Carex – das verkannte Gras

Themen: Carex, Gräser
Carex montana

Winterzauber an einem frostigen Morgen. Reif bedeckt goldbraunes Herbstlaub von Carex montana. Es ist eine für den Garten wertvolle einheimische Art.

Warum eigentlich kommt mir beim Anblick meiner Fuchsroten Segge immer die Geschichte vom Struwwelpeter in den Sinn? Den Peter mit dem Strubbelhaar mochte doch keiner. Doch diese Segge, Carex buchananii, ist mir längst ans Herz gewachsen. Weil sie mit ihren ganzjährig rotbraunen Halmen in Sonne und Sand unerschütterlich die Stellung hält. Und obwohl sie mich fast im Übermaß mit Sämlingen beschenkt. Doch sie tauchen immer da auf, wo sie richtig gut aussehen, mitten im silberlaubigen Wollziest, zwischen den purpurblättrigen Heuchera und neuerdings sogar im Kiesstreifen am Haus. An diesen Plätzen überstehen sie vermutlich auch kältere Winter, denn guter Wasserabzug ist im kiesigen Sand gesichert. Beflügelt von der exklusiven Wirkung und der unerwarteten Treue des Grases ist die anfängliche Skepsis längst neugieriger Experimentierfreude gewichen. Eine weitere bronzefarbene Neuseeland-Segge, Carex comans ‘Bronze Form’, hielt im Garten Einzug. Wie es aussieht, ist auch ihre Ausdauer besser als man ihr nachsagt, der Sämlingswurf allerdings ebenfalls. Ein trockener Standort scheint die Winterhärte dieser sonnenliebenden Seggen deutlich zu verbessern. Doch so kennen wir es von anderen Wackelkandidaten unter den Gräsern auch.

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Carex elata Bowles GoldenDie meisten hierzulande erhältlichen Seggen sind jedoch völlig frosthart. Weit interessanter noch ist die Tatsache, dass man für fast jeden Standort im Garten, ob sonnig oder schattig, trocken, feucht oder sogar sumpfig, für Gräserrabatte, Blumenbeet und für Pflanzgefäße auf der Terrasse oder dem Balkon passende Arten findet. Die Staudengärtner haben den besonderen Gartenwert der Seggen längst erkannt und nehmen immer neue Arten ins Sortiment. Und schon sind wir nicht mehr auf das starke Dutzend Klassiker angewiesen, die der visionäre Staudenzüchter Karl Foerster vor über einem halben Jahrhundert schon empfahl: die äußerst anpassungsfähige Morgenstern-Segge, die er gern mit kleinblättrigen Funkien umgab, die vitale Weißbunte Japan-Segge, Carex morrowii ‘Variegata’, zum Aufhellen tiefster Schattenpartien, oder die malerisch wachsende Riesen-Segge, Carex pendula, als Akzent für den Uferrand.

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Carex caryophyllaDie neuen rotlaubigen Formen, meist aus Neuseeland stammend, entwickeln an Sonnenplätzen die schönste Halmfärbung. Weitaus mehr Arten allerdings zieht es an die Standorte, wo sich viele andere Pflanzen schwertun: in die etwas schattigeren Bereiche, wo sie selbst vor dem Wurzeldruck von Gehölzen nicht kapitulieren. Wer wünscht sich nicht genau dort ein paar sonnige Streiflichter? Genau so wirken die schönen gelblaubigen Carex- Formen: allen voran die Steife Segge, Carex elata ‘Bowles Golden’, nicht weniger wirkungsvoll die Palmwedel-Segge, Carex muskingumensis, die mit 70 cm Höhe schon zu den größeren Arten zählen. Auch die Vogelfuß-Segge, Carex ornithopoda ‘Variegata’, mit cremeweißen, grün gerandeten Blättern und die Weißrandige Segge, Carex foliosissima ‘Icedance’ gehören in diese Aufzählung. Pflege brauchen einmal etablierte Seggen kaum. Einige Arten haben scharfkantige Blätter, deshalb trägt man beim Pflanzen (immer im Frühjahr) und beim jährlichen „Auskämmen“ der alten Halme mit den Fingern am besten Handschuhe. Lediglich die sommergrünen Arten schneidet man im zeitigen Frühjahr bodennah zurück.

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Die richtige Segge für jeden Gartenplatz

• Etwas schattig und feucht: Carex morrowii ‘Variegata’, Carex elata ‘Bowles Golden’. Zuverlässige Bodendecker sind: Carex foliosissima ‘Icedance’ und ‘Irish Green’, die Breitblatt-Segge, Carex plantaginea, und die Pilzkopf- Segge, Carex caryophyllea ‘The Beatles’.
• Im flachen Wasser und am Uferrand gedeihen: die Morgensternsegge, Carex grayi, die Riesen-Segge, Carex pendula mit überhängenden Halmen.
• Sonnenplätze bevorzugen die aus Neuseeland stammenden Arten: Carex buchananii, Carex comans, Carex testacea.

Die etwas anderen Gräser

Seggen haben dreikantige Halme, sie gehören zu den sogenannten Ried- oder Sauergräsern (Cyperaceae). Die meisten Garten- und Rasengräser, Bambus und unsere Getreidearten haben knotige, runde Halme und bilden die Gemeinschaft der Echten Gräser (Poaceae), auch Süßgräser genannt.

Elegantes Seggen-Trio

Seggen, GartenFlora ShopDrei schöne Seggen im Kurzporträt:

• Die Neuseeland-Segge (Carex testacea) besitzt eine typisch orangebraune Blattfärbung und dichte Horste aus haarfeinem, bogig überhängendem Laub. Zum Ausfärben braucht die immergrüne Schönheit einen feuchten, jedoch durchlässigen Standort in voller Sonne, ansonsten bleibt sie olivfarben. Ratsam ist eine Frühjahrspflanzung sowie in rauen Lagen ein leichter Winterschutz.
• Die Stachel-Segge (Carex spicata) erhielt ihren Namen aufgrund der stachelig wirkenden Fruchtstände, denn ihre Ährchen spreizen sich zur Fruchtzeit stark ab. Sie bevorzugt nährstoffreiche, frische und lehmige Böden im Halbschatten.
• Die Weißbunte Teppich-Japan-Segge
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