Der Natternkopf

Gewöhnlicher Natternkopf

Bei Schlangenbissen fand der Gewöhnliche Natternkopf früher Verwendung. Auch die Staubgefäße, die ähnlich einer Schlangenzunge aus den Blüten hängen, trugen zum Namen bei.

Wenn die Blumen-Insel Madeira eine einzige, ganz bestimmte Pflanze zu ihrem Stolz erhebt, muss das Gewächs schon etwas zu bieten haben. Und tatsächlich: Wer den Pride of Madeira (oder eben Stolz von Madeira) schon einmal in Natura bewundern durfte, wird den Anblick nicht vergessen. Bis zu 2,5 m hoch wächst das stattliche Gewächs, geschmückt mit 30 cm langen, leuchtend blauen Blütenzylindern und fast ebenso langen, wirtelig angeordneten Blättern. Ursprünglich war diese in Fachkreisen als Echium candicans (oder E. fastuosum) bekannte Art auf Madeira endemisch, kam also ausschließlich auf diesem kleinen atlantischen Eiland vor. Mittlerweile schmückt sie Parkanlagen und Gärten im ganzen Mittelmeergebiet, wo sie als mehrjähriger Halbstrauch ganzjährig draußen bleibt. Bei uns gedeiht sie – dann ein bisschen weniger stattlich – gut im Kübel und schmückt den ganzen Sommer über Terrassen oder Beete, in denen ab Anfang Mai noch Lücken zu schließen sind. Entsprechend seiner subtropischen Heimat ist der Stolz von Madeira bei uns nicht winterhart. Er ist immergrün und möchte daher auch im Winter hell, bei 5 bis 10 Grad (maximal bis 15 Grad) stehen. Ein ungeheizter Wintergarten oder zur Not auch ein kühles Treppenhaus bieten sich dazu an.

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Echium russicumNatürlich ist es immer etwas heikel, teures Geld in eine prächtige Kübelpflanze zu investieren, die nicht leicht über den Winter kommt. Doch das ist bei Echium candicans auch gar nicht nötig: Zwar kann er als ausgewachsenes, blühfähiges Exemplar im 7 l-Kübel erworben werden. Doch er lässt sich auch unvergleichlich günstiger aus Samen ziehen: Die Anzucht ist einfach und bereits im zweiten, spätestens im dritten Jahr ist mit den prachtvollen Blütenkandelabern zu rechnen! Im Versandhandel ist ein Dutzend Samen für etwa zwei Euro erhältlich – da kann man die Kultur doch einfach mal ausprobieren. In milden Wintern haben Sie auch ohne ideales Winterquartier gute Chancen, ihn durchzukriegen. Übrigens: Trotz seiner behaarten Blätter, die eine gewisse Trockenresistenz vortäuschen, ist der Stolz von Madeira ein richtiger „Säufer“, der an warmen Sommertagen mehrere Liter Wasser verbraucht. Er darf nie austrocknen, aber auch nicht staunass stehen. Ansonsten ist er pflegeleicht, muss nicht geschnitten werden, wird so gut wie nie von Schädlingen heimgesucht und ist mit etwas handelsüblichem Flüssigdünger im Sommer (ca. zwei Gaben monatlich zwischen April und September) völlig zufrieden. Neben dem Stolz von Madeira gibt es noch andere, weit weniger bekannte Arten von den Kanarischen Inseln, die sich ebenfalls binnen Kurzem aus Samen zu imposanten, zwei Meter hohen Hinguckern entwickeln. Darunter die hellblau blühenden Echium pininana und Echium webbii, sowie der rot blühende Diamant-Natternkopf (Echium wildpretii).

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Echium vulgareWer nun auf das allherbstliche Kübelräumen ins Winterquartier keine Lust hat, muss auf die blauen oder dunkelroten Blütenkerzen trotzdem nicht verzichten. Es gibt kleinere, dafür aber frostharte Arten, wie den einheimischen Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare). Als Pionierpflanze besiedelt er karge Böschungen oder Bahndämme und trotzt brütender Hitze und Trockenheit. Auch im Garten kommt er auf durchlässigen, humusarmen Standorten wie im Kiesgarten bestens zurecht, entwickelt sich aber auch im nährstoffreicheren Beet zu einer bis 80 cm hohen, von Juni bis September dauerblühenden Pflanze. Je besser versorgt der Boden ist, desto kurzlebiger ist er allerdings, so dass er häufig nach der Blüte im zweiten Jahr abstirbt. Selbstaussaat sorgt aber für seinen Fortbestand. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem nur etwas kleineren Russischen Natternkopf (Echium russicum), der wunderschön dunkelweinrot blüht. Er ist nicht ganz so wüchsig und üppig wie sein blauer Verwandter, daher sollten es pro Quadratmeter schon fünf Pflanzen sein, um eine gute Wirkung zu erzielen. Wie alle Natternköpfe lässt auch er sich gut aus Samen ziehen, unbedingt geraten wird aber zur Direktsaat, da die Sämlinge nur ungern verpflanzt werden. Schöne Pflanzpartner sind zum Beispiel gelbe Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana ssp. nicicana) oder Habichtskraut (Hieracium).

Pride of MadeiraAn dem scheinbar ewig währenden Flor erfreuen sich nicht nur Gärtner, sondern auch ganze Scharen von Schmetterlingen, Hummeln und Bienen, die von dem überreich fließenden Nektar gar nicht genug bekommen. Würden die nützlichen Bestäuber eine Hitliste aufstellen – die Natternköpfe würden stets die ersten Plätze belegen. Und so kann ihnen auch der Balkongärtner unter die Flügel greifen: Der Wegerichblättrige Natternkopf (Echium plantagineum), der meist als Sorte ‘Blue Bedder’ gehandelt wird, passt mit 45 cm Wuchshöhe bestens in kleinere Töpfe und Kästen. Bei Frühjahrsaussaat im März/April blüht er zuverlässig etwa 12 Wochen später von Juni bis September. Wer mag, kann sich aber auch jetzt noch Saatgut bestellen, das dann im Herbst in die Erde kommt. Die Sämlinge dieser Spätsaat überwintern und blühen im nächsten Jahr schon zeitig im Frühling. Auch im Vordergrund des Staudenbeetes macht sich ‘Blue Bedder’ sehr schön. Zuweilen ist sogar Saatgut der weißblühenden Form ‘White Bedder’ erhältlich, die dann mit so ziemlich jeder anderen Pflanzenfarbe kombiniert werden kann. So scheinen die vielfältigen Natternköpfe doch eine Truppe für jede Gelegenheit zu sein. Warum nur sind sie bisher so selten in unseren Gärten zu finden?
Kerstin Ackermann

Farbumschwung

Beim Gewöhnlichen Natternkopf verfärben sich die Blüten, ebenso wie beim verwandten Lungenkraut, von Rosa nach Blau. Der Grund: In der jungen rosafarbenen Blüte ist noch reichlich Pollen zu finden, der von den Bienen gesammelt wird. Ist die Blüte ausgebeutet, zeigt sie durch die Farbänderung: „Nichts mehr zu holen.“ Obwohl: Nektar fließt auch im blauen Flor noch reichlich.

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