Stockrose Foto: © GartenFlora/Christian Gehler

Stockrose und Malve: Schönheiten des Nordens

Welch eine Wonne! Bei einer Reise durchs ‚Ländle‛, also die südlicheren, wärmeren Gefilde unserer Republik, mag manch Nordlicht ins Schwärmen geraten. Aber dabei vergisst man die Schönheit des Nordens: die Stockrose und die Malve. Stolz stehen sie vor den Hauswänden und Gartenpforten. Die GartenFlora hat sich die beiden genauer angesehen.

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Das Schönheitsgeheimnis im Norden: Stockrosen und Malven

Ein kleiner Spalt im Pflaster genügt der Stockrose. Foto: AdobeStock_Sonja

Hier beugen sich die Obstbäume unter ihrer süßen Last, selbst Feigen reifen mühelos zu saftigsten Früchten und auch die Blumen scheinen alle irgendwie größer, üppiger, prachtvoller. Obwohl… die Stockrosen, die an den Küsten Deutschlands, Dänemarks und Polens so huldvoll an jeder Gartenpforte grüßen, sehen im Süden oft, naja, fast ein wenig gerupft aus.

Tatsächlich sind sie der Trumpf des hohen Nordens: Auf dem sandigen, aber nährstoffreichen Boden, der hier häufig ansteht, fühlen sie sich so wohl, dass ihnen der gefährliche Malvenrost kaum etwas anhaben kann. Auf den dichten, schweren Böden, wie sie weiter südlich oft vorkommen, schlagen die Pilzsporen dagegen gnadenlos zu.

Bei Pilzbefall gilt: Betroffene Blätter absammeln und über den Hausmüll entsorgen. Oder aber am besten gleich Arten und Sorten pflanzen, die weniger anfällig für den Malvenrost sind, zum Beispiel ‘Parkfrieden’, ‘Parkallee’ oder ‘Parkrondell’. 

Empfehlenswerte Stockrosen- und Malven-Sorten für ein langes Gartenglück

Besonders empfehlenswert sind dabei die hellgelb blühende Alcea rugosa, die großblütigen AlceaFicifolia-Hybriden in vielen Farben und die halbgefüllten Sorten der oben genannten ‚Park-Serie‛. Bietet man ihnen ein sonniges, luftiges Plätzchen, achtet also auf einen nicht zu engen Stand, kann man mit ihnen für lange Zeit glücklich werden.

Sie alle gelten nämlich nicht nur als gesünder, sondern auch als langlebiger als die zweijährigen Gewöhnlichen Stockrosen (Alcea rosea), die im ersten Jahr eine Blattrosette bilden, im zweiten Jahr üppig blühen und danach absterben.

Ein kleiner Trick, um das Leben einer Stockrose zu verlängern: Kappen Sie die Blütenstände direkt nach dem Abblühen. Die Pflanze wird so um den kraftraubenden Vorgang der Samenbildung gebracht.

Stockrosen, deren Samenstände gekappt wurden, mobilisieren all ihre Kräfte, um im nächsten Jahr einen neuen Versuch starten zu können, für Nachwuchs zu sorgen. Bei den offen blühenden Alcea rosea-Arten kann man damit wirklich gute Erfolge haben. Die gefüllten allerdings bleiben konsequent zweijährig.

Malven: Schön unkompliziert

Wer trotz aller Bemühungen mit der Stockrose keinen Erfolg hat, findet bei ihren vielen, völlig unkomplizierten Schwestern schnell Trost. Den Ungeduldigen sei besonders die einjährige Becher-Malve (Lavatera trimestris) ans Herz gelegt. Die Sorte ‘Silver Cup’, die meist im Handel zu finden ist, bildet bei Aussaat im April bereits von Juli bis Oktober 10 cm große, rosarote Blütenschalen.

Stockrose Foto: AdobeStock_Marjatta
Die Moschus-Malve (Malva moschata) ist eine traditionelle Heilpflanze. Foto: AdobeStock_Marjatta

Etwas langlebiger und ebenso leicht aus Samen zu ziehen sind all die einheimischen Malven, wie die meterhohe Rosen-Malve (Malva alcea), die herrlich duftende Moschus-Malve (Malva moschata) und die Wilde Malve (Malva sylvestris), deren Blüten so intensiv purpurn leuchten, dass sie selbst Teeauszüge rot verfärben. Ganz nebenbei sollen die enthaltenen Schleimstoffe entzündungshemmend und schleimlösend bei Erkältungen wirken. Überbrühen Sie hierfür die Blüten nicht mit kochendem Wasser, sondern lassen Sie sie lieber stundenlang in lauwarmem Wasser ziehen – das schont die wirksamen Inhaltsstoffe.

Auch die Blüten der dunkleren Form Malva sylvestris ssp. mauritiana können zu Tee verarbeitet werde. Allerdings mag man die fein geäderten, tief dunkelvioletten Kunstwerke kaum vom Stängel zupfen. Gerade in den späten Sommermonaten und zu Beginn des Herbstes ist ihre Farbenpracht doch so wichtig im allmählich verblassenden Garten.

Effektvolle Partner für Malven und Stockrosen

Am allerschönsten kommt sie wohl in Gesellschaft ähnlich wild-charmanter Dauerblüher wie Knautie (Knautia macedonica), Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea) oder Gelber Skabiose (Scabiosa ochroleuca) zur Geltung.

Stockrose Foto: © GartenFlora/Christian Gehler
Ein knalliger Farbkontrast bringt die Blüten der Stockrosen noch mehr zur Geltung. Foto: © GartenFlora/Christian Gehler

Sie alle danken einen sonnigen, trockenen Standort mit fortwährendem Blütenschieben von Juni bis zu den ersten Frösten. Außerdem samen sie sich in Maßen selbst aus. Allerdings nie so sehr, dass sie lästig werden könnten. Ihre Ausbreitung bleibt dezent und sie sind damit stets imstande, naturnahe Gartenbilder zu zaubern, die eine Gärtnerhand kaum kreieren könnte. Kurzum: Die Wilde Malve ist ein ganz heißer Kandidat für alle Freunde des Blackbox-Gardenings!

Die großen Gestalter

Anders die Strauch-Malve (Lavatera olbia) und die sogenannte Thüringer Strauchpappel (Lavatera thuringiaca). Sie sind aus den berühmten englischen „mixed borders“ nicht wegzudenken. Ihr wilder Charme wirkt zwar auch sehr natürlich, ist aber stets penibel durchgeplant.

In diesen prachtvollen Rabatten sind die mehrjährigen Lavatera echte ‘Eyecatcher’ (so der passende Name einer herrlich purpurnen L. olbia-Sorte) mit ihrem 1,5 bis 2 m hohen breitbuschigen Wuchs, der von Juni bis Oktober/November über und über mit rosafarbenen oder weißen (z.B. ‘Barnsley’ oder ‘White Angel’) Blüten bedeckt ist. Lavatera olbia entwickelt sich so schnell, dass man ihr beim Wachsen zuschauen möchte. Im Winter erleidet sie in unseren Breiten allerdings meist einen Dämpfer.

Stockrosen und Malven: Auch für den Kübel geeignet

Lavatera olbia friert teilweise etwas zurück. Daher sollte sie im Herbst auf etwa 80 cm gestutzt und mit einer Decke aus Laub und Reisig geschützt werden. Im nächsten Jahr startet sie dann wieder durch. In rauen Gegenden allerdings mag sie durch die nicht minder schöne Thüringer Strauchpappel ersetzt werden. Diese ist für ungemütliche Mittelgebirgslagen geradezu prädestiniert. Beide Arten lieben die Sonne und einen sehr durchlässigen, aber zugleich nährstoffreichen Boden. Auch in Kübeln auf dem Balkon oder der Terrasse sorgen sie für Form und Struktur.

Das Pflanzgefäß sollte nicht zu knapp bemessen sein. Erst im 50 Liter-Kübel kann die Strauch-Malve ihre Wurzeln richtig durchstrecken und zu einem wahren Prachtexemplar heranwachsen – Nährstoffgaben in Form von Kompost oder Hornspänen vorausgesetzt.

Die Präriemalve: So charmant und elegant

Foto: AdobeStock_AngieC
Sidalcea ‘Sussex Beauty’. Foto: AdobeStock_AngieC

Ein Blick noch auf die wohl eleganteste der Malven-Schwestern, die sich in Gärtnereien und in der Garten-Literatur so vornehm im Hintergrund hält, dass sie auch in diesem Beitrag fast übersehen worden wäre: die Präriemalve (Sidalcea).

Für sich alleine mögen ihre straff aufrecht wachsenden, meterhohen, über und über mit zart gerüschten Blüten geschmückten Stängel tatsächlich ein wenig unscheinbar wirken. In Gruppen jedoch verleiht ihre vornehme Haltung jeder Spätsommerrabatte einen überaus eleganten, stets gepflegt wirkenden Schliff.

Etwa sechs Pflanzen empfehlen sich pro Quadratmeter gut durchlässigem, aber nicht zu trockenem Boden. Präriemalven wie die weiße ‘Bianca’ oder die rosafarbene ‘Elsie Heugh’ haben sich eben wie keine anderen eines der schönsten Familienmottos zu eigen gemacht. Und das lautet: Nur gemeinsam sind wir stark!

KERSTIN ACKERMANN

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