Eine der vielen Primelarten: Echte Schlüsselblumen (P. veris), wegen der Form ihres Blütenstands auch Himmelsschlüssel genannt, leuchten aus dem blauen Blütenmeer des Kaukasus-Vergissmeinnichts (Brunnera macrophylla).

Primelarten: Primeln neu entdeckt

Es gibt viele Primelarten und es lohnt sich ihre hübsche Verwandtschaft zu kennen.  So zaubern bunte Kissen-Primeln den Frühling auf Fensterbänke und in Vorgärten. Mit vielfältigen Blütenformen und -farben machen Primeln Lust auf immer neue Gestaltungs-Ideen – ob im Beet oder im Topf.

Primelarten: Kissen-Primeln und ihre wilden Verwandten

Hurra – der Winter geht, der Frühling kommt! Jetzt sehnen wir uns nach buntem Farbenreigen. Wie gut, dass nun fröhliche Kissen-Primeln (Primula acaulis, Syn. P. vulgaris) mit ihrer regenbogengleichen Farbpalette allerorten angeboten werden! Denn ihre großen, fünfzähligen Blüten leuchten uns von Fensterbänken entgegen oder versammeln sich zum fröhlichen Willkommensgruß in Haustürnähe.

Die Fülle anderer Primel-Arten, ihre Formen- und Farbenvielfalt sind dagegen eher unbekannt. Dabei sind viele der mehr als 500 Primel-Wildarten gartenwürdige Gesellen – oder wurden es dank fleißiger Züchter. Über die gesamte Nordhalbkugel sind wilde Primeln verbreitet, etwa die Hälfte aller Arten wächst in China. So mannigfaltig ihre Verbreitung ist, so verschieden sind auch ihre Ansprüche an den Standort.

Himmelsschlüssel und Schlüsselblumen

Die heimischen „Himmelsschlüssel“ öffnen unsere Herzen, wenn sie mit der Frühlingssonne ihre gelb leuchtenden Blüten entfalten. Nicht diese nette Eigenschaft, sondern die schlüsselbundartige Form des Blütenstands verhalf ihnen zum deutschen Namen. Echte Schlüsselblumen (Primula veris) zeigen beim Erblühen ihre fünf orangeroten Saftmale. Sie gedeihen auf kalkhaltigen, stickstoffarmen Wiesen.

Hohe Schlüsselblumen (P. elatior) besitzen etwas größere, hellere Blüten mit goldgelbem Schlund. Sie wachsen auf lockerem Lehmboden mit reichlich Humusauflage in lichten Laubwäldern. Leider trifft man beide Arten kaum noch in der Natur an. Ein Grund mehr, sie mitsamt ihrer reizvollen Verwandtschaft in den Garten oder auf Balkon und Terrasse zu holen!

Primelarten für Töpfe und für den Garten

Mit Primeln kommen Topfgärtner voll auf ihre Kosten. Nostalgisch wirkende Juwele wie zart bepuderte Aurikeln (P. x pubscens), üppige gefüllte Primeln, duftende gesäumte Primeln oder blühgewaltige Becher-Primeln (P. obconica) lassen sich in Gefäßen und auf Etageren charmant in Szene setzen.

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Warnung: Am besten Handeschuhe tragen!

Beim Hantieren und Arrangieren mit Primeln, besonders mit Becher-Primeln, ist Vorsicht geboten: Der enthaltene Giftstoff Primin kann bei Kontakt zu Juckreiz oder Blasen auf der Haut führen („Primel-Dermatitis“). Also tragen Sie am besten Handschuhe!

Primelarten mit etagenförmigen Blütenständen

Im Garten kommt die Primel-Pracht etagenförmiger Blütenstände besonders schön entlang der Ufersäume eines Bachlaufs oder Gartenteiches zur Geltung. Die Kandelaber-Primel (Primula x bullesiana) entstand aus den beiden Elternarten Primula beesiana und Primula bulleyana. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: etwa 40 cm hohe, reichblühende Blütenstockwerke mit Farbtönen von Gelb, Orange, Apricot bis hin zu Violett. Ihr ähnelt Primula japonica mit den Auslesen im Weiß- und Rotspektrum. Beide zählen nicht zu den Jahresersten wie Himmelsschlüssel oder Kissen-Primeln, sondern erblühen nach spätem Austrieb ab Mai/Juni bis in die Sommermonate hinein.

Weitere Primelarten für die Wassernähe

Ebenfalls gerne in Wassernähe gedeiht die Rosen-Primel (P. rosea), die schon ab März ihre rosaroten Blüten aus den noch kahlen Pflanzungen schiebt. Kurz darauf demonstriert die Kugel-Primel (P. denticulata) den Formenreichtum der Gattung: Kugelrunde, purpurfarben-violette, bei der Sorte ‘Alba’ auch weiße Blüten auf kräftigen Stängeln sprießen aus humos-frischem Boden. Ähnliche Standort-Vorlieben hegt die schlankblütige Orchideen-Primel (P. vialii,  im Bild oben). Ihre zweifarbigen Blütenkerzen, die aus halbschattigen, humosen bis anmoorigen Gartenpartien herausleuchten, könnte man fast für eine Knabenkraut-Orchidee halten!

Pflanzenportrait – Becherprimel