Der Kiesgarten

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Kiesgarten

Der Sonnenhut (Echinacea pallida) übersteht heiße Sommer und lange Trockenperioden in den Prärien Nordamerikas. Damit ist er ein geeigneter Kiesgartenkandidat.

Sonne, Sandboden und wenig Regen – wer in Berlin, Brandenburg oder der Lüneburger Heide gärtnert, muss „janz schön jewieft“ sein. Ansonsten müht man sich jedes Jahr mit säckeweisem Heranschaffen guter Erde ab und steht oft stundenlang mit dem Gartenschlauch in den Beeten. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen? So wie Beth Chatto. Die geniale britische Gärtnerin legte bei sich zu Hause in Essex, einer der regenärmsten Gegenden in ganz England, auf einem stark verdichteten, mageren und trockenen Boden ihren berühmten Kiesgarten an. Sie verwendete Pflanzen, die durch verschiedene Anpassungsstrategien mit diesen Extrembedinungen gut zurechtkommen.

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Viel Sonne, Sandboden und Trockenheit sind also sehr gute Voraussetzungen für die Anlage eines „echten“ Kiesgartens. Es gibt auch Pflanzungen, die den Namen Kiesgarten nicht verdienen. Sie kennen sicher solche kahlen, mit Mulchfolie ausgelegten und mit Kies bedeckten Flächen, aus denen hier und da eine Zwergkonifere oder ein Ziergrasbüschel ragt. In einem echten Kiesgarten dagegen wachsen auf trockenem, kargem Boden, sonnenliebende, hitze- und trockenheitsverträgliche Pflanzen, die kaum Nährstoffe brauchen. Ein Kiesgarten sollte also unbedingt in der Sonne liegen. Die Süd- oder Südwestseite des Hauses oder ein Südhang sind ideal. Ein schattiger Vorgarten eignet sich nicht.

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Die meisten Kiesgartenpflanzen stammen aus Gegenden, in denen es trockener ist als bei uns in Mitteleuropa. Aus den nordamerikanischen Prärien kommen viele trockenheitsverträgliche Gräser wie das niedliche Moskitogras (Bouteloua gracilis) und auch die beliebte Prachtkerze (Gaura lindheimeri). Außerdem trifft man auf Gäste aus den asiatischen und südosteuropäischen Steppen- und Graslandschaften: einige Federgras-Arten (Stipa), Zwiebel- und Knollenpflanzen wie der Persische Lauch (Allium aflatunense) und Trockenkünstler wie die Steppen- Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana ssp. niciciana). Auch Pflanzen aus den Regionen rund ums Mittelmeer eignen sich: Halbsträucher, die auf kargen Untergründen wachsen, wie Graues Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus), Currykraut (Helichrysum italicum) und Thymian, außerdem Gräser, zum Beispiel das Riesen-Federgras (Stipa gigantea) oder Stauden wie Polster-Seifenkraut (Saponaria ocymoides) und Perlpfötchen (Anaphalis triplinervis). Natürlich gibt es in Mitteleuropa ebenfalls Pflanzen, die mit Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen. Sie entstammen meist den Trocken- und Magerrasengesellschaften, beispielsweise das feinlaubige Polster-Schleierkraut (Gypsophila repens), die goldgelbe Färberkamille (Anthemis tinctoria) und nicht zu vergessen die Frühblüher Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) und Adonisröschen (Adonis vernalis). Allerdings: Nicht alle Arten und Sorten sind ausreichend winterhart. In Gegenden mit kalten Wintern kann es ohne Schutzmaßnahmen zu Ausfällen kommen. Doch viele Kiesgartenpflanzen sind sowieso kurzlebig, erhalten sich aber durch Selbstaussaat.

Viele Gestaltungsmöglichkeiten

Ob üppig oder karg, natürlich oder formal, bunt oder einfarbig – Sie können aus dem Vollen schöpfen. Wer viel Platz hat, nimmt sich vielleicht die Natur zum Vorbild und legt eine wiesen- oder steppenartige Pflanzung an. Hier werden verschiedene, etwa gleichhohe Stauden und Gräser locker kombiniert. So entstehen Ruhe und Weite. Zwischen den Pflanzen darf gern immer wieder einmal Kies hervorschauen. Oder Sie gestalten Ihren Kiesgarten ganz frei und locker, verwenden dabei aber unterschiedlich hohe Arten, um Spannung zu erzeugen – perfekt für sehr reduzierte Pflanzungen, in denen der Kies oder der Splitt dominiert. Die wenigen Pflanzen sollten zudem in unregelmäßigen Abständen zueinander stehen. Auch echte Hingucker, die aus dem Beet ragen, sind gefragt. Das könnten zum Beispiel die beeindruckende Kandelaber-Königskerze (Verbascum olympicum), die exotisch anmutende Palmlilie (Yucca filamentosa) und das zauberhafte Riesen-Federgras (Stipa gigantea) sein. Wer mag, platziert zusätzlich zwischen den Pflanzen ein paar Feldsteine oder Schwemmholz. Die Wege in einem frei gestalteten Kiesgarten sollten wie zufällig entstanden wirken – man geht einfach dort entlang, wo keine Pflanzen wachsen. Allerdings lässt es sich auf Kies nicht so gut laufen, die runden Steine verkanten sich nicht. Splitt und Schotter verkeilen sich dagegen und bieten guten Halt.

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Kiesgärten gelten als sehr pflegeleicht. Wurde der Boden optimal vorbereitet und stimmt die Pflanzenauswahl, dann müssen Sie im Idealfall weder gießen noch düngen. Für einen guten Start sollten Sie aber die Pflanzen im ersten Jahr noch regelmäßig gießen und düngen. Ums Jäten kommen Sie jedenfalls nicht herum. Nicht nur Unkräuter, auch viele Stauden und Gräser samen sich aus und sollten in Schach gehalten werden. Die meisten Unkräuter und Pflanzen lassen sich aber leichter entfernen als auf normalen Gartenböden, denn die Wurzeln können sich im Kies nicht so gut festhalten. Wie wäre es also: Lieber nur ein bisschen Unkrautjäten statt statt Kompost und Schläuche zu schleppen?
Monica Lietzau

» Pflanzpaket für ein kleines Kiesbeet

Praxis-Tipp

KiesgartenSie haben verdichteten, schweren oder zu nährstoffreichen Boden und möchten ein Kiesbeet anlegen? Auch das geht: Sie müssen zunächst den Boden etwa 40 Zentimeter tief abtragen. Anschließend den Unterboden möglichst tief lockern, damit Regenwasser schnell ablaufen kann und Staunässe gar nicht erst aufkommt. Das ausgekofferte Beet dann mit feinkörnigem Kies, Splitt oder Schotter auffüllen, der mit zehn bis 20 Prozent Kompost oder humosem Oberboden gemischt ist. Jetzt können Sie die Pflanzen verteilen. Zum Schluss eine fünf Zentimeter hohe Schicht aus Kies, Splitt oder Schiefer ausbringen. Die Mulchschicht ist dabei nicht nur Gestaltungselement, sie schützt auch den Boden vorm Austrocknen, unterdrückt das Aufkommen von Unkraut und speichert die Sonnenwärme.
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