Vögel richtig füttern: Futter für Genießer

Tannenmeise im Schnee

Unsere Serviervorschläge gefallen nicht nur den Federtieren. Wenn sich die munteren Gäste iim Garten tummeln, wird’s auch für uns zum, immerhin, optischen Genuss!

Jeden Winter aufs Neue stellen sich Tierfreunde die Frage: Sollen wir nun Vögel füttern oder nicht? Über das Thema wird teilweise erstaunlich erbittert diskutiert.

Daher hier ein paar Fakten: Von der Winterfütterung profitieren nur etwa 5 % unserer Vogelarten. Alle anderen sind entweder Zugvögel oder an so spezielle Lebensräume gebunden, dass sie in der Nähe menschlicher Siedlungen kaum auftreten. Die Fütterung kann also den Erhalt natürlicher Lebensräume nicht ansatzweise ersetzen und wirklich seltene Arten nicht schützen. Klar!

Klar ist aber auch: Die Vögel, die bei uns bleiben, haben es im Winter richtig schwer. Denn je kleiner ein Körper ist, desto mehr Energie braucht er, um nicht zu erfrieren. So verbraucht also eine Blaumeise bei -10 °C in einer einzigen Nacht eine Energiemenge, die 10 bis 15 % ihres Körpergewichtes aufzehrt!

» Beerenstark durch den Winter

Den Tieren das Leben leichter machen

Natürlich schaffen es trotzdem Jahr für Jahr genug Blaumeisen durch den Winter. Doch ist das ein Grund, ihnen nicht unter die Flügel zu greifen? Wichtig ist dabei aber eine unbedingt sachgemäße, auf Hygiene bedachte, zuverlässige Fütterung. Denn die Tiere gewöhnen sich an die Futterstelle, nehmen einen oft kräftezehrenden „Anflug“ auf sich in der Gewissheit, dort neue Energie tanken zu können. Ist der Tisch dann einmal leer oder das Futter verdorben, kann’s gefährlich werden.

Wissenswertes

Schwarz schmeckt besser
Sonnenblumenkerne gehören wegen ihres hohen Energiegehalts zu den mit Abstand wichtigsten Futtermitteln. Kaum eine Vogelart, die sich nicht für sie begeistert.

In Discountern werden fast immer die gestreiften Kerne als Streufutter angeboten. Noch beliebter, da ölhaltiger und weichschaliger, sind die schwarzen Kerne, die es im Fachhandel für Vogelfutter (z. B. vivara.de) gibt. Hier finden sich auch geschälte Kerne, um Schalenreste im Garten zu vermeiden, und gehackte Kerne für kleinere Vögel.

» Vögel füttern und Übersicht: Welche Vogelarten sind im Garten zu Gast

Zaunkönig und Stieglitz
Ob drollig oder bunt: Zaunkönig und Stieglitz bzw. Distelfink gehören zu den beliebtesten Vogelarten. Doch ausgerechnet sie sind kaum in den Garten zu locken. Oder?! Der Stieglitz ist auf feine Sämereien spezialisiert, die er am liebsten direkt aus den Fruchtständen von Kugeldistel und Karde (Bild rechts) pickt.

Wenn er diese im Garten findet, prägt er sich das wertvolle Revier ein und probiert hier auch anderes Futter. Für feine Saaten wie Mohn kann er sich dann durchaus begeistern! Der Zaunkönig hingegen wagt sich kaum aus der Deckung und nimmt in Fett getränkte Haferflocken nur, wenn sie wenige Zentimeter vom Reisighaufen entfernt bodennah serviert werden.

» Vögel im Winter

Nach Geschmack und Schnabelform

Körnerfresser wie Finken, Zeisige, Gimpel oder Sperlinge schätzen Sonnenblumenkerne, ungesalzene, nicht geröstete Nüsse und allerhand Samen. Hanf, Hirse oder Mohn werden oft in Futtermischungen angeboten.

Sie können aber auch übrig gebliebenes Saatgut servieren: Salat-, Kohl- und Grassamen sind besonders begehrt. Auch Kürbis-, Melonen- und Apfelkerne, die in der Küche anfallen, werden verputzt.

Weichfresser wie Amseln, Singdrosseln, Rotkehlchen, Baumläufer oder Seidenschwänze fressen am liebsten Beeren, aber auch Fettfutter und ausgelegtes Obst. Ganze oder halbierte Äpfel und Birnen, aus denen sie Happen herauspicken können, sind hochwillkommen. Das Obst aber bitte nicht vorab in schnabelgerechte Stücke klein schneiden! Es friert dann durch und führt zu Darmentzündungen.

Gemischtköstler sind Meisen, Kleiber und Spechte. Sie begeistern sich vor allem für Körner-Fett-Mischungen wie Meisenknödel.

Tipps

Meisenknödel-Rezept: Erwärmtes Fett wie Rindertalg oder Kokosfett im Verhältnis 1 : 1 mit Körnern, Nussbruch und Weizenkleie mischen. Knödel formen, aushärten lassen und an einer Kordel aufhängen. Futterreste zum Naschen auf Kranz oder Baumrinde (toll für Baumläufer!) schmieren.

Ein Futterbaum für mehr Abstand zwischen Leckereien: Selbstgemachte Futterplätzchen locken unter anderem den Kleiber – ein liebenswerter, aber auch sehr dominanter Gartengast. Wo er auftaucht, haben kleinere Arten kaum noch was zu melden. Es sei denn, es werden mehrere Snacks parallel angeboten, zum Beispiel an einem selbstgebauten Futterbaum.

Fett ist ein schneller Energielieferant und für Vögel besonders wichtig. In Sonnenblumenöl gewendete Äpfel werden daher bevorzugt angepickt. Sie werden am besten auf einen Holzstab gespießt, so dass die Äpfel nicht direkt berührt werden. Eine Panade aus Samen, Haferflocken und Nussbruch macht den Schmaus perfekt. Verwenden Sie bitte kein ranziges Öl und keine gesalzenen Nüsse. Beides kann zu lebensgefährlichen Darmentzündungen führen.

Kopfüber ins Vergnügen: Einmal entdeckt sind Futterglocken gerade bei Meisen beliebt. Doch manchmal baumelt das Futter tagelang unerkannt vor sich hin.

Ein Tipp: Füllen Sie etwas von dem Futterbrei in leere Toilettenpapierrollen, entfernen Sie die Pappe nach dem Aushärten und hängen Sie die allseits zugänglichen Futterrollen als Appetizer zwischen die Glocken. Wer den Futterbrei auf Vorrat bereitet: In einer luftdichten Dose im Kühlschrank hält er sich eine gute Woche.

Ein Festmenü für alle Vögel sind gequetschte Hafer-, Weizen- oder Gerstenkörner, also Getreideflocken, die in einer schwach erwärmten Pfanne mit Sonnenblumenöl gewendet wurden.
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