Bunte Bohnen

Bohnen zählen zu meinen Lieblingskulturen. Sie haben mich so gut wie nie im Stich gelassen, während Tomaten immer wieder wegen Braunfäule ungenießbar wurden oder der Freiland-paprika kaum getragen hat. Bohnen sind da dankbarer. Auch deshalb, weil ich die Wünsche meiner Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris), also den ganz gewöhnlichen Busch- und Stangenbohnen, und der nahe verwandten Feuerbohnen (Phaseolus coccineus) erfülle. Ich weiß, dass sie schlecht in kaltem, womöglich noch nassem Boden keinem. Deshalb säe ich sie ab Mitte April in 7-cm-Töpfe mit Aussaaterde – immer zwei Körner pro Topf. Im Gewächshaus nutzen sie die angenehmen Tagestemperaturen und keimen innerhalb weniger Tage. Sie stören sich nicht daran, dass das Quecksilber nachts auch mal unter 10 °C fallen kann. Tipp: Lassen Sie vorgezogene Bohnenpflanzen nicht zu groß werden. Spätestens mit vier echten Laubblättern sollten sie ausgepflanzt werden.

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Sie säen lieber direkt ins Freiland? Damit warten Sie besser bis Mitte Mai. Dann keimen die Samen meist zügig. Allerdings: In einer kühlen Regenperiode gehen die Körner mitunter so langsam auf, dass viele kümmern und schließlich verfaulen. Kann mir nicht passieren, denn zu dieser Zeit pflanze ich schon kleine Setzlinge. Das verschafft mir bei Buschbohnen einen Erntevorsprung von gut zwei Wochen. Vorgezogene Stangenbohnen dagegen tragen nicht wesentlich früher, dafür aber deutlich mehr. Die vorkultivierten Schlinger nutzen ihren Wachstumsvorsprung, um zunächst mehr Blattmasse zu bilden. Die ernährt später mehr und größere Früchte. Zu Beginn schütze ich die noch empfindlichen Blättchen mit locker aufgelegtem Vlies gegen kühle Nächte. Mein Bohnenjahr beginnt übrigens nicht erst im Mai, sondern bereits im Februar, spätestens Anfang März, wenn ich Dicke Bohnen (Vicia faba) aussäe. Richtig: im Topf unter Glas! Diese Art ist hart im Nehmen, verträgt sogar leichten Frost, und ab Juni ernte ich die halbreifen, superzarten Samenkörner. Bissfest gegart und abgekühlt, peppen sie jeden Salat auf. Genauso die hellrot gesprenkelten Borlottobohnen (z.B. ‘Borlotto rosso’). Kerne und junge Hülsen gare ich immer vor dem Verzehr. Dadurch wird das enthaltene Gift Phasin abgebaut.

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Apropos junge Hülsen: Die halbreifen, noch ganz zarten Bohnen ernte ich von Stangen- und von Buschbohnen. Ich baue beide an, um die Ernte über mehrere Monate zu strecken. Früh ausgesäte Buschbohnen tragen nämlich schon ab Ende Juni, aber häufig nicht länger als zwei, drei Wochen. Wer länger ernten möchte, sät in Sätzen aus, den letzten um den 10. Juli. Oder er entscheidet sich für Stangenbohnen wie ‘Algarve’ oder ‘Blauhilde’ (violett). Die Schlinger tragen zwar erst ab Ende Juli, dafür aber bis in den Herbst. Je länger der Sommer, desto höher der Ertrag! Und deutlich höher als bei Buschbohnen. In kühleren Gegenden sind diese dennoch die bessere Variante. Sie sind nicht so wärmebedürftig, können bei Bedarf leicht mit Vlies geschützt werden, und sie benötigen keine Kletterhilfe. Feuerbohnen kommen ebenfalls mit kühlerem Klima zurecht. Die schwierigste Antwort für mich ist jedes Jahr die auf die Frage nach den Sorten. Eins aber ist klar: Eine Schwertbohne muss auf jeden Fall dabei sein. Beispielsweise die Buschbohne ‘Nassau’ oder die kletternde ‘Limka’. Der Querschnitt der Früchte ist flach-oval, und sie bleiben sehr lange zart und saftig. Selbst Hülsen mit 25 cm Länge. Ich muss also nicht alle zwei Tage durchpflücken.

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Zudem sind Schwertbohnen ziemlich ertragreich. Was zu viel ist, wird tiefgefroren. Und wenn doch mal eine Bohne zu hart geworden ist, dann bleibt sie hängen, bis die Hülse grau und rascheltrocken und die Kerne hart geworden sind. Die Samen bewahre ich für die Aussaat im kommenden Jahr auf. Fällt die Körnerernte reichlich aus, kommen die Böhnchen einfach ins Chili con Carne. Die allerzartesten grünen Böhnchen bringen Filetbohnen. Diese Sorten tragen dünne Früchte mit rundem Querschnitt und kleinen Kernen. Ich ernte sie ganz jung und genieße sie bissfest gegart im Speckmantel. ‘Prinzessa’, ‘Sigma’, ‘Dublette’ und die Stangenbohnen ‘Cobra’ und ‘Matilda’ zählen dazu. Ganz praktisch wachsen Buschbohnen wie ‘Maxi’, ‘Cropper Teepee’, ‘Golden Teepee’ (gelb), ‘Purple Teepee’ (violett). Ihre Früchte stehen über dem Laub. Leicht zu pflücken, und kein Böhnchen bleibt unentdeckt. Der Fachmann nennt sie Gluckentypen. Mein persönlicher Favorit ist ‘Anellino Giallo‘, eine Stangenbohne mit gebogenen gelben Hülsen. Sie trägt beständig kleine Mengen, ideal für den Haushalt. Und sie ist noch zart, wenn sich die Samen schon deutlich abzeichnen. Und: Die Kerne habe ich natürlich schon längst ausgesät – wie immer in Töpfe!

Achim Werner
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