Zimbelkraut – Das einzig wahre Mauerblümchen

Schmucklose Gartenblumen, unscheinbare Menschen, selbst allzu zögerliche Skatspieler werden, nicht gerade zu ihrem Vorteil, häufig als Mauerblümchen bezeichnet. Dabei ist das echte, das richtige Mauerblümchen Cymbalaria muralis, auch Mauer-Zimbelkraut genannt, bei genauerem Hinschauen alles andere als schmucklos. Hübsche rundliche Blätter und eine Vielzahl hellvioletter, fein gezeichneter Rachenblüten mit gelbem Gaumen, den bekannten Löwenmäulchen nicht unähnlich, zieren das zarte Pflänzchen.

Doch lassen Sie sich von der zerbrechlich wirkenden Anmut des Zimbelkrauts nicht täuschen – die kleine Pflanze weiß sich zu behaupten und vermag eine Trockenmauer in nur wenigen Jahren mit ihrem feinen Blätternetz zu überspinnen. Reichliche Samenbildung und die langen Wurzelranken, die sich geschickt in jeder noch so kleinen Fuge verankern, machen das möglich. Der ungehemmte Ausbreitungsdrang ist aber ausnahmsweise nicht störend: Das grazile Mauerblümchen ist gegenüber anderen Pflanzen eher konkurrenzschwach. Und besiedelt dank seiner außerordentlichen Anpassungsfähigkeit zudem auch trockene, schattige Standorte, an denen sonst ohnehin kaum etwas wächst.

Auch als Bodendecker unter Gehölzen oder auf Kiesflächen bietet es sich daher an (empfehlenswert sind etwa acht bis zehn Pflanzen pro Quadratmeter). Hat das kleine Zimbelkraut die Wahl, bevorzugt es aber frische, stickstoffreiche, durchlässige Böden in sonniger bis halbschattiger Lage. Gedeiht es hier einmal allzu üppig, kann es jederzeit bedarfsgerecht zurückgestutzt werden.

Die violett blühende Wildart stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wurde aber schon früh durch den Stein- und Marmor-Handel in ganz Europa verbreitet und ist in Deutschland längst eingebürgert. Seit rund 100 Jahren sind auch Züchtungen mit weißen Blüten (‘Alba’) oder deutlich kompakterem, kugelförmigem Wuchs (‘Globosa’) in Umlauf. Die verwandte Art Cymbalaria pallida, auch Bleiches Zimbelkraut genannt, ist von Natur aus weniger ausbreitungsfreudig und gefällt durch etwas größere, aufrecht stehende Blüten. Wie auch das Mauer-Zimbelkraut besticht es durch andauernde Blüte von April/Mai bis zum ersten Frost und immergrünem Laubschmuck, zumindest in den milderen Wintern.

Kerstin Ackermann


Praxis-Tipp

Beim Bepflanzen Ihrer Trockenmauer achten Sie bitte darauf, Zimbelkraut & Co vorerst an den "komfortableren" Stellen zu etablieren: also in Fugen, die reichlich Regenwasser und Sonne abbekommen. Nachdem sie hier gut angewachsen sind, werden sie von ganz allein ihren Siegeszug in die schattigen, trockenen Winkel antreten. Eine 1:1-Mischung aus Sand und reifem Kompost eignet sich als Pflanzsubstrat. Damit das feine Material nicht aus den Nischen gespült wird, empfiehlt sich gegebenenfalls eine leichte Mulchdecke aus feinem Splitt. Der Pflanzabstand fällt an der Mauer großzügiger aus als auf nacktem Boden: etwa 3 bis 4 Pflanzen pro Quadratmeter. 

» Zarte Blüten – starker Charakter: Herbst-Steinbrech
Newsletter-Anmeldung

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Das Ratgebermagazin für Gartenliebhaber. Jeden Monat neu mit einer Vielzahl Tipps und Ratschlägen für den Zier- und Nutzgarten, mit Gestaltungsideen, Trends und Neuheiten rund um das Hobby Garten. Dazu wunderschöne Fotos aus liebevoll angelegten Privatgärten.

Editorial lesen Abonnieren

Aktuelle Ausgabe

GartenFlora Shop

Folgen Sie uns auf Facebook   Folgen Sie uns auf YouTube   Folgen Sie uns auf Twitter

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr