjahr stellte ich fest, dass ihnen die Krokusse geschmeckt haben mussten! Also bauten wir ein zweites, schweinesicheres Tor an der Straße ein. Seitdem hat uns kein Schwein mehr besucht. 

Autor: Dr. Konrad Näser

Cambridge-Storchschnäbel

Das weißrosa Blütenband in der Wegmitte der Grundstückszufahrt von Dr. Konrad Näser, der Storchschnabel ‘Biokovo’ , ist eine Kreuzung zwischen dem starkwüchsigen Geranium macrorrhizum und dem zierlichen Geranium damaticum, Geranium x cantabrigiense genannt. Es gibt ein knappes Dutzend guter Sorten, die sich vor allem in der Blütenfarbe unterscheiden. Der Name „Cambridge-Storchschnäbel“ hat sich für die ganze Gruppe durchgesetzt. 

Alle sind pflegeleicht, nicht wuchernd, bodendeckend, niedrig (20 bis 25 cm hoch), Sonne, Halbschatten und Trockenheit vertragend, relativ schneckenfest, winterhart und sie haben aromatisch duftendes Laub:

‘Berggarten’, rosa, spät blühend, rötliche Herbstfärbung 
‘Biokovo’, weiß-rosa, niedrig, gelb-grüne Herbstfärbung 
‘Cambridge’, violettrosa, mittelhoch, gab der Gruppe den Namen 
‘Harz’, hell violettrosa, mittelhoch, intensive Herbstfärbung 
‘Karmina’, niedrig, violettrosa, spätblühend ‘Lohfelden’, ähnlich 
‘Biokovo’, besonders reich blühend 
‘St. Ola’, großblütig, weiß-rosa, dunkellaubig, rötliche Herbstfärbung 
‘Westray’, lachsrosa, mit nur 15 cm Höhe der Zwerg der Sippe 
‘Hanne’, lilarosa mit hellem Rand