Foto: AdobeStock_LianeM

Karnivoren:Winterharte Arten für den Garten

Karnivoren beim Insektenfang zu beobachten, ist unwahrscheinlich spannend. Einige dieser ungewöhnlichen Gesellen sind sogar winterhart. So können Sie dieses Schauspiel auch im Garten oder auf der Terrasse verfolgen. Redakteurin Patricia Städter weiß, worauf es bei den skurrilen Pflanzen im Garten ankommt.

Karnivoren – voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Inhalt

Karnivoren im Garten

Als Gärtnerin probiere ich gerne Neues aus. So bepflanzte ich vor vier Jahren ein Zimmerterrarium mit fleischfressenden Pflanzen, die oft als Karnivoren oder Insektivoren bezeichnet werden. Seitdem entwickeln sich dort Venusfliegenfalle, Sonnentau, Fettkraut und Schlauchpflanze prächtig.

Nun möchte ich mir im Garten ein kleines Beet mit den skurrilen Pflanzen anlegen. Es ist nicht so schwer – versuchen Sie es auch! Heimische Karnivoren-Arten sowie die aus Nordamerika oder Kanada stammenden sind robust und gedeihen ganzjährig im Freiland – egal ob in einem großen Gefäß oder im Moorbeet.

Tipps zur Gefäßbepflanzung

Für einen Karnivoren-Kübel nutzt man wasserdichte Behältnisse, die im Winter dem Eisdruck standhalten, wenn das Wasser im Gefäß friert. Das können Kunststoffkübel, aber auch Maurertuppen oder Zinkwannen sein. Bei Metallgefäßen empfiehlt es sich, diese mit Teichfolie auszukleiden, damit sie nicht durchrosten und dabei gelöste Stoffe ins Substrat wandern.

Die Sumpfpflanzen benötigen viel Feuchtigkeit. Damit man nicht ständig nachgießen muss, sollte unbedingt ein Wasserspeicher angelegt werden. Ein integriertes Kunststoffrohr erleichtert das Bewässern. Hierzu ausschließlich Regenwasser verwenden. Um die Pflanzen herum wird Torfmoos arrangiert. Wie im echten Moor sollte es als Begleiter nicht fehlen. Es schützt zudem vor dem Austrocknen des Bodens.

Karnivoren Foto: AdobeStock_Hcast
In Kombination mit Torfmoos (Sphagnum) fühlen sich Karnivoren wie diese Venusfliegenfalle wohl. Foto: AdobeStock_Hcast

Warum ein Moorbeet?

Aber warum im Moorbeet? Fleischfressende Pflanzen wachsen in der Natur auf sehr nährstoffarmen, feuchten Magerstandorten wie Torfmooren. Sie entwickelten im Laufe der Evolution eine Strategie, um dort gut zu überleben. Durch das Einfangen kleiner Beutetierchen und das Zersetzen des tierischen Eiweißes versorgen Karnivoren sich zusätzlich mit Nährstoffen. Dabei wenden die Arten unterschiedliche Fangmethoden an.

Was aber fast alle Karnivoren gemeinsam haben, ist ihr Sonnenhunger. Suchen Sie sich für Ihr Minimoor oder für Ihr Gefäß einen Platz in voller Sonne – mit mindestens sechs Stunden Sonnenscheindauer. Ideal sind freie Flächen. Bäume in unmittelbarer Nähe würden stark beschatten und durch die Zersetzung des herabfallenden Laubes Nährstoffe eintragen.

Karnivoren Foto: AdobeStock_Christian Dietz
Schlauchpflanzen (Sarracenia flava) in Okaloosa County, Florida, USA. Foto: AdobeStock_Christian Dietz

So wird’s gemacht: Moorbeet für Karnivoren anlegen

Wenn man für ein Beet eine niedrige Erdmulde mit 50-60 cm Tiefe aushebt und mit Teichfolie auslegt oder alternativ eine kleine Fertigteichschale eingräbt, kann man mit Steinen und Holz die Ränder gut kaschieren und so einen harmonischen Übergang zum Garten schaffen.

Ob im Sumpfbeet oder im Kübel – ein großer Wasserspeicher ist für Karnivoren sehr wichtig. Dazu nutzt man umgedrehte Töpfe oder Eimer, in die man zusätzlich kleine Löcher (max. 1 cm Durchmesser) bohrt. Eng aneinander werden sie eingestellt und bilden dabei mindestens die Hälfte der Gesamthöhe.

 

 

 
Dieser Artikel erschien in Ausgabe 06/21. Sie möchten die gesamte Ausgabe lesen?

JETZT ALS E-PAPER BESTELLEN>>

Es reichen 20 cm Substrathöhe, da die meisten Insektivoren nur ein schwaches Wurzelsystem ausbilden. Als Substrat wird reiner Weißtorf mit einem pH-Wert von 3 bis 5 verwendet. Er sollte nicht zu fein und nur schwach bis mäßig stark zersetzt sein (auf der Verpackung steht dafür H2-H5).

Achtung: Machen Sie sich bei der Verwendung von Torf bitte immer bewusst, dass es sich um eine endliche Ressource handelt, mit der wir achtsam umgehen müssen.

Lockern Sie den Torf und wässern ihn ausgiebig, am besten über Nacht, bevor Sie ihn einbringen. So lässt er sich lückenlos und dicht verteilen. Wenn Sie die Beete befüllen, spülen Sie ab und zu mit Regenwasser nach, damit alles zusammensackt und der kapillare Wasseraufstieg im Boden funktioniert.

Beachten Sie beim Bepflanzen den Wuchs der Arten: Die höheren Schlauchpflanzen gehören in den Hintergrund, Winzlinge wie Sonnentau ganz nach vorn.

Geeignete Begleitpflanzen für Karnivoren

Für ein natürliches Biotop stellt man den Karnivoren geeignete Begleitpflanzen an die Seite, die auch auf nährstoffarmen, feuchten und sauren Standorten gedeihen. So bereichern Moos und Krähenbeere, Scheidiges Wollgras, Moorpogonie, Zwergsimse, Knabenkraut, Moornelken, Zwergschachtelhalm oder Pillenfarn das Moorbeet.

Torfmoos (Sphagnum) sollte auf keinen Fall fehlen. Verwendet man unterschiedlich gefärbte Arten, wirkt die Deckschicht nämlich abwechslungsreicher. Damit das frische Torfmoos gut anwächst, nimmt man kleine Tuffs zusammen und drückt sie fest in die Bodenoberfläche ein.

Karnivoren Foto: AdobeStock_Schmutzler-Schaub
Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) fühlt sich auch im nährstoffarmen Moorbiotop wohl. Foto: AdobeStock_Schmutzler-Schaub

So fühlen sich Ihre Karnivoren das ganze Jahr wohl

Halten Sie die Pflanzung ganzjährig ständig feucht. Zum Gießen der Karnivoren sollten Sie aber nur Regenwasser verwenden, da Leitungswasser oft zu kalkhaltig ist. Die meisten Insektivoren ziehen sich zum Herbst zurück und bilden Überwinterungsknospen, um die kalte Jahreszeit zu überdauern. Zum Winter Moorbeete und Gefäße maximal mit Wasser füllen. Bei Frost schützt dann die Eisdecke die Pflanzen. Im Frühjahr schneidet man trockene Blätter und Schläuche zurück.

Insektivoren wachsen langsam und machen wenig Arbeit, wenn man all diese Grundsätze beachtet. So haben Sie mehr Zeit, die faszinierenden Gewächse in Ruhe zu beobachten und zu studieren.

Winterharte Karnivoren für Einsteiger

Sonnentau-Arten

An den verschieden geformten Blättern der robusten Sonnentau-Arten haften unzählige winzige Tröpfchen. An diesem Sekret bleiben die Insekten kleben und werden durch ausgeschiedene Verdauungsenzyme zersetzt. Sonnentau zieht zum Winter ein: Man sollte drauf achten, dass seine Überwinterungsknospen (Hibernakel), aus denen er im Frühjahr wieder sprießt, nicht frei an der Bodenoberfläche liegen.

Sonnentau-Arten: Drosera anglica (Langblättriger S.), Drosera intermedia (Mittlerer S.), Drosera rotundifolia (Rundblättriger S.), Drosera filiformis (Fadenblättriger S.), Drosera binata (Gabelblättriger S.)

Karnivoren Foto: AdobeStock_Hhelene
Am Ende der Tentakel von Sonnentau glitzern Fangschleimtröpfchen im Sonnenlicht und ziehen Insekten magisch an. Foto: AdobeStock_Hhelene

Venusfliegenfalle

Diese Karnivoren-Art bildet markante Klappfallen mit winzigen Härchen aus, die als Sensoren fungieren. Wenn die Falle zuklappt, ist das Insekt gefangen und wird durch Enzyme aufgelöst. Blätter und Fallen sterben zum Winter ab. Die Pflanzen überdauern als Zwiebel im Boden.

Venusfliegenfalle: Dionaea muscipula (in verschiedene Sorten)

Venusfliegenfalle mit Beute Foto: AdobeStock_esben468635
Die markanten Klappfallen von Dionaea muscipula sind mit Härchen ausgestattet, die als Sensoren fungieren. Foto: AdobeStock_esben468635

Schlauchpflanzen

Die sehr robusten Arten bilden teils recht hohe Schläuche aus. Ihre attraktiven Blütenstände locken im Frühjahr viele Insekten an. In den trichterartigen Schlauchfallen, die innen durch eine Wachsschicht sehr glatt sind, rutschen die Insekten direkt in den Verdauungssaft hinein. Die Schläuche trocknen zum Winter ein. Im Frühjahr treibt die Pflanze aus dem kriechenden Rhizom wieder aus und verbreitet sich dadurch gut.

Schlauchpflanzen: Sarracenia flava (Gelbe S.), Sarracenia oreophila (Grüne S.), Sarracenia purpurea (Rote S.), Sarracenia rubra (Braune S.)

Von Sarracenia gibt sehr viele Hybriden und spektakulär gefärbte Sorten.

Foto: AdobeStock_Maria
Die eleganten Blütenstände von Schlauchpflanzen (hier Sarracenia purpurea) ähneln kleinen Lampions. Foto: AdobeStock_Maria

Gemeines Fettkraut

An seinen dicken, klebrigen Blattrosetten bleiben sehr kleine Insekten hängen und werden langsam zersetzt. Im Frühjahr erscheinen attraktive violette Blüten. Mithilfe von Winterknospen überdauert es die kalte Jahreszeit. Fettkraut kann in der Sonne oder im Halbschatten wachsen.

Gemeines Fettkraut: Pinguicula vulgaris

Karnivoren Foto: AdobeStock_Jakubstepan
Gemeines Fettkraut (Pinguicula vulgaris) sorgt für schicke Farbtupfer in zartem Violett. Foto: AdobeStock_Jakubstepan

3 Fragen an Mathias Maier

Er ist Experte, wenn es um Insektivoren geht, und leitet in Ludwigsburg seine Spezialgärtnerei Green Jaws.

Wer kauft bevorzugt bei Ihnen ein? 

Unsere Kundschaft ist bunt gemischt. Spezialisten sind ständig auf der Suche nach Neuheiten und Raritäten für ihre Sammlung. Anfänger werden durch meine selbst produzierten YouTube-Videos inspiriert, beginnen mit einem Moorkübel für die Terrasse, einer Schwimminsel für den Teich oder einer Schale für die Fensterbank. Hat man Erfolg, möchte man mehr ausprobieren. So entwickeln sich Einsteiger zu Karnivoren-Spezialisten.

Wie kamen Sie dazu, YouTube-Videos zu veröffentlichen? 

Ich möchte vielen Leuten auf anschauliche Weise zeigen, wie einfach es ist, diese Exoten zu kultivieren und was dabei zu beachten ist. Das geht mit kurzen, praxisnahen Videos zu einem Thema am besten. Damit wird gerade die jüngere Generation angesprochen. Die schauen nicht nur zu, die machen auch nach. 

Was ist Ihre Lieblingspflanze? 

Auf einer Borneo-Reise entdeckte ich 2010 auf dem Mount Kinabalu die Nepenthes villosa. Die seltene und geschützte Kannenpflanze wächst dort in Wäldern auf 3200 m Höhe. Ihre Kannen werden bis zu 30 cm groß und sind farblich wunderschön anzusehen.

MATHIAS MAIER, PATRICIA STÄDTER

Unsere aktuelle Ausgabe

Das sind die Top-Themen:

  • Farbenreiche Ziergräser: Weichzeichner im Garten
  • Bäume unterpflanzen: Robuste Stauden für den Schatten
  • Furioses Finale: So bunt leuchten Wilder Wein & Co
Zur aktuellen Ausgabe