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Winterastern | Mehrjährige Chrysanthemen

Chrysanthemen in Gartenbeeten sind noch immer etwas Besonderes, denn sie sind eher als klassische Herbstblumen in Töpfen bekannt. Dank intensiver Züchtungsarbeit sind aber mittlerweile viele fantastische Sorten erhältlich.

Am richtigen Standort und bei passender Pflege überstehen sie die kalte Jahreszeit bestens und kommen in Pflanzkombinationen aller Art zur Geltung. Die beste Pflanzzeit ist im Frühjahr.

Die Vielfalt der Garten-Chrysanthemen

Chrysanthemum-Zawadskii-Hybride
Einfache Blüte von Chrysanthemum zawadskii. Foto: iStock_Petr Svoboda

Zunächst einmal: Garten-Chrysanthemen werden auch Winterastern genannt. Diese blühen erst nach den bekannten Herbst-Astern (zum Beispiel Aster novi-belgii) und zeigen ihre leuchtende Pracht bis in den November hinein.

Aber selbst mit dieser Unterscheidung ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Vor allem, wenn es um die Frage geht, ob eine Chrysantheme sich als mehrjährig erweist. Denn Winterastern haben mit den kugeligen, im Gewächshaus herangezogenen Topf-Chrysanthemen nur wenig gemeinsam. Letztere sind vor allem als Saisonbepflanzung für Eingangsbereiche und die Terrasse gedacht und nicht winterhart.

Charakteristisch für die ausdauernden Chrysanthemen sind die dichten Horste und der hohe Wuchs mancher Sorten. Sie sind es, von denen man die Gartentauglichkeit erwarten darf: Spät blühend, quasi als Letzte vor dem Winter, einige Frostgrade in offener Blüte aushaltend, standfest, und im Frühjahr willig wieder austreibend.

Von den botanischen Namen sollte man sich nicht verwirren lassen: Gefüllt blühende Garten-Chrysanthemen werden meist als Chrysanthemum x grandiflorum-Hybriden bezeichnet. Gängige Synonyme sind C. indicum-Hybriden oder C. x hortorum.

Ein weitere interessante Gruppe für den Garten sind die C.-Zawadskii-Hybriden, die manchmal auch Herbst-Chrysanthemen genannt werden. Ihre meist ungefüllten Blüten erscheinen bereits im Spätsommer – sie sind also die Frühblüher unter den Garten-Chrysanthemen.

Die Sorte ‘Anastasia‘ zeigt rosaviolette Pomponblüten. Foto: AdobeStock_Marc
Die Sorte ‘Anastasia‘ zeigt rosaviolette Pomponblüten. Foto: AdobeStock_Marc

Garten-Chrysanthemen – ein spannender Rückblick

Die Geschichte der Chrysanthemen begann in Europa erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurden die ersten großblumigen Blütenschönheiten aus dem ostasiatischen Raum eingeführt, wo sie als Gartenpflanzen schon eine sehr lange Tradition hatten und als Symbol für ein langes Leben galten. In der Folge gab es viele Bemühungen, winterhärtere Sorten hervorzubringen. Auch der Gärtner Karl Foerster hat die weitere Züchtungsarbeit maßgeblich beeinflusst.

Legende der Winteraster ‘Nebelrose‘

Eine Legende im Zusammenhang mit Karl Foerster hält sich hartnäckig. Sie wird in verschiedenen Versionen erzählt. Eine hört sich wie folgt an: Es war im Jahr 1910. Der Deutsche fuhr gemächlich im Zug durch ein schönes, spätherbstliches Tal in der Schweiz. Er hatte in Bornim gerade seine Laufbahn als Staudenzüchter begonnen. Da leuchtete für Sekunden aus einem Garten eine Staude mit auffallend rosafarbenen Blüten zu ihm herüber.

Was war das? Eine Chrysantheme? Die muss ich haben!

Karl Foerster zog die Notbremse, der Zug hielt. Wie diese Geschichte juristisch endete, wissen wir nicht. Fest steht jedoch, dass die Chrysantheme, die er später ‘Nebelrose‘ taufte, aus einem Schweizer Bauerngarten stammt.

Und noch heute, nach mehr als 100 Jahren, behauptet die edle und winterharte Pflanze ihre Stellung. Karl Foerster schwärmte von dieser Garten-Chrysantheme, dass sie „wie ein altes Volkslied“ sei. Wunderschön geformte, gefüllte Blüten in einem aparten Silberrosa verleihen dieser Sorte etwas Nostalgisches.

Der geeignete Standort und Boden

Winterastern mögen einen sonnigen Standort. Chrysanthemen sind im Garten recht unkompliziert, sofern sie den richtigen Platz erhalten. Durchlässige, nährstoffreiche Böden kommen den nässeempfindlichen Stauden sehr entgegen. In schweren, lehmigen Böden ist mit Winterschäden zu rechnen, vor allem, wenn sie feucht sind. Diese Bodenart sollte mit Sand oder Splitt gut durchmischt werden.

Pflanzung

Pflanzen Sie am besten im Frühjahr. So haben die Stauden genügend Zeit, sich im Boden zu etablieren, was sich positiv auf die Winterhärte auswirkt. Bei der Pflanzung ist es förderlich, wenn Sie etwas Kompost und Algenkalk (die Pflanzen sind kalkliebend) in den Boden einarbeiten.

Pflege und Winterschutz

Organische Dünger liefern die nötigen Nährstoffe, ein Wässern in trockenen Phasen sichert die Blütenpracht. Staudenhalter sorgen bei höheren Vertretern für den nötigen Halt.

Wenn Sie die Stängel bis März stehen lassen, kommen Winterastern meist gut durch die kalte Jahreszeit. Alternativ können die Triebe auf 15 Zentimeter heruntergeschnitten werden. Schnee und Laub verfangen sich darin und bieten so einen lockeren, ausreichenden Winterschutz. Ein Abdeckung mit Reisig ist in einem rauen Klima empfehlenswert. Das Laub von Bäumen ist hingegen kein guter Winterschutz, da es zu dicht auf den grünen Bodensprossen liegt und somit Fäulnis verursacht.

Viele bezaubernde Sorten

Die unzähligen Vertreter der Garten-Chrysanthemen gibt es in Weiß, Gelb, Orange, Rosa, Violett und Rot und in verschiedenen Blütenformen. Ihr Wuchs kann kompakt sein oder höher ausfallen.

Bewährte Freiland-Stauden mit gefüllten Blüten sind zum Beispiel:

  • ‘Poesie’ – cremeweiße, halbgefüllte Blüten, sehr blühfreudig
  • ‘Bienchen‘ – gelbe Pomponblüten mit orangebrauner Mitte
  • ‘Schneewolke‘ – eine kleinwüchsige Sorte mit halbgefüllten Blüten

‘Ahlemer Rote‘ zeigt ihre strahlenförmigen, ungefüllten Blüten in einem tiefen Purpurrosa bereits im August. ‘Rehauge‘ ist hingegen ein ausgesprochener Spätblüher – sie bezaubert mit ihren rotbraunen, pomponartigen Blüten von Oktober bis November.

‘Schneewolke‘ ist eine kleinwüchsige Sorte mit halbgefüllten Blüten. Foto: iStock_Patrick Kaiser
‘Schneewolke‘ ist eine kleinwüchsige Sorte mit halbgefüllten Blüten. Foto: iStock_Patrick Kaiser

Pflanzpartner für Winterastern

Als bunt blühende Stauden lassen sich Winterastern in ein luftig-leichtes Gräser-Gerüst wundervoll integrieren. Herbst-Chrysanthemen und das Lampenputzergras (Pennisetum), kommen zusammen bestens zur Geltung. Die Rutenhirse (Panicum) und das Pfeifengras (Molinia) sind mit ihren tollen Herbstfarben ebenfalls gute Partner.

Steuerung der Blütezeit

Das Geheimnis blühender Chrysanthemen im Hochsommer wurzelt in einem botanischen Phänomen: Winterastern gehören zu den sogenannten Kurztagspflanzen. Sie brauchen kürzer werdende Tage und lange Nächte, um Blüten auszubilden. Ab August ist dies der Fall. Ein wolkenreicher Spätsommer ist oft ausreichend, um die Winterasternblüte um ein bis zwei Wochen vorzuverlegen.

Findige Gärtner kultivieren heute ihre Chrysanthemen in Gewächshäusern, die sie mit schwarzer Folie verdunkeln. Auf diese Weise bieten sie den Pflanzen zu jeder Jahreszeit Kurztagsbedingungen und regen so Blütenbildung an. Diese Umstände machen Winterastern zu Ganzjahresblumen.

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