Alte und neue Kirschsorten

Süßkirschen

Viele Süßkirschen neuerer Züchtung zeichnen sich durch große Früchte aus. Zudem wurde auch auf Platzfestigkeit selektiert.

Erinnern Sie sich auch gern ans Kraxeln im Kirschbaum? An saftige Herzfrüchte und ans Kirschkernweitspucken? Da möchte man doch wieder eine Süßkirsche pflanzen. Sie müssen nur die Passende für Ihren Garten finden.

Ein bisschen anspruchsvoll sind Süßkirschen schon. Schließlich stammen ihre Vorfahren ja aus dem Vorderen Orient. Sie mögen deshalb leicht erwärmbare Böden und einen sonnigen Platz. Und auch windgeschützte Hanglagen. Dort hält sich kalte Luft nicht lange. Weniger mögen sie schwere Böden und Höhenlagen mit Spätfrostgefahr. In Sachen Pflege zeigt sich die Steinobstart eher anspruchslos. Selbst ungeschnittene Kirschbäume tragen meist zuverlässig und reichlich.

Aber: Wer die Kronen pflegt, erntet die größeren Früchte und muss zum Ernten nicht auf lange Leitern steigen. Wie das geht? "Besonders stark wachsende Bäume werden zusätzlich zum Winterschnitt auch noch einmal gegen Ende Juli eingekürzt. Der bremst das Wachstum, denn zu dieser Zeit werden die Blütenknospen fürs kommende Jahr gebildet. Holztriebe, die ihnen die Kraft nehmen könnten, entstehen um diese Zeit nicht mehr," weiß Werner Pfannenstiel.

Der Trick des langjährigen Sortenprüfers für Kirschen beim Bundessortenamt: Er kürzt im Sommer einen guten Teil der steilen einjährigen Triebe auf wenige Zentimeter Länge ein. Flache und waagerecht wachsende bleiben ungeschnitten: "Schneide ich nur im Winter oder gar nicht, entstehen viele starke Holztriebe, und der Baum wird immer höher."

Für kleine Gärten können aber auch optimal geschnittene Bäume noch zu groß werden. Hier empfiehlt Werner Pfannenstiel kleinwüchsige Bäume auf schwach wachsender Unterlage. Die zum Beispiel als Spindel gezogen, werden selten größer werden als drei Meter.

Gleich, wofür Sie sich entscheiden: In den ersten Jahren braucht jeder junge Kirschbaum eine freie Baumscheibe. Gras oder Unkraut würden ihm Nährstoffe und Wasser stehlen. "Schwach wachsende Bäume benötigen lebenslang eine freie Baumscheibe, zudem einen Pfahl", rät der Obstbauer. "Hochstämme brauchen nach einigen Jahren keine Baumscheibe mehr." Bleibt noch die Wahl einer geeigneten Sorte.

» Gartenschule: So bleibt ihr Apfelbaum in Form

Neue Sorten

KirschenViele Süßkirschen neuerer Züchtung zeichnen sich durch große Früchte aus. Zudem wurde auch auf Platzfestigkeit selektiert. Die mittelspäte ‘Kordia’, die späte ‘Techlovan’ aus Tschechien und die selbstfruchtbare ‘Lapins’ zählen dazu. Noch größer, aber weniger platzfest ist die selbstfruchtbare ‘Sunburst’. Groß und platzfest präsentiert sich die späte ‘Regina’. ‘Sam’ trägt kleinere, aber sehr aromatische Früchte.

Alte Sorten

Die größte Auswahl finden Gartenbesitzer immer noch bei alten Sorten und viele sind nach wie vor eine gute Wahl. Aber keine ist selbstfruchtbar. Wer großfrüchtige vorzieht, entscheidet sich hier z. B. für ‘Büttner Rote Knorpelkirsche’, ‘Early Rivers’, ‘Werdersche Braune’ oder ‘Schneiders späte Knorpelkirsche’.

‘Dönissens Gelbe Knorpelkirsche’: Schmeckt trotz der ungewöhnlichen Farbe wie andere Knorpelkirschen. Sie reift in der 6. Kirschwoche.
‘Farnstädter Schwarze’: Die mittelfrühe Sorte (5. Kirschwoche) bildet kleine, jedoch sehr süße, aromatische Früchte, sehr ertragreich.
‘Büttners Rote Knorpelkirsche’: Seltener von Maden befallen, mittelgroß und sehr reich tragend. Sie reift in der 5. Kirschwoche.
‘Kassins frühe Herzkirsche’: Besticht durch die sehr frühe Reife Anfang Juni, kleine Früchte, jedoch sehr ertragreich, exzellente Naschfrucht.

Kirschwochen

Süßkirschsorten reifen, je nach Witterung, ab Ende Mai/Anfang Juni neun Wochen lang, den sogenannten Kirschwochen:

    Kirschwoche: ‘Nalina’
    Kirschwoche: ‘Burlat’, ‘Kassins Frühe’
    Kirschwoche: ‘Early Rivers’, ‘Meckenheimer Frühe’
    Kirschwoche: ‘Maibigareau’, ‘Werdersche Braune’, ‘Teickners Schwarze Herzkirsche’
    Kirschwoche: ‘Van’, ‘Büttners Rote’, ‘Sunburst’
    Kirschwoche: ‘Drogans Gelbe’, ‘Kordia’, ‘Sam’
    Kirschwoche: ‘Hedelfinger’, ‘Lapins’, ‘Karina’, ‘Regina’
    Kirschwoche: ‘Bianca’
    Kirschwoche: ‘Merton Late‘

Wuchshöhe KirschbaumGlücklich, wer den Platz für einen prächtigen, großen Süßkirschbaum hat. Acht mal acht Meter Standraum sollten‘s für einen Hochstamm schon sein – mindestens!

Ist der Garten zu klein oder müssen Grenzabstände eingehalten werden, gibt‘s auch kleinere Wuchsformen. Die Baumgröße einer Süßkirsche hängt von der Unterlage ab, dem Wurzelstock, auf den sie gepfropft wurde. Fragen Sie Ihren Baumschuler, welche sich für Ihren Boden eignen.

» Gartenpraxis: Alte Apfelsorten

Häufig wird gefragt, ob Vogelkirschen genießbar seien. Sie schmecken sogar ausgesprochen lecker. Die Wildform unserer Süßkirschen dient noch heute als Veredelungsunterlage für stark wachsende Kirschbäume. Der Anbau im Garten lohnt aber wegen der kleinen Früchte nicht.

Extra-Tipp: Süßkirschenbäume schneiden

Die größten Früchte hängen am jüngsten Holz, genauer am zweijährigen- bis höchstens am vierjährigen. Tipp: Schneiden Sie Süßkirschbäume vor allem im Sommer. Werden nämlich einzelne steile einjährige Triebe im Juli bis auf fünf bis sieben Zentimeter gekappt, dann treiben sie nicht erneut durch, auch im Folgejahr kaum. Stattdessen bilden sich an diesen kurzen "Zapfen" nur Blütenknospen und die größten Früchte in der ganzen Krone. Nicht nur das! Das regelmäßige sommerliche Einkürzen steiler Triebe hält die Baumkrone niedriger.
Newsletter-Anmeldung

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Das Ratgebermagazin für Gartenliebhaber. Jeden Monat neu mit einer Vielzahl Tipps und Ratschlägen für den Zier- und Nutzgarten, mit Gestaltungsideen, Trends und Neuheiten rund um das Hobby Garten. Dazu wunderschöne Fotos aus liebevoll angelegten Privatgärten.

Editorial lesen Abonnieren

Aktuelle Ausgabe

GartenFlora Shop

Folgen Sie uns auf Facebook    Folgen Sie uns auf Twitter

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr