Ein Plädoyer für Thuja-Hecken

Wellenförmige Thuja-Hecke

Die Thuja-Hecke entlang der Gartengrenze bildet einen ganzjährig grünen, ruhigen Hintergrund für Staudenbeete. Weil es gefälliger aussieht, ist die Hecke wellenförmig geschnitten.

Ringsum Wildnis. Mit Brennnesseln und Quecken, Wildschweinen und Rehen. Mittendrin unser „Garten“. Ja, so sah es aus. Damals. Es ging nicht ohne Zaun und Hecke. Unser geträumtes Paradies brauchte Schutz. Als wir mit dem zuständigen Jäger über die Wildtiere sprachen, meinte er nur: „Sie wohnen nun mal an der Zivilisationskante, da müssen Sie mit dem Wild leben.“ Na gut, ich begann also, das Grundstück mit Lebensbaum-Hecken zu umgeben. Wir brauchten Wild-, Wind-, Goldrutenund auch ein bisschen Blickschutz. Thuja war preiswert, gut in Form zu halten und robust. Lange schon ist der Garten nicht mehr „Zivilisationskante“, sondern mehrmals im Jahr Anlaufpunkt für Besucher. Die Thuja-Hecken aber gibt es noch, und etwas belustigt beobachte ich das Staunen der Gäste: „Schaut euch bloß mal diese schmale Hecke an, das ist ja unglaublich!“ Unsere niedrige Lebensbaumhecke, die den Ziergarten einst vom Gemüsebeet trennte, gliedert heute den Garten und gibt der Bank unter den Birken Rückendeckung. Das Besondere ist ihre extrem schmale Form: unten ist sie 30 cm breit, oben nur fünf. Wenn ich dann erkläre, dass diese Hecke über 40 Jahre alt ist, ernte ich ungläubiges Staunen. Der Trick ist einfach. Er heißt „konsequent schneiden“.

» Formschnitt: die alte Gartenkunst

Thuja-HeckeVom Pflanzjahr an schneide ich meine Lebensbaumhecken immer im Februar, wenn andere Arbeiten nicht so drängen und die Vögel noch keine Nester hinein gebaut haben. Aber ich schneide sie jedes Jahr. So haben sie auch nach 40 Jahren immer noch die ursprünglich geplante Form. Vor allem: Sie beanspruchen ganz wenig kostbaren Gartenraum! Wer ungeduldig ist und ganz schnell eine hohe, dichte Hecke haben möchte, macht meist schon beim Pflanzenkauf einen Fehler, der sich nicht mehr ausbügeln lässt: Er kauft möglichst große Gehölze und lässt sie auch noch ungehindert wachsen. Ohne zu ahnen, dass der Lebensbaum in seiner nordamerikanischen Heimat seinem Namen alle Ehre macht und 20 Meter Höhe und mehr erreicht. Das schafft er auch bei uns, wird er nicht in die Grenzen gewiesen. „Lebensbaum gehört auf den Friedhof“, höre ich hinter meinem Rücken sagen. Ich halte dagegen: Er heißt nicht „Totenbaum“, sondern „Lebensbaum“. Inzwischen weiß ich: Auch die Robustheit von Thuja hat Grenzen. Ist es zu trocken, bleibt sie kümmerlich. In heißen Sommerwochen ist daher eine Wassergabe allemal hilfreich. Und wird der Schatten im Laufe der Jahre zu dicht, verkahlt die Thuja- Hecke. Ich erlebe das an den Stellen, wo einst winzige Bäumchen zu wahren Riesen herangewachsen sind. Schäden dieser Art lassen sich kaum reparieren. Bei mir haben sich als Alternative an solchen Stellen Eiben (Taxus baccata) bewährt. Sie vertragen mehr Schatten und Trockenheit ohne durchsichtig zu werden, wachsen jedoch etwas langsamer und sind teurer.

» Wenn Gärten an ihre Grenzen kommen

Manch ein überforderter Heckengärtner hat beim Anblick unserer Schmalspurhecken schon neue Hoffnung geschöpft. „Meine Hecke wird jetzt auch gestutzt.“ Ich kann dann aber nur warnen: Lebensbaumhecken, die zu breit geworden sind, können nicht einfach ins kahle Holz zurückgeschnitten werden. Sie treiben nicht mehr aus. Die Eibe dagegen kann das. Sie begrünt sich, auch bei rigorosem Rückschnitt, aus dem alten Holz. Ich schneide meine Hecken konisch, unten breiter, oben schmal. Sie sind maximal zwei Meter hoch. Das reicht, um die Köpfe der Nachbarn nicht immer sehen zu müssen, und ich kann sie immer noch ohne Leiter schneiden. Hecken sorgen durchaus aber auch für Dispute. Ich staunte jedenfalls nicht schlecht, als meine Nachbarin meinte, sie sei so viele Jahre in Berlin „eingemauert“ gewesen und nun blicke sie hier wieder auf eine Mauer, wenn auch auf eine grüne. So schnitt ich großzügige Wellen in meine Hecke. Das war’s!

Zufrieden schmunzeln die Nachbarin von der einen und meine Besucher von der anderen Seite über den Einfall. Und mir gefällt’s auch. Später sah ich, dass der bekannte Gartengestalter Piet Oudolf in Hummelo diese „Wogen-Hecke“ schon vor mir erfunden hat. Na bitte! Und als ein Gartenbesucher immer noch meinte, es sei „egoistisch“, den Garten hinter Hecken zu verstecken, musste ich lachen: Privatsphäre ist auch mal ganz schön.
Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei "Karl Foerster" in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen. Mehr über den Karl-Foerster-Garten erfahren Sie im PotsdamWiki.

ANZEIGE

Newsletter-Anmeldung

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Das Ratgebermagazin für Gartenliebhaber. Jeden Monat neu mit einer Vielzahl Tipps und Ratschlägen für den Zier- und Nutzgarten, mit Gestaltungsideen, Trends und Neuheiten rund um das Hobby Garten. Dazu wunderschöne Fotos aus liebevoll angelegten Privatgärten.

Editorial lesen Abonnieren

Aktuelle Ausgabe

ANZEIGE

ANZEIGE

GartenFlora Shop

ANZEIGE

Folgen Sie uns auf Facebook    Folgen Sie uns auf Twitter

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr