Geißblatt im Pflanzenportrait

Lonicera: Ein Geißblatt kommt selten allein

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So vielfältig wie die bunte Gesellschaft des Geißblattes selbst sind auch die deutschen Namen: Heckenkirsche, Geißschlinge, Böschungsmyrte, Jelängerjelieber … der Name ist oft sogar Programm. Dafür erhielten einige andere Lonicera-Arten keinen deutschen Namen, was den Umgang mit ihnen nicht eben erleichtert. Rund 200 Arten vom Geißblatt hat die Nordhemisphäre zu bieten. Nur wenige kamen wirklich in den Gärten an. Neben den gut bekannten Schlingern sind auch die extrem anspruchslosen Sträucher und vor allem die immergrünen Arten einen zweiten Blick Wert.

Wald-Geißblatt 'Serotina'
Wald-Geißblatt ‘Serotina’ – Foto: iVerde/H. van de Laar

Das Duftende Geißblatt – schon unsere Großmütter liebten es sehr. Sie pflanzten meist das “Jelängerjelieber” genannte Echte Geißblatt, Lonicera caprifolium, dessen gelbweiße Blüten sich gegen Abend öffnen und dann ihren süßen Duft verströmen. Seine bis sechs Meter langen Triebe umschlingen alles, was ihm auf dem Weg nach oben nützlich ist.

Im Uhrzeigersinn wickeln sie sich um dicke Seile, Drähte, Pfosten von Pergolen, sogar um Sträucher, die sie regelrecht einspinnen. Die Auswahl an schlingenden Geißblatt-Arten ist heutzutage deutlich größer, und alle verfügen über eine sehr gute Winterhärte.

Das duftende Feuer-Geißblatt, Lonicera x heckrottii, bildet kaum Früchte aus. Seine Sorten ‘American Beauty’ oder ‘Goldflame’ sind noch deutlich attraktiver. Ihre Blüten duften betörend, wie bei fast allen windenden Arten.

Leider ohne Duft, dafür aber in spektakulärem Goldgelb und schon Mitte Mai, blüht das Gold-Geißblatt, Lonicera x tellmanniana. Für einen ausgesprochenen Sonnenplatz ist die Rote Geißschlinge, Lonicera x brownii ‘Dropmore Scarlett’ die erste Wahl.

Gar bescheiden wirkt neben jenen prachtvollen Sorten unser einheimisches Wald-Geißblatt, Lonicera periclymenum, das wohl jedem Wanderer zwischen der Ostseeküste und den Mittelgebirgen schon begegnet ist.

Vom einheimischen Wald-Geißblatt stammt die beliebte Sorte ‘Serotina’ ab, die auch heute noch als eine der attraktivsten Züchtungen überhaupt gilt. Leider mögen auch die Blattläuse sie besonders gern. Hitze und trockene Böden bekommen ihr nicht.

Immergrünes Geißblatt: Die Heckenmyrte

Lonicera nitida
Lonicera nitida ‘Twiggy’ – Foto: iVerde/H. van de Laar

Auf den ersten Blick fühlt man sich an Buchs erinnert. Die große Vielseitigkeit der Gattung Lonicera wird angesichts der immergrünen Arten erst richtig augenfällig. Lonicera nitida, die Heckenmyrte, und Lonicera pileata, die Böschungsmyrte, sind dichtverzweigte, immergrüne Sträucher, die auch ohne Schnitt kompakt und niedrig bleiben.

Für eine ganz schmale Einfassung eignen sich die Sträucher nicht, sie wachsen von Natur aus mehr breit als hoch. Für ein immergrünes, flächiges Band schon eher. Beim Unterpflanzen von Gehölzen, als Bodendecker, für die Grabgestaltung ist die Heckenmyrte eine gute Empfehlung. Lonicera nitida kann mit den Jahren auch zu einer etwa meterhohen Hecke gezogen werden, die besonders attraktiv aussieht, wenn man ihr einen „Wellen-schliff“ verpasst. In rauen Lagen gibt es mitunter Frostschäden, die Pflanzen treiben jedoch wieder willig aus.

Sommergrünes Geißblatt: Heckenkirschen

Lonicera tatarica 'Hack's Red'
Lonicera tatarica ‘Hack’s Red’ – Foto: iVerde

Schlichtweg unterschätzt werden die sommergrünen Sträucher, die es in der Gattung Lonicera gibt. In Sachen Schattenverträglichkeit, Anspruchslosigkeit und Frosthärte sind sie kaum zu überbieten. Ein ganz wundervoller Winterblüher liegt leider noch immer im Dornröschenschlaf: die Winter-Duftheckenkirsche. In Parks kann man sie regelmäßig bewundern. Die Schirm-Heckenkirsche, Lonicera maackii, ist ein wahrer Hummelmagnet. Sie blüht ab Mai, wird etwa drei bis vier Meter hoch und braucht etwas Platz. Die rahmweißen, herrlich duftenden Blüten muss man aus der Nähe betrachten. Noch genügsamer und tatsächlich ein Strauch für vermeintlich aussichtslose Gartensituationen ist die Tatarische Heckenkirsche, Lonicera tatarica.

Schatten, Wurzeldruck, Trockenheit, Frostloch? Kein Problem. Für schwierige Orte gibt es etliche schöne Sorten von Lonicera tatarica: ‘Arnold Red’ mit dunkelroter Blüte, ‘Hack’s Red’ in Purpurrosa oder ‘Rosea’ in zartem Rosa.

Wilde, essbare Früchtchen

Von den Früchten der meisten Heckenkirschen sollte man die Finger lassen, sie sind giftig. Es sei denn, Sie pflanzen die Sibirische Blaubeere, Lonicera caerulea var. kamtschatica. Sie ist auch unter den Namen Maibeere, Honigbeere oder Kamtschatka-Beere bekannt. Ihre Früchte schmecken fast wie die der Blaubeere, die Sträucher selbst sind anspruchslos und trotzen sogar sibirischer Kälte. Selbst im kleinen Garten findet sich oft Platz für zwei Sträucher. Mehr als ein Strauch sollte es sein, die Honigbeere ist nicht selbstfruchtbar.