Die besten winterharten Chrysanthemen aus 100 Jahren Züchtung bekommt man in der Staudengärtnerei. In Winterasten: Potsdam-Bornim werden noch viele alte Foerster-Sorten vermehrt.

Winterastern – winterhart und eine Ganzjahresblume

Sind Winterastern beziehungsweise Garten-Chrysanthemen wirklich die schönen Letzten? Das frage ich mich oft in den Sommermonaten. Anders sieht es in der Realität aus. Heutzutage ist die Winteraster eine Ganzjahresblume, die zu unterschiedlichen Zeiten des Jahres als blühende Pflanze erhältlich ist.

Im September finden Sie Winterastern als üppig blühende Halbkugel im Topf vor dem Hauseingang – das mag noch angehen. Im März machen sich Chrysanthemen herrlich im Strauß. Und im Juni finden sie sich als blühende Topfpflanzen im Angebot des Supermarktes. Da geht der Jahreszeiten-Bezug komplett verloren! Das finde ich unglaublich schade.

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Gartenchrysanthemen – ein spannender Rückblick

Die Geschichte der Winterastern beginnt für uns erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Seitdem gehört die Gartenchrysantheme ins Sortiment der europäischen Zierpflanzen. Zuvor wuchsen Winterastern ausschließlich in Botanischen Gärten. Ein wichtiges Kapitel hat Karl Foerster der Geschichte hinzugefügt.

Legende der Gartenchrysantheme

Eine Legende hält sich hartnäckig. Sie wird in verschiedenen Versionen erzählt. Meine hört sich wie folgt an: Es war im Jahr 1910. Karl Foerster fuhr gemächlich im Zug durch ein schönes, spätherbstliches Tal in der Schweiz. Er hatte in Bornim gerade seine Laufbahn als Staudenzüchter begonnen. Da leuchtete für Sekunden aus einem Garten eine Staude mit auffallend rosafarbenen Blüten zu ihm herüber.

Was war das? Eine Chrysantheme? Um diese Zeit? Die muss ich haben! Er zog die Notbremse, der Zug hielt.

Robuste Vorfahren aus Bauerngärten

Winterastern
Winterastern: „Wie ein altes Volkslied“

Wie diese Geschichte juristisch endete, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass die Winteraster, die er später ‘Nebelrose’ taufte, aus einem Schweizer Bauerngarten stammt.


Und noch heute, nach mehr als 100 Jahren, behauptet die edle und winterharte Pflanze ihre Stellung. Karl Foerster schwärmte von dieser Garten-Chrysantheme: “Wie ein altes Volkslied”.

Viel später hat der Bornimer Gärtner Wolfgang Kautz aus einem Bauerngarten in den rumänischen Karpaten die Winterastern-Sorte ‘Poesie’ mitgebracht. Sie wurde in den Prüfungen der letzten Jahre hoch bewertet.

Ein bisschen Züchtungsgeschichte zur Winteraster

Diese Winterastern haben mit den hübschen Topfsorten nur wenig gemeinsam. Sie aber sind es, von denen man die Gartentauglichkeit erwarten darf: spät blühend, quasi als Letzte vor dem Winter, einige Frostgrade in offener Blüte aushaltend, standfest, und im Frühjahr willig wieder austreibend. Der botanische Name dieser Winterastern ist heute Chrysanthemum x grandiflorum.

Es handelt sich um einen Sammelbegriff. Er steht für Chrysanthemum indicum (heute meist als großblütige Schnittblume angebaut) sowie für das winterhärtere Chrysanthemum koreanum. 1930 kreuzten Gartenexperten Chrysanthemum koreanum in die alten Sorten ein. Heraus kamen Hybriden, die winterhärter und widerstandsfähiger gegen Frühfröste sind als viele bisherige Winterastern.

Züchtertrick aus Bornim

Im Zuchtprogramm der Gärtnerei Foerster waren sie wichtige Partner. Mit meinen Mitarbeitern entwickelte ich eine einfache Methode, um Samen von den Winterastern zu gewinnen: Wir holten vor den ersten Nachtfrösten Sträuße unserer besten Sorten ins Gewächshaus. Die Winterastern stellten wir dort in großen Eimern auf die Stellagen. Dann galt es: Nässe von oben vermeiden, Grauschimmel auszupfen, lüften und abwarten.

Sechs Wochen später war Samenernte. Seitdem zogen wir jährlich große Mengen Winterastern-Sämlinge an. Diese blühten im Herbst des Folgejahres. Die bunten Bornimer Winterastern-Felder im Oktober waren eine Pracht! Erst bei Karl Foerster und später unter meiner Leitung entstanden daraus bekannte Sorten. Gemeint sind hier Sorten wie ‘Brennpunkt’, ‘Cinderella’, ‘Elfenreigen’, ‘Erntekranz’, ‘Havelschwan’, ‘Herbstsonate’ und ‘Romantika’. Diese Winterastern-Sorten gehören noch heute zum Grundstock des Foerster-Sortimentes.

Winterastern: entscheidend ist die Winterhärte

Winterastern im Topf
Winterastern: Auch im Topf möglich

Wie angedeutet, ist die Winterhärte das entscheidende Kriterium für die Garteneignung. Manch aussichtsreicher Sämling fiel bei dieser Prüfung durch. Standfest sollten die neuen Winterastern-Sorten außerdem sein und nicht zu stark wuchern.

Sie lesen richtig: wuchern. Manche Chrysanthemen wuchern stark, z.B. die oben genannte Sorte ‘Poesie’. Für solche Sorten brauchen Sie viel Platz. Oder Sie pflanzen diese Winteraster alle zwei Jahre um.

Schöne Partner für die spät im Jahr blühenden Winterastern

Doch im Grunde sind die “richtigen” Winterastern im Garten unkompliziert: Sie gedeihen in jedem gut kultivierten, nährstoffreichen Gartenboden. Etwas Kalk schadet ihnen nicht. In festen, lehmigen Böden ist mit Winterschäden zu rechnen, vor allem, wenn sie feucht sind. Winterastern mögen Sonne, während sie Schattenlagen schlecht vertragen.

Welche Pflanzen passen im Oktober zu blühenden Winterastern? Herbstastern und Gräser, allen voran das Lampenputzergras (Pennisetum). Das Garten-Reitgras (Calamagrostis) und das Pfeifengras (Molinia) mit seiner schönen Herbstfärbung sind ebenfalls gute Partner. Zusammen mit Winterastern zünden Sie dann ein wirklich spektakuläres Abschiedsfeuerwerk in der Rabatte!

Tipps für Winterastern im Winter

Winterastern überwintern am besten, wenn Sie die Stängel bis März stehen lassen. Ich schneide die Stiele auf 30 cm herunter. Schnee und Laub verfängt sich darin und bietet einen lockeren, meist ausreichenden Winterschutz. Ähnlich wirkt ein Koniferenzweig. Das Abdecken der Pflanzen mit Laub von Bäumen führt zu Fäulnis, weil es zu dicht auf den grünen Bodensprossen liegt. Vermeiden Sie es, die Pflanzen im Herbst in die Erde zu setzen. Pflanzzeit für Winterastern ist der April.

Extra-Winterastern-Wissen

Das Geheimnis blühender Chrysanthemen im Hochsommer wurzelt in einem botanischen Phänomen: Winterastern gehören zu den sogenannten Kurztagspflanzen. Sie brauchen kürzer werdende Tage und lange Nächte, um Blüten auszubilden. Ab August ist dies der Fall. Ein wolkenreicher Spätsommer ist oft ausreichend, um die Winterasternblüte um ein bis zwei Wochen vorzuverlegen.

Findige Gärtner kultivieren heute ihre Chrysanthemen in Gewächshäusern, die sie mit schwarzer Folie verdunkeln. Auf diese Weise bieten sie den Pflanzen zu jeder Jahreszeit Kurztagsbedingungen und regen so Blütenbildung an. Diese Umstände machen Winterastern zu Ganzjahresblumen.

Dr. Konrad Näser

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