Gemüsesorten für den Winter

Feldsalat im Beet

Die kleinen Rosetten des Feldsalats lassen sich bei frostfreiem Wetter auch im Winter ernten. Bei Frost frieren die Blättchen zwar ein, tauen aber wieder auf. Doppeltes Vlies schützt davor und verlängert die Erntesaison.

Noch fühlt es sich tagsüber eher herbstlich als winterlich an, doch die Nächte können schon empfindlich kühl werden. Im Gemüsegarten gibt’s im November erstaunlich viel Grün zu sehen: Neben Radicchio, Endivien, und den letzten versprengten Kopfsalaten sprießen Feldsalat und Spinat.

Ein bisschen Frost wird noch vertragen

Nur die Temperaturen muss ich im Blick behalten. Krause Endivie und so mancher Herbstkopfsalat machen bei frostigen Temperaturen schlapp. Glatte Endivie und Radicchio halten zwar bis –5 °C aus, sind dann aber erst einmal gefroren. Und das überstehen sie selten unbeschädigt.

Wenn also der ganze Kopf geerntet werden soll, dann jetzt. Damit die Salate noch ein paar Wochen halten, ziehe ich sie samt Wurzel aus dem Sandboden, bei schwererem Boden sollte man eine Schaufel zu Hilfe nehmen. Kranke oder beschädigte Blätter schneide ich ab, wickle dann die Salate einzeln in Zeitungspapier und stelle sie senkrecht in eine Kiste im kühlen Keller oder frostfreien Schuppen.

Robuste Feldsalat- und Spinatsorten

Feldsalat und Spinat sind dagegen für den Winter gemacht und dürfen draußen bleiben. Doch nicht alle Sorten halten frostige –12 bis –15 °C locker aus. Zu empfehlen sind Spinat ‘Matador’, ‘Monnopa’, ‘Verdil’ und ‘Riesen-Winterspinat’. Beim Feldsalat sind es ‘Vit’, ‘Gala’, ‘Volhart 3’, ‘Accent’, ‘Favor’ und ‘Dunkelgrüner Vollherziger’.

Mitte September habe ich die letzten Reihen gesät, damit sich noch mindestens zwei Laubblätter entwickeln können. So kommen die Sämlinge gut über den Winter. Bei Kahlfrösten brauchen sie allerdings eine doppelte Vliesauflage. In sehr rauen Regionen können die Gemüsepflänzchen auch erfrieren.

» Gartenpraxis: Feldsalat bzw. Nüssli, Rapunzel oder Vogerlsalat

Über Winter im Beet und im Frühling erntereif

Eine Reihe weiter steht Winterkopfsalat, den ich im Oktober gepflanzt habe und hoffentlich im April ernten kann. Er ist etwas aus der Mode gekommen, doch es gibt tatsächlich winterharte Kopfsalate wie ‘Winter Butterkopf’, ‘Merveille des quatre saisons’, ‘Waldor’, ‘Baquien’, ‘Roter Winterhäuptl’, den Pflücksalat ‘Winterlatthugino’ und den Eissalat ‘Unikum’. Sie gehen als halbwüchsige Jungpflanzen in den Winter und wachsen bei milden Frühlingstemperaturen weiter.

Die Setzlinge werden tiefer gepflanzt als bei Salat üblich. Etwa 1 cm sollte der Ballen unter der Erde sein. Sonst kann der Frost die Pflänzchen hochdrücken. Das zerstört die Wurzeln und damit die Wasserversorgung.

» Das Salatjahr

So klappt's mit Zichorien über Winter

Auch unter den Zichorien gibt es Überwinterer wie die grünblättrige, recht bittere Rosettenzichorie ‘Grumolo verde’. Deren Blätter werden Ende Oktober abgeschnitten, damit sie nicht faulen. Das Herz bleibt stehen und treibt im Frühjahr wieder aus.

Diese Winter-Salate vertragen zwar eine leichte Schneedecke, bei Kahlfrösten sollten sie jedoch mit doppeltem Vlies bedeckt werden, das bei frostfreiem Wetter wieder entfernt wird.

» Radicchio

Der Einfluss des Lichts im Winter

Die niedrigen Temperaturen sind nur ein Faktor, der im Winter das Pflanzenwachstum begrenzt. Auch die Lichtmenge ist entscheidend. Bei deutlich unter zehn Stunden Tageslicht wachsen Pflanzen nur eingeschränkt oder gar nicht mehr.

In Norddeutschland sind die Tage schon in der letzten Oktoberwoche weniger als zehn Stunden lang, stetig sinkend bis knapp 7,5 Stunden Mitte Dezember. Erst in der dritten Februardekade schraubt sich die Tageslänge wieder auf zehn Stunden und mehr.

Im Süden Deutschlands hat man noch in der ersten Novemberwoche knapp zehn Stunden Licht. Bis etwa drei Wochen vor dieser Zehn-Stunden-Grenze können Feldsalat, Spinat, Asia-Salate und einige kälteverträgliche Pflücksalate im ungeheizten Gewächshaus gesät werden.

Babyleaf-Salate über Winter ernten

Die Sämlinge wachsen bis auf Babyleaf-Größe heran, bevor sie innehalten, und können im Winter regelmäßig geerntet werden. Sie frieren bei Frost zwar auch ein, tauen wegen des Treibhauseffekts, der durch die Sonne unter dem Glas entsteht, jedoch unbeschadet wieder auf.

Nur bei lang anhaltenden Temperaturen unter –10 °C sollten sie zusätzlich mit Vlies geschützt werden. Und so wird das kleine Gartengewächshaus zur Salat-Vorratskammer, ohne dass man heizen oder mit Pflanzenleuchten an der Lichtdauer drehen muss. Hohe Bäume oder Gebäude dürfen es im Winter dann jedoch nicht beschatten. 
Natalie Faßmann


Babyleaf-Salate

Mit Blattsenf und Co. können Sie die Salatsaison im Gewächshaus verlängern.

Die kältetoleranten, teils frostfesten Asia-Salate ‘Mizuna’, ‘Mibuna’, ‘Tatsoi’ und ‘Pakchoi’ werden dicht gesät, denn sie wachsen bei den niedrigen Temperaturen nur noch langsam. Doch das ist nicht schlimm, denn sie werden im Babyleaf-Stadium geerntet, wenn die Blättchen 5 bis 7 cm lang sind.

Ergänzen Sie das Sortiment mit Baby-Spinat, Endivien, Pflücksalaten wie ‘Red Salad Bowl’ und ‘Amerikanischer Brauner’, Winterkopfsalaten, Feldsalat, Winterportulak, Rucola, Hirschhorn-Wegerich und Rote Bete ‘Bull’s Blood’.


Die Wilden

Hirschhorn-Wegerich ist eine mehrjährige Staude, die man von April bis August sät. Die jungen Blätter werden roh mit anderen Blattsalaten gemischt, ältere Blätter kurz gedünstet.

Winterportulak ist winterhart. Er wird von August bis September ins Freie gesät oder gepflanzt. Seine milden Blättchen können nach fünf bis acht Wochen geerntet werden.

Löffelkraut gehört zu den Kreuzblütengewächsen. Es wird im Frühjahr oder Spätsommer gesät und feucht gehalten. Die kresseähnlich scharfen Blätter erntet man spätestens kurz vor der Blüte.

» Große Salat-Auswahl für alle Jahreszeiten im GartenFlora-Shop 

Tipps und Wissenswertes rund ums Wintergemüse

Gut vorbereitet: Herbst- und Wintergemüse wie Zuckerhut, Endivie, Lauch und Grünkohl werden schon im Juni und Juli gepflanzt. Feldsalat ist ein Nachzügler, den man ab August in freie Beete sät.

Gefrostete Gemüseschönheiten sollten nur mit dem Auge genossen werden. Denn Gemüse, das im gefrorenen Zustand geerntet wird, ist nach dem Auftauen matschig.

Krause Endivie: Etwa zehn Tage vor der Ernte wird das Endivienherz gebleicht, indem man die Pflanzen entweder locker zusammenbindet oder mit einem Eimer abgedeckt. Die Blätter dürfen jedoch nicht nass sein, sonst faulen sie.

Frostschutz, vor allem bei Kahlfrost ohne Schnee, bieten Glasglocken, aber auch Reisig, doppelt gelegtes Vlies oder  ein mobiler Folientunnel.

Die weinroten Herzblätter des Radicchio entwickeln sich erst im Spätherbst, wenn die Nächte kühl sind. Sie sind zwar bitter, aber deutlich milder als die noch grünen Außenblätter. Eine Besonderheit ist die Sorte ‘Variegata di Castelfranco’ mit roten Tupfen auf grünen oder weiß gebleichten Blättern.

Soll Spinat als Babyleaf geerntet werden, reicht ein Pflanzenabstand von 7 cm. Gut für den Winteranbau im ungeheizten Gewächshaus ist die Sorte ‘Sardinia’ geeignet.

Glatte Endivie: Die glattblättrigen Bittersalate vertragen – im Gegensatz zu den krausblättrigen Sorten – einige Grade unter null und gelegentlichen Bodenfrost.

Kopfsalat: Ausgewachsene Salatköpfe von Ganzjahres-, Herbst- und Wintersorten werden vor Dauerfrost mit der Wurzel geerntet. Spät gepflanzte, noch halbwüchsige Winterkopfsalate vertragen Schnee und Kälte und wachsen im kommenden Frühjahr weiter. Geerntet werden sie ab April.

Übersicht: Gemüsesorten für den Winter

Im Winter wächst draußen kein Gemüse, aber einige Arten und Sorten harren in der Kälte aus, manche selbst bei tiefen Temperaturen.

Grünkohl und Rosenkohl gewinnen durch Frosteinwirkung sogar an Aroma. Sie alle bleiben draußen stehen, bis die Küche ruft.

Aber Vorsicht, nicht alle Arten und Sorten sind gleichermaßen robust:

Ernten bis –5 °C:

Mangold, Herbst- und Winterrettich, Knollensellerie, Kohlrabi, Kopfkohl, Rote Bete, Endivien und viele Kräuter vertragen einige Grade unter Null. Nach der ersten Frostperiode im Oktober wird’s meistens noch mal warm. Dann legen vor allem Wurzelgemüse noch deutlich zu.

Die halten –10 °C aus:

Rosenkohl, Schnittlauch, Winterheckzwiebel, Rucola, Thymian, Minzen oder Lavendel überstehen kurzfristig auch tiefere Temperaturen. Schnittlauch und Heckzwiebeln ziehen langsam ein.

Die ganz harten Arten

Robuste Gemüsearten wie der Topinambur überstehen auch harte Fröste, er kann aber nur bei offenem Boden geerntet werden. Hier hilft dickes Abdecken mit einer isolierenden Laubschicht. Petersilie behält ihre Blättchen, ist aber für eine Schicht trockenen Laubs oder für eine doppelte Lage Vlies dankbar. Auch eine Schneedecke schützt, macht das Ernten aber beschwerlich.

Herbstsorten ...

Dazu gehören unter anderem Grünkohl, Porree, Feldsalat und Spinat. Von allen vieren gibt es Sorten für verschiedene Jahreszeiten. Herbstsorten halten draußen bis etwa Weihnachten aus. Beim Feldsalat sind dies z. B. ‘Favor’ oder ‘Holländischer Breitblättriger, bei Porree z. B. die Sorten ‘Bavaria’, ‘Amundo’, ‘Herbstriesen’ oder ‘Hannibal’. Eine bekannte Grünkohlsorte für die Herbsternte ist ‘Redbor’ (rote Blätter). Herbstspinatsorten sind ‘Lazio’ oder ‘Tarpy’.

... und Wintersorten?

Diese sehr unempfindlichen Sorten halten selbst starke Fröste aus. Sie können, je nach Entwicklungsstand, von Oktober bis März geerntet werden. Dazu zählen die Feldsalatsorten ‘Vit’, ‘Verte de Cambrai’, ‘Gala’ und ‘Juwallon’ sowie die Porreesorten ‘Carentan’ und ‘Blaugrüner Winter’. Bei Grünkohl sind ‘Winnetou’, ‘Halbhoher grüner krauser’, ‘Lerchenzungen’ und bei Spinat ‘Matador’ und ‘Monnopa’ besonders frosthart. Es empfiehlt sich jedoch ein Winterschutz aus Reisig oder Vlies.

» Frisch auf den Tisch: Topinambur


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