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Bäume fürs Klima:Wie sinnvoll sind Aufforstungsprojekte?

Bäume pflanzen – voraussichtliche Lesedauer: 8 Minuten

Unsere Wälder besitzen eine essenzielle Funktion für alles Leben auf der Erde. Laub- und Nadelbäume sowie der Waldboden können das klimaschädliche Kohlenstoffdioxid aufnehmen und über lange Zeiträume speichern. Zum Erreichen der Klimaziele ist der Wald also unverzichtbar. Aufforstung nimmt daher auch in vielen Klimaschutzprogrammen einen wichtigen Platz ein. Doch Projekte, die Bäume pflanzen, scheinen geradezu wie Pilze aus dem Boden zu sprießen – auch von Modelabels, Lebensmittel- oder Kosmetikmarken. Warum Baumpflanzungen auch kontraproduktiv sein können und wann Aufforstung tatsächlich sinnvoll ist, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.

Bäume pflanzen: Spenden für Aufforstungsprojekte

Neben Klimaschutzorganisationen, die Aufforstung betreiben, werben inzwischen auch immer Unternehmen mit Baumpflanzungen, die durch den Kauf ihrer Produkte gefördert werden sollen. Einige Firmen werben auch mit Klimaneutralität, die sie durch Investitionen in derartige Projekte rechnerisch erreichen wollen. Für Privatpersonen gibt es außerdem zahlreiche Möglichkeiten, Bäume zu spenden oder eine individuelle Baumpatenschaft zu übernehmen. Was in der Theorie nach einer guten Idee klingt, ist allerdings in der Umsetzung nicht immer von Erfolg gekrönt. Denn ob ein Aufforstungsprojekt im Hinblick auf Klimaschutzziele erfolgreich ist, hängt von einigen Faktoren ab.

Mischwald von oben aufgenommen. Foto: AdobeStock_mikeosphoto
Wälder gelten als „grüne Lungen“ des Planeten. [Foto: AdobeStock_mikeosphoto]

Wälder und Klimaschutz

Etwa 31 Prozent der Landoberfläche der Erde sind mit Wald bedeckt. Doch seit Jahrzehnten schwinden unsere Wälder. Die Ursachen hierfür sind unterschiedlich, doch liegen meistens beim Menschen. Entwaldungen finden unter anderem für den Ausbau von Infrastrukturen, Landwirtschaft oder Rohstoffabbaugebiete statt. Eine Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat ergeben, dass die globale Waldfläche zwischen 2010 und 2020 jährlich um 4,7 Millionen Hektar geschrumpft ist.

Pflanzen, und insbesondere große Bäume, besitzen die Fähigkeit, CO₂ zu speichern. Damit helfen sie dabei, die Temperaturen auf der Erde stabil zu halten. Aufforstungsprojekte setzen genau hier an. Den zu erwartenden Folgen des Klimawandels soll das Pflanzen der Bäume entgegenwirken, denn die Bäume können als großer CO₂-Puffer fungieren – so die Überlegung.

Unverzichtbar für die ökologische Vielfalt

Die Bedeutung von Wäldern für das Ökosystem Erde geht noch über den Aspekt der CO₂-Speicherung hinaus. Wälder sind Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Damit nehmen Waldgebiete auch im Hinblick auf den fortschreitenden Verlust der Artenvielfalt eine zentrale Rolle ein. Die weitläufigen Wurzelnetzwerke sorgen außerdem dafür, dass der Boden vor Erosion und Austrocknung geschützt ist. Und die Stoffwechselvorgänge der großen Baumkronen verbessern die Luftqualität, da der Sauerstoffgehalt und die Luftfeuchtigkeit steigen.

Bedeutung des Waldes

Wälder werden oft als „grüne Lunge“ der Erde bezeichnet: Sie binden Kohlenstoffdioxid und produzieren Sauerstoff. Doch Wälder erfüllen noch andere wichtige Aufgaben, denn Waldgebiete …

  • … bilden den Lebensraum zahlreicher (auch vom Aussterben bedrohter) Tier- und Pflanzenarten.
  • … schützen den Boden vor Witterungsschäden wie Erosion, Austrocknung und Frost.
  • … speichern und reinigen Regenwasser.
  • … schützen vor Überschwemmungen.
  • … verbessern die Luftqualität.
  • … dienen als Naherholungsgebiete.
Junge Bäume in Pflanzsäcken. Foto: AdobeStock_goami
Nicht immer werden kleine Setzlinge gepflanzt. Manche Projekte ziehen die Gehölze zunächst in einer Baumschule groß. [Foto: AdobeStock_goami]

Bäume pflanzen: Probleme in der Umsetzung

Die Idee, Klimaschutz mit Aufforstung zu betreiben, klingt zunächst denkbar einfach und naheliegend. Tatsächlich ergeben sich in der Umsetzung aber auch viele Schwierigkeiten. Eine dieser Schwierigkeiten besteht zum Beispiel darin, dass Wälder anfällig für diverse Umwelteinwirkungen sind: Schädlingsbefall, Stürme oder Brände können im schlimmsten Fall zu einem rasanten Waldsterben führen, bei dem die einst gespeicherten CO₂-Mengen in Windeseile wieder in die Atmosphäre abgegeben werden. Derartig unvorhergesehene Ereignisse machen es zudem schwierig, genaue Berechnungen darüber anzustellen, wie viel CO₂-Ersparnis eine neu aufgeforstete Fläche effektiv mit sich bringen würde. In seltenen Fällen können sich Baumpflanzungen sogar kontraproduktiv auswirken. Denn weitflächiges Grasland, wie es etwa in der Mongolei oder in Kasachstan vorkommt, reflektiert mehr Sonnenstrahlung als es bei Waldflächen der Fall wäre.

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Hinzukommt, dass junge Bäume lange nicht so viel Kohlenstoffdioxid aufnehmen können, wie es bei älteren Bäumen der Fall ist. Bis eine neu angelegte Waldfläche eine erkennbare Wirkung gegen den Treibhauseffekt zeigt, vergehen Jahrzehnte. Dies zeigt auch, dass für den Klimaschutz der Erhalt unserer Urwälder erheblich wichtiger ist als das Aufforsten.

Übrigens: Als ein noch größerer, natürlicher CO₂-Speicher als Wälder erweisen sich Feuchtgebiete. Wussten Sie, dass in einem Quadratmeter Moorfläche circa fünfmal mehr Kohlenstoffdioxid gespeichert werden kann als auf derselben Fläche Wald? Für den Klimaschutz ist der Erhalt der Moore daher von zentraler Bedeutung.

Einige Kritiker*innen befürchten sogar, dass der aus Aufforstung geschlagene Profit als Motivation dienen könnte, mehr Flächen zu roden, um sie anschließend neu zu bepflanzen – für die Klimabilanz wäre dies fatal. Schnell verkommt das ‚Baum-Business‘ leider auch zur reinen Greenwashing-Strategie, wenn Kund*innen beim Kauf von Produkten eine Baumpflanzung zum Ausgleich der Klimabilanz versprochen wird. Zielloses Aufforsten sollte nicht als Freifahrtschein für gleichbleibend hohe Emissionen missverstanden werden. Mehr als problematisch wird es auch, wenn Baumpflanzprojekte zulasten der indigenen Bevölkerung durchgeführt werden. Bekannt sind beispielsweise Fälle aus Bangladesch, Brasilien oder Uganda, bei denen es als Folge der Aufforstung durch Naturschutzorganisationen zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen und zur Vertreibung der lokalen Bevölkerung kam.

Regenwald von oben fotografiert. Foto: AdobeStock_belyaaa
Das Pflanzen von Bäumen ist eine gute Sache – doch auch der Standort muss stimmen. [Foto: AdobeStock_belyaaa]

Bäume zu pflanzen ist keine Universallösung

In aktuellen Zeiten drängender Umweltkrisen ist das Pflegen, Schützen und Wiederaufbauen der Wälder zweifellos eine wesentliche Aufgabe. Organisationen, die Bäume pflanzen, übernehmen hierbei einen wichtigen und unterstützenswerten Part. Dennoch sollte man derartige Projekte nicht zum bequemen Kompensationsmittel für gegenwärtige Klimasünden verklären. Denn Kompensation im eigentlichen Sinne ist auf diese Weise schlicht nicht möglich.

Entscheidendere Klimaschutzmaßnahmen als das Pflanzen neuer Bäume bleiben dabei das Bewahren unberührter Urwälder, das Stoppen illegaler Abholzung und die Reduktion der Emissionen. Hierfür braucht es weitreichende politische Lösungen. Dennoch ist das Unterstützen von Baumpflanzprojekten eine gute Sache – sofern es sich dabei um seriöse, nachhaltige und sozialsensible Organisationen handelt.

Darauf sollten Sie achten

Wer an Organisationen, die Bäume pflanzen, spenden möchte oder eine Baumspende als Geschenk in Erwägung zieht, sollte sich das jeweilige Projekt zunächst genauer ansehen und prüfen, ob die Spende zum Pflanzen der Bäume auch einer seriösen Organisation zugute kommt. Wichtig ist erstmal, dass transparent dargestellt wird, was mit der Spende passieren soll und wo. Wir haben einige Anhaltspunkte für Sie zusammengestellt, auf die Sie bei der Auswahl Ihres Baumpflanz-Projektes achten können:

Frisch in Reihen gepflanzte Mangrovenbäumchen. Foto: AdobeStock_Charoenchai
In Küstenregionen werden oft Mangroven gepflanzt – sie sollen vor Überschwemmungen und Erosion schützen. [Foto: AdobeStock_Charoenchai]
  • Transparenz steht als Kriterium ganz oben. Fragen wie „Wo werden Bäume gepflanzt?“ oder „Welche Baumarten werden verwendet?“ sollten klar beantwortet werden. Veröffentlicht die Organisation außerdem konkrete Zahlen und wird der Projektverlauf offen dokumentiert?
  • Nicht an jedem Standort ist das Pflanzen neuer Bäume sinnvoll. Bepflanzt werden sollten beispielsweise eher kohlenstoffarme Böden, da andernfalls CO₂ durch die Bodenbearbeitung freigesetzt wird.
  • Alleine mit dem Pflanzen ist es nicht getan. Ein Wald will gut gepflegt werden, denn nur wenn die gepflanzten Setzlinge wirklich zu großen Bäumen heranwachsen, können sie größere Mengen CO₂ binden.
  • Nicht jede Gehölzart speichert gleich viel CO₂. Kiefern besitzen beispielsweise mehr Absorptionspotential als Fichten. Die Baumarten müssen aber auch gemäß der Region und des Standorts passend ausgewählt sein, damit sie gesund anwachsen. Auch zukünftige Veränderungen des Klimas sollten in die Überlegung mit einfließen.
  • Das Pflanzen von Monokulturen ist ökologisch nicht sinnvoll. Nicht nur da Mischwälder für Tier- und Pflanzenarten lebenswertere Habitate bieten, sondern auch, weil Monokulturen anfälliger für Schädlinge oder auch Wetterextreme wie Stürme sind.
  • Lesen Sie nach, ob die von Ihnen gewählte Organisation auch Angaben zu sozialen Themenaspekten macht. Das Umweltbundesamt empfiehlt das Zertifikat The Gold Standard, welches Aufforstungsprojekte auszeichnet, die neben der nachweislichen Reduktion von Treibhausgas-Emissionen auch auf das jeweilige Gebiet und die Belange der dortigen Bevölkerung Rücksicht nehmen. Ein anderes hilfreiches Siegel ist der Verified Carbon Standard.

Baumspende zu Weihnachten – 5 Tipps

  1. Treedom ist eine Online-Plattform, die Kleinbauern und -bäuerinnen in verschiedenen Ländern der Welt das Pflanzen von Bäumen finanziert – zum Beispiel in Haiti, Italien oder Tansania. Den weiteren Lebensverlauf der Bäume können Spender*innen anhand von Fotos und GPS-Trackern nachverfolgen – ein schönes Weihnachtsgeschenk!
  2. Der Verein Bergwaldprojekt e.V. hat sich dem Schutz von Bergwäldern und Kulturlandschaften verschrieben. Durch das Projekt werden unter anderem auch in deutschen Wäldern Baumpflanzungen durchgeführt.
  3. Auch Primaklima bietet die Möglichkeit, zu spenden oder Bäume zu verschenken – inklusive individualisierter Baumurkunde. Der Verein unterstützt Aufforstungsprojekte weltweit, darunter in Deutschland, Indonesien oder Uganda.
  4. Die gemeinnützige NGO Eden Reforestation Projects setzt sich dafür ein, dass abgeholzte Naturlandschaften wiederhergestellt werden. Dabei legen sie großen Wert auf die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden, die in Folge der Entwaldungen unter Armut leiden.
  5. Im Internet surfen und ganz nebenbei Baumpflanzungen unterstützen? Die Suchmaschine Ecosia macht’s möglich. Der aus Werbeanzeigen erwirtschaftete Gewinn wird direkt in Aufforstungsprojekte investiert.

LUISA ROTH

Sie möchten erfahren, wie Sie möglichst auch im eigenen Garten mit den Folgen des Klimawandels umgehen und mehr Nachhaltigkeit leben können? Dann schauen Sie doch auch in unsere Beiträge zum Kraterbeet, zu trockenresistenten Pflanzen oder torffreier Erde.

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