Immergrüne Stauden leuchten zu jeder Jahreszeit.

Immergrüne Stauden: Auch für die kalte Jahreszeit

Minus 8 °C und kein Schnee. Ich leide mit, wenn sich die immergrünen Stauden draußen auf den Rabatten zusammenkringeln, schlaff herunter hängen oder dicht dem Boden aufliegen. Und sinniere dabei: „Warum wollen sie aber auch unbedingt ihre Blätter über Winter behalten? Andere Stauden und die Zwiebelblumen verkriechen sich einfach in der Erde!“

Was wäre der Garten ohne die Immergrünen Stauden?

Doch wie sähe der Garten jetzt aus, wenn es die vielen Wintergrünen nicht gäbe? Immergrüne Gehölze wie meine Rhododendren und die Thuja-Hecken bilden zwar grüne Kulissen, aber ich stelle mir vor, was sich am Boden oder wenig drüber abspielt: nichts!

Es sind meine immergrünen Stauden, die den winterlichen Garten reizvoll machen, ihm Struktur geben. Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass dabei Bodendecker die Hauptrolle spielen.

In unserem relativ schattigen Garten dominiert die immergrüne Staude Haselwurz, Asarum. Neu dazugekommen ist der Wald-Sauerklee, Oxalis, keine besonders attraktive Staude, zudem noch ziemlich invasiv. Aber, und das ist weithin unbekannt, sie sorgt auch noch im tiefsten Schatten für einen immergrünen Teppich, der im April sogar weiß blüht.

So lässt sich Frosttrocknis vermeiden

Andere, schon fast klassische immergrüne Bodendecker oder die Polsterstauden im Steingarten, wie Blaukissen, Silberwurz, Schleifenblume, Steinbrech und Alpen-Kresse, kommen aus Gegenden, wo ihnen eine dicke Schneedecke ausreichend Schutz bietet.

Das ist die Pflanzengruppe, für die eine leichte Bedeckung bei Kahlfrost ratsam ist. Sie könnten in der Wintersonne zu viel Wasser verdunsten, ohne es aus dem gefrorenen Boden nachziehen zu können.

„Frosttrocknis“ ist die Bezeichnung für das, was wir im Frühjahr sehen: Die immergrünen Stauden kommen dann mit braunen Blättern aus dem Winter. In schattigen Gartenbereichen ist die Gefahr geringer. Meine Haselwurz decke ich nie ab! Einige immergrüne Stauden haben den Mut, die Nase ganz schön hoch zu tragen.

Immergrüne Stauden bei Frost

Bei mir sind es vor allem die Palmblatt-Christrosen, Helleborus foetidus, die ihre dunkelgrünen Stängel bis 40 cm hoch schieben und oben schon die hellgrünen Blüten vorbereitet haben. Im winterlichen Garten gehören sie zu den Attraktionen. Nie gab es Frostschäden.

Immergrüne Frosthelden sind auch meine Bergenien, die zum Teil noch leuchtende Herbstfarben in ihre Blätter hinein komponieren. Bei den Gräsern, vor allem bei den Riedgräsern, gibt es schöne Wintergestalten.

Eine meiner neueren Entdeckungen ist eine Japanische Polster-Segge (Carex morrowii ‘Silver Sceptre’). Lange Zeit kannte ich nur die ursprüngliche Art, bzw. deren gelb gerandete Sorte Carex morrowii ‘Variegata’ als zäh- und langlebige Horstpflanze, auch sie immergrün. Natürlich habe ich sie von Karl Foerster. Seit 1895 kennt man sie bei uns.

Neue Sorten mit Wuchskraft

Nun kommen ähnliche, allerdings Ausläufer treibende Sorten ins Blickfeld: Carex morrowii var. foliosissima ‘Icedance’, der wuchernde Riese (bis 50 cm hoch) und die mit 25 cm wesentlich niedrigere ‘Silver Sceptre’. Auch sie haben die gelbweißen Streifen an den immergrünen Blättern. Sie bilden dichte Teppiche, selbst an schwierigen Schattenstellen. Ich will sie an einer Stelle einfach mal laufen lassen, und dann schauen wir, was daraus wird.

Bei den Marbeln (Luzula) gibt es noch mehr immergrüne Überraschungen zu entdecken! Die Schneemarbel, Luzula nivea, mit schneeweißen Blüten und fein bewimperten Blättern hält schon lange bei mir aus.

Den Zwerg unter den Marbeln, Luzula pilosa, habe ich wegen des Samenwurfes aber wieder entlassen. Dennoch will ich die Sorte ‘Igel’ einmal ausprobieren, wegen der silbrig bewimperten Blätter.

Auf die wüchsigen, breitblättrigen Hainsimsen (Luzula sylvatica) sei schließlich noch hingewiesen – nicht wuchernd, zuverlässig immergrün. Ich habe sie schon lange an schattigen Stellen im Garten, ohne Nachteiliges berichten zu können.

Tipp zum Ausprobieren: wintergrüne Farne

Nachvollziehen kann ich bis heute nicht, warum die wintergrünen Farne noch immer so wenig bekannt sind. Zum Beispiel der phantastische Filigranfarn (Polystichum setiferum), dessen Wedel sich im Herbst mit Reihen hellgrüner Jungpflanzen (Bulbillen) an den Fiedern schmücken. Der Dornige Schildfarn (Polystichum aculeatum) hat sogar noch grüne Blätter vom Vorjahr, wenn sich im April die neuen Wedel entfalten.

Noch länger hält der Cornwall-Tüpfelfarn (Polypodium interjectum ‘Cornubiense’) die Vorjahreswedel. Sie werden erst im Mai/Juni vom Neuaustrieb abgelöst. Im Umgang mit den wintergrünen Farnen stehen wir tatsächlich noch am Anfang! Aber Karl Foerster hat uns schließlich schon erklärt: Für den leidenschaftlichen Gärtner ist ein Leben einfach nicht lang genug.

Dr. Konrad Näser