[Foto: AdobeStock_Marty Kropp]

Voraussichtliche Lesedauer:  3 Minuten

Was braucht der Rittersporn und die Sorte Atlantis

Von Dr. Konrad Näser

Was waren das vor fünfzig Jahren doch noch für Rittersporne! In Potsdam-Bornim standen ganze Felder voller mannshoher, blauer Blütentürme. Welchen Standort benötigt der Rittersporn? Dr. Konrad Näser gibt einen Einblick in die Gattung.

Was der Rittersporn in Ihrem Garten braucht

„Großgehungert, großgedürstet, der Mehltau, der wird weggebürstet“, dichteten wir Gärtnergehilfen damals launig als harmlosen Spott von unten gegen den „Übervater“ Karl Foerster. Dessen Erfolge beim Schaffen gartenwürdiger Rittersporn-Sorten sind bis heute unbestritten.

Es soll Leute geben, die geradezu süchtig nach Ritterspornen werden. Karl Foerster schuf die Grundlage ihrer Leidenschaft. Wir Gehilfen hatten aber mit unserem Vers den Finger auf der richtigen Stelle: Garten-Rittersporne sind „Prachtstauden“. Versorgen Sie den Rittersporn optimal mit Wasser und Nährstoffen. Er braucht einen sonnigen Standort. Nur dann besteht Aussicht auf mannshohe Blütentürme. „Ein Garten ohne Rittersporn ist ein Irrtum!“ Dieser kernige Satz, bezogen allerdings auf Phlox, wird Karl Foerster zugeschrieben. Ich wandele ihn hier für Rittersporn ab, wohl wissend, dass nun mancher seufzt: „Da muss ich eben mit einem Irrtum leben“.

Meine Rittersporne gedeihen nicht, was mache ich bloß falsch?

Wer zu den Nachgeborenen gehört und heute der Rittersporn-Leidenschaft frönen will, hat schlechtere Karten als wir damals. Foersters Sorten, ständig durch Teilung vermehrt, sind Jahrzehnte alt und haben naturgemäß an Vitalität verloren. Nur wenige Gärtnereien bieten sie noch an. Mittlerweile haben neue, durch Aussaat vermehrte Rittersporne die Führung übernommen und strotzen geradezu vor Lebenskraft. Sie wurden ursprünglich für Schnittzwecke und Ausstellungen gezüchtet.

Die Langlebigkeit blieb auf der Strecke. Deshalb sind sie heute im Garten meist nur eine kurzlebige Dekoration. In der Bornimer Gärtnerei war uns Züchtern nach 1970, dem Todesjahr Karl Foersters. Daher war klar – es musste ein anderes Konzept her. Wir beschafften uns Saatgut einer damals neuen Zuchtrichtung von Belladonna-Ritterspornen, um sie zu testen. Sie wuchsen zu straffstieligen, meterhohen Pflanzen heran, die im Sommer mehrmals neue Blüten hervorbrachten (sie remontierten). Damit konnten wir weiter arbeiten.

Rittersporn im Garten. Foto: AdobeStock_Marc
Belladonna-Hybriden im Garten. [Foto: AdobeStock_Marc]

Es waren ursprünglich „Saat-Rittersporne“. Wir mussten sie „umpolen“ auf die für Foerster typische Teilungsvermehrung. Nach sieben Jahren Züchtungsarbeit hatten wir einige Auslesen gefunden, die kaum noch Samen ansetzten, sich aber durch Teilen wirtschaftlich vermehren ließen, wüchsig waren und klare Blütenfarben zeigten. 1980 kam davon als erste die himmelblaue Sorte „Ballkleid“ in den Verkauf. 1987 folgte der Knüller, die tief violettblaue Sorte „Atlantis“. Sie wurde sofort der Favorit und wegen ihrer Blütenfarbe schnell auch jenseits des Ostens von Deutschland bekannt. Später erhielt sie in England die höchste Auszeichnung für Gartenpflanzen den „Award of Garden Merit (AGM)“. Was wollten wir mehr. Na, noch eine dritte Sorte. Als Nachschlag brachten wir 1990 die Sorte ‘Sternenhimmel’, klares Mittelblau mit weißem Auge, an den Start.

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