Stauden für Anfänger

Themen: Staudengarten
Mutterkraut

Zierlicher Lückenfüller, der zwar kurzlebig, aber sehr vermehrungsfreudig und robust ist: Das Mutterkraut stammt aus dem Orient, geistert aber seit dem Mittelalter durch unsere Gärten. Es gibt viele Sorten mit weißen, gelben, gefüllten oder ungefüllten Blüten.

Oft wird Dr. Konrad Näser gefragt, welche Stauden zuverlässige Anfängerpflanzen sind. Meist gab es dann schon ein paar Pleiten und der noch wenig erfahrene Gärtner ist durchaus verzweifelt.

Kennen Sie das Mutterkraut? Gerne wünsche ich ihm noch viel mehr Popularität, denn es ist eine richtige Anfängerstaude. Leicht heranzuziehen, immer gesund, schneckenfest, dazu mit schöner, langanhaltender und wunderbar zum Schnitt geeigneter Blüte. Für eine Staude ist das Mutterkraut vergleichsweise kurzlebig, dafür aber mit reichlich Samen ausgestattet.

Nur die Botaniker ärgern mich. Alle paar Jahre taufen sie die alte Arznei- und Bauerngartenpflanze um. Derzeit heißt sie Tanacetum parthenium. Warten wir mal ab, ob es dabei bleibt. Wir haben das Mutterkraut seit vielen Jahren im Garten. Es wächst und wächst und vermehrt sich, ohne dass ich mich darum kümmern muss. Vor langer Zeit hatte ich ein Tütchen Mutterkrautsamen gekauft und ausgesät. Und so habe ich es vermutlich für immer.

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Staudenschönheiten für Fortgeschrittene

ScheinmohnDann wieder gibt es Stauden, die ich als „Stauden für Fortgeschrittene“ klassifiziere. Sie sind bei Anfängern oder in neu angelegten Gärten chancenlos.

Zwei klassische Beispiele erlebe ich immer wieder: Gartenbegeisterte Englandreisende wollen unbedingt den phantastischen blauen Mohn, es ist der Scheinmohn, Meconopsis betonicifolia, im eigenen Garten haben. Das blaue Leuchten der großen, seidigen Blüten ist eindrucksvoll, einfach unwiderstehlich. Man bringt also Jungpflanzen mit nach Hause oder kauft sie nach der Rückkehr hier in Deutschland.

Natürlich, man bekommt die Pflanzen auch hierzulande. Doch aus eigenen Erfahrungen weiß ich: Dieser blaue Mohn lebt in den hiesigen Gärten nicht lange. Es mag natürlich Ausnahmen geben, in Norddeutschland, in humusreichen Böden und bei einem Kleinklima mit hoher Luftfeuchte habe ich ihn schon angetroffen. Doch Begehrlichkeiten weckt er in mir längst nicht mehr.

Allen von dieser berückend blauen Staude schwärmenden Gartenbesuchern empfehle ich alternativ lieber die Wald-Glockenblume, Campanula latifolia. Sie blüht ebenfalls in einem sehr eindrucksvollen Blau. Zugegeben, nicht ganz so imposant. Dafür aber gedeiht sie bei uns ganz problemlos.

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Experimentieren auf dem Weg zum "grünen Daumen"

Rosen-PrimelnEin anderes Beispiel sind die Waldlilien, botanisch Trillium. Es gibt mehrere Arten. Die meisten sind in den Wäldern Nordamerikas heimisch. In unseren Gärten erweisen sie sich als echte Diven.

Doch, wie beim Mohn: Wer sie gesehen hat, möchte sie haben! Ich selber brauchte Jahrzehnte, um diese Pflanzen zu „begreifen“. Jetzt hab ich‘s, und ich rate Interessenten: „Bitte erst das Pflanzenabitur ablegen“. Das klingt vielleicht ein bisschen arrogant, soll aber heißen, dass die Trillium keine Pflanzen für gärtnerische Grundschüler sind.

Auf Gartenmärkten stößt man immer wieder auf andere, neue Pflanzen, hervorragend kultiviert und kaufanreizend in Szene gesetzt. Und dann? Sie sind schnell wieder aus dem Garten verschwunden. Ein typisches Beispiel: Die Rosen-Primel, Primula rosea (Bild). Im Frühjahr wird sie blühend in jedem Gartencenter verkauft. Aus dem Garten hat sie sich nach ein bis zwei Jahren davongemacht. Warum? Sie braucht einen nassen, fast sumpfigen Standort. Doch wer weiß das schon?

Nach einigem Experimentieren hat sie in unserem Garten einen Stammplatz gefunden: Auf ein paar Findlingsbrocken mitten im Teich habe ich einige Hände Schlamm gepackt und da hinein mehrere Rosen-Primeln gepflanzt. Dort, ständig feucht von unten, wachsen und blühen sie nun schon jahrelang.

Der Schlüssel zum Erfolg

Da wird klar: Die Kenntnisse von den Standortansprüchen unserer Stauden und von ihrem Wachstumsrhythmus sind der Schlüssel zum Erfolg. Wie soll ein Garteneinsteiger das alles wissen? Vieles steht zwar in Büchern. Doch wirklich lernen kann man es erst im Umgang mit den Pflanzen in der Natur. Dazu gehört genaues Hinsehen und Geduld.

Am Anfang, gewissermaßen in der Grundschulklasse, verlässt man sich am besten auf bewährte, bekannte und robuste Stauden, die ohne viel Mühe prächtiges Blühen, passablen Wuchs und lange Ausdauer zustande bringen. An solchen Pflanzen kann sich der „grüne Daumen“ entwickeln. Angeboren ist der nämlich nicht. Er wächst aus Zeit, Hingabe und Erfahrung.

Und mit echten Anfängerpflanzen, wie mit dem Frauenmantel, dem Wald-Geißbart, Taglilien, Funkien (Hosta) und Storchschnäbeln, auch ein paar Gräsern, wie dem Garten-Reitgras oder der Rasen-Schmiele, erspart man sich für den Anfang eine ganze Menge Frust.
Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei „Karl Foerster“ in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen. Lassen Sie sich von den Geschichten, Erfahrungen, Tipps eines leidenschaftlichen Staudengärtners einfangen und ermutigen.

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Doubles für sensible Stars

Diptam und Garten-LupineWer noch im Garten-Anfängerseminar sitzt, ersetzt besser den einen oder anderen Wunsch- und Wackelkandidaten durch einen zuverlässigen Alleskönner mit ähnlicher Ausstrahlung.

Ist Ihr Garten noch nicht reif für die anspruchsvolleren Stauden? Soll sich zunächst eine sichere Erstbesetzung etablieren, denn später ist immer noch Zeit für Stauden, die zwar attraktiv sind, aber viel zu lange brauchen, um den vorgesehenen Platz zu füllen?

Macht nichts, es gibt für viele Wunschkandidaten (links) gute Alternativen (rechts). Einige solcher Austauschpartner kann Dr. Konrad Näser nur empfehlen. Sie meistern entweder schneller die Aufgabe (Lupine, Brunnera) oder sind viel zuverlässiger (Zier-Rhabarber, Riesen-Pfeifengras).

WunschkandidatAlternative
Mammutblatt (Gunnera manicata)Zier-Rhabarber (Rheum palmatum)
Blauglöckchen (Mertensia virginica)Kaukasusvergißmeinnicht (Brunnera macrophylla)
Riesen-Federgras (Stipa gigantea)Riesen-Pfeifengras (Molinia arundinacea)
Italienische Ochsenzunge (Anchusa azurea)Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense)
Tigerglocke (Codonopsis clematidea)Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia)
Feenglöckchen (Disporum flavens)Trollblume (Trollius europaeus)
Stängelloser Enzian (Gentiana acaulis)Karpaten-Glockenblume (Campanula carpatica)
Herzblattschale (Jeffersonia diphylla)Buschwindröschen (Anemone nemorosa)
Wachsglocke (Kirengeshoma palmata)Goldschleier-Rudbeckie (Rudbeckia triloba)
Netzblatt-Pfingstrose (Paeonia tenuifolia) Bauern-Pfingstrose (Paeonia officinalis)
Kornblumenaster (Stockesia laevis)Centaurea montana (Berg-Flockenblume)


Waldlilien – eine Passion

WaldlilienBei den Waldlilien dauert es viele Jahre, bis sich aus einer kleinen Pflanze ein ansehnlicher Bestand entwickelt hat. Zum Glück habe ich mich schon früh um sie bemüht. Jetzt kann ich aus dem Vollen schöpfen und sie sogar vermehren.

Leicht ist das Teilen größerer Pflanzen im März. Die Anzucht aus Samen ist langwierig und voller Gefahren für die kleinen Zöglinge. Es dauert oft sieben, acht Jahre bis zur ersten Blüte. Trillium luteum gehört zu den ganz heiklen. Wer es begehrt, testet seinen Grünen Daumen besser zuerst an der Trauerglocke (Uvularia grandiflora).
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