Wenn der Platz knapp ist, lohnt sich das Ausgeizen von Tomaten umso mehr. Foto: GartenFlora

Tomaten ausgeizen – warum Geiztriebe entfernt werden

Oft wird darauf hingewiesen, dass man Tomaten ausgeizen sollte. Manchmal wird auch diskutiert, ob das Ausgeizen oder Entgeizen wirklich notwendig ist. Um die richtige Entscheidung zu treffen, ist es wichtig zu verstehen, welche Vorteile diese Tätigkeit haben kann, wie sich Geiztriebe erkennen lassen und welche Tomaten besser nicht entgeizt werden und warum. Wir haben Fragen und Antworten sowie Tipps und Wissenswertes rund um das Ausgeizen der Tomaten zusammengestellt.

Was versteht man unter „Tomaten ausgeizen“?

Tomaten Jungpflanzen in kleinen Töpfen
Junge Stabtomatenpflanzen Foto: GartenFlora

Damit ist das Entfernen junger Seitentriebe gemeint, die in den Blattachseln der Tomatenpflanze wachsen. Diese Nebentriebe, die oft als „Geiztriebe“ bezeichnet werden, sollten so früh wie möglich ausgebrochen werden. Dies verhindert, dass die Pflanze bereits Energie in das Wachstum dieser Nebentriebe steckt statt in die Entwicklung großer Früchte am Haupttrieb.

Weil das Ziel des Tomatenanbaus häufig darin besteht, möglichst große Früchte zu ernten, wird die Bildung von Seitentrieben, die oft relativ viele Blätter aufweisen, als Kraftverschwendung für manche Tomatenpflanzen betrachtet. Die Blätter am Haupttrieb müssen aber bleiben, denn die Pflanze braucht sie für die Photosynthese.

Was sind „Geiztriebe“ und wie oft werden Tomaten ausgegeizt?

Das Ausgeizen sollte regelmäßig erfolgen, denn es können sich wieder neue Geiztriebe bilden. Meist wird empfohlen, die Tomatenpflanzen einmal in der Woche auszugeizen, insbesondere zu Beginn der Wachstumsphase.

Geiztrieb

Der seltsam klingende Ausdruck Geiztrieb bezieht sich auf die alte Bedeutung des Wortes geizen im Sinne von „gierig, habgierig sein“ beziehungsweise Geiz im Sinne von „Habsucht, Gier“. In der Kultur von Pflanzen hatte das Wort Geiz im 18. Jahrhundert die Bedeutung von „Nebenschössling“, zum Beispiel bei Weinreben. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit die Bezeichnung Geiztrieb, denn man ging davon aus, dass diese wuchsfreudigen Nebenschösslinge besonders gierig waren und fruchttragenden Pflanzen zu viel Energie raubten.

Warum werden Tomaten entgeizt?

junge Tomatenpflanze ausgeizen
Kleine Seitentriebe lassen sich noch leicht durch Abknipsen entfernen. Foto: GartenFlora

Es gibt mehrere Gründe für das Ausgeizen der Tomaten, zum Beispiel:

  • Größere Früchte am Haupttrieb
  • Bessere Belichtung der Früchte
  • Mehr Luft zwischen den Pflanzen
  • Leichtere Ernte
  • Mehr Platz im Tomatenhaus

Tomatenpflanzen müssen nicht unbedingt ausgegeizt werden. Das Ausgeizen der Tomaten bietet jedoch Vorteile, zum Beispiel, wenn wenig Platz für die Pflanzen zur Verfügung steht. Stabtomaten werden üblicherweise eintriebig gezogen und an einer Stange oder einem Band in die Höhe geleitet. Auf diese Weise wird der zur Verfügung stehende Platz gut genutzt und die Ernte ist leichter. Durch das Ausgeizen wachsen keine Früchte am Ende von Seitentrieben, die dann wegen des Gewichts abbrechen könnten. Stattdessen befinden sich die schweren Früchte nah am kräftigen Haupttrieb.

Wenn die Tomatenpflanzen wegen der Blätter an den Geiztrieben sehr dicht belaubt sind, ist die Ernte schwieriger. Das Ausgeizen der Tomaten ist außerdem für die Gesundheit der Pflanzen vorteilhaft: Die Enge kann dazu führen, dass Pilze wie die Kraut- und Braunfäule oder andere Krankheitserreger leichteres Spiel haben.

Tomaten ausgeizen – wie geht das?

großer Geiztrieb wird entfernt
Die in den Blattachseln entstehenden Geiztriebe werden am besten möglichst früh entfernt, um größere Wunden zu vermeiden. Foto: GartenFlora

Die Geiztriebe entspringen in der Blattachsel, zwischen Haupttrieb und Blattansatz. Sie sind sehr wuchsfreudig und bilden viele Blätter. Beim Ausgeizen der Tomaten werden diese kleinen Seitentriebe am besten mit Daumen und Zeigefinger abgeknipst. Wenn die Geiztriebe noch klein und weich sind, ist das sehr einfach und ohne Verletzungen am Haupttrieb der Pflanzen möglich.

Bei längeren Seitentrieben kann das Abreißen oder der Versuch, sie abzuknipsen, zu größeren Verletzungen an der Pflanze führen. Diese Wunden verheilen nicht so gut wie kleinere Verletzungen. Durch diese großen Wunden können leicht Krankheitserreger in die Pflanze gelangen. Um große Verletzungen zu vermeiden, ist es deshalb bei festeren und längeren Trieben besser, zum Ausgeizen der Tomaten ein scharfes Messer zu verwenden.

Vorsicht: Auch Messer können für eine Verbreitung von Infektionen sorgen, wenn sie bei befallenen Tomatenpflanzen (Braunfäule) im Einsatz waren. Schneidewerkzeuge sollten also vor einer erneuten Verwendung stets mit Alkohol gereinigt und desinfiziert werden.

Welche Tomaten werden entgeizt und welche nicht?

Stabtomaten mit Früchten im Folientunnel
Werden Stabtomaten ausgegeizt, entwickeln sich größere Früchte. Foto: GartenFlora

Das Ausgeizen ist nicht bei allen Tomaten sinnvoll. Bei Stabtomaten, die in die Höhe wachsen, ist das Entfernen der Geiztriebe vorteilhaft, weil ihnen dann mehr Kraft für die Blütenentwicklung und zur Fruchtbildung zur Verfügung steht. Diese Pflanzen tragen dann zwar weniger, dafür aber größere und gut entwickelte Tomaten.

Buschtomaten beziehungsweise Strauchtomaten werden nicht ausgegeizt, denn sie sollen möglichst buschig wachsen. Manche Gärtner sprechen bei ihnen auch von einem determinierten Wachstum, also einem in der Höhe begrenzten Wuchs.

Bei den Busch- oder Strauchtomaten mit ihrem kompakten Wuchs sind Seitentriebe erwünscht. Sie tragen zum Fruchtreichtum dieser Tomatensorten bei, denn die vielen Seitentriebe bilden zahlreiche kleine Früchte. Bei Buschtomaten sind möglichst viele kleine Früchte das Ziel. Anders als bei den langen, zumeist eintriebig gezogenen Stabtomaten ist das Ausgeizen bei strauchartig wachsenden Tomaten deshalb unüblich.

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