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Aurikeln Alte Gartenschätze neu entdeckt

Aurikeln (Primula x auricula) waren lange Zeit in Vergessenheit geraten. Die nostalgischen Primeln mit den prächtigen Blüten und dem genügsamen Charakter haben jedoch wieder viele Fans. Dank der Arbeit leidenschaftlicher Züchter*innen wächst die beträchtliche Sortenvielfalt stetig weiter.

Edle Primeln mit Tradition

Bereits im 16. Jahrhundert waren Aurikeln beim europäischen Adel sehr beliebt und Dichter wie Rilke und Goethe erwähnten später die Blütenschönheiten in ihren Werken. Heutzutage schätzen viele den Vintage-Look der kleinen, aber feinen Stauden. Auch die Sammelleidenschaft und Präsentierlust ist bei manchen schnell geweckt.

Aurikeln in Violett. Foto:iStock_Nadanka
Aurikeln in Violett. Foto:iStock_Nadanka

Große Sortenvielfalt

Die aufsehenerregenden Blüten und der feine Duft machen die Aurikel zu einer wertvollen Topf- und Gartenpflanze. Die Ursprungshybride ist in der Natur aus der gelb blühenden Alpen-Aurikel (Primula auricula) und der rosa blühenden Behaarten Primel (Primula hirsuta) entstanden. Auch wenn die botanischen Namen oft unterschiedlich ausfallen (Primula x auricula, Primula x pubescens, Primula Hortensis-Hybriden, Primula auricula hort.), handelt es sich stets um Kreuzungen, die als Aurikeln bezeichnet werden.

In Bezug auf die Blütenfarben und -formen existiert mittlerweile eine überwältigende Sortenvielfalt:

  • Die Schau-Aurikeln, Alpinaurikeln und Gefüllten Aurikeln wecken die Sammler- und Präsentierleidenschaft und sind für die Topfkultur geradezu prädestiniert. Sie verzaubern mit ungewöhnlichen Farbkombinationen, makellosen Blütenformen und oft mit einer aparten Bemehlung. Schau-Aurikeln sind wahre Diven, die etwas Fingerspitzengefühl erfordern. Von den Kennern werden sie weiter in „Einfarbige“, „Gerandete“, „Fancies“ und „Gestreifte“ unterteilt. Topf-Aurikeln werden gerne in einer überdachten Holzetagere, dem klassischen „Aurikeltheater“, zur Schau gestellt.
  • Garten-Aurikeln sind vergleichsweise harte Gesellen. Im Steingarten und überall dort, wo sie nicht überwachsen werden, bilden sie prächtige Teppiche. Aber natürlich geben sie auch in Töpfen eine gute Figur ab und lassen sich so zur Blütezeit leicht in Szene setzen. Sie sind relativ starkwüchsig und kommen sowohl mit bemehlten als auch unbemehlten Blüten daher.
Aurikelpräsentation im "Theater". Foto: iStock_AtWaG
Aurikelpräsentation im „Theater“. Foto: iStock_AtWaG

Wuchs und Aussehen

Aurikeln haben dickfleischige, glatte, wintergrüne Blätter, die in einer Rosette angeordnet sind. Aus ihr erheben sich etwa 20 Zentimeter lange Blütenstängel, an deren Ende die in Dolden zusammenstehenden Blüten ihre Pracht entfalten. Das Zentrum (der Schlund) der Blüten ist häufig gelb. Darüber präsentiert sich oft ein mehr oder weniger stark bemehlter, heller Ring. Schau-Aurikeln bestechen sogar mit Blüten in reinem Schwarz, und manche Sorten tragen ungewöhnliche grüne Blütenblätter.

Gepuderte Aurikeln

Charakteristisch für viele Aurikeln ist eine weiße „Puderschicht“, die auf den Laub- und Blütenblättern zu finden ist. Diese „Farina“ (lat. für Mehl) bildet sich aus feinen Wachshärchen und schützt die Pflanze vor Verdunstung . Sie verleiht den Primeln einen besonderen Zierwert, macht sie aber auch etwas empfindlich. Schau-Aurikeln sollten Sie daher in der Blütezeit unter einem Dach platzieren, damit keine Wassertropfen auf die Blütenblätter kommen.

Standortbedingungen und Substrat

Eine robuste Garten-Aurikel. Foto: iStock_Nadanka
Eine robuste Garten-Aurikel. Foto: iStock_Nadanka

Die Primelgewächse mögen einen luftigen, halbschattigen Standort. Aurikeln, die nicht ausgepflanzt werden, sind mit ihren Pfahlwurzeln in hohen, schlanken Tontöpfen (mit etwa 12 Zentimeter Durchmesser und 20 Zentimeter Höhe) gut aufgehoben. Achten Sie auf eine gute Drainage! Stehen die Pflanzen zu nass, faulen ihre Wurzeln schnell. Sorten mit einer ausgeprägten Bemehlung der Blüten sollten Sie zudem vor Regen schützen.

Empfehlenswert ist ein nährstoffarmes, lockeres Substrat, das einen gewissen mineralischen Anteil enthält (im Verhältnis 3:1). Mischen Sie bei Bedarf etwas Perlit, feinen Blähton und Kokossubstrat unter die Pflanzerde. Diese Zusätze haben auch die Fähigkeit, Wasser zu speichern, so dass die Gießhäufigkeit etwas reduziert werden kann. Ebenfalls gut bewährt hat sich die Verwendung von reifem Kompost, der mit Sand und Perlit versetzt wird. Im Handel ist auch eine spezielle Aurikelerde erhältlich.

Manche Sorten fügen sich auch wunderbar in einen Steingarten oder in Beete ein. Dort sollten Sie sie vor Winternässe gut schützen – achten Sie also auf einen Boden mit einem guten Wasserabfluss. Ist die Erde am gewünschten Standort nicht ideal (lehmig und schwer), so wird Sand oder Splitt untergemischt. Der pH-Wert liegt idealerweise im neutralen bis leicht basischen Bereich.

Aurikeln pflanzen und pflegen

Aurikeln blühen von Anfang April bis Mitte Mai, die beste Pflanzzeit ist im frühen Herbst. Bei der richtigen Pflege bereiten sie viele Sommer lang Freude und können durch Teilung sogar selbst vermehrt werden. Die Primeln sind durch ihre alpine Herkunft absolut winterhart.

Gießen Sie eine Aurikel regelmäßig, aber erst dann, wenn der Wurzelballen gut abgetrocknet ist. Die Pflanze benötigt nur wenig Dünger. Bei der Topfhaltung reicht es aus, wenn Sie in der Wachstumszeit zwei- bis dreimal einen Flüssigdünger verabreichen – die letzte Gabe erfolgt bis Ende August. Zupfen Sie Verblühtes regelmäßig heraus. Nach der Blüte oder im Spätsommer sollten Sie Ihre Pflanze umtopfen und ihr ein größeres Pflanzgefäß spendieren. Dabei können Sie auch die an Rosette gebildeten Ableger abnehmen und gesondert eintopfen.

Garten-Aurikeln benötigen in der Regel keine zusätzlichen Nährstoffgaben. Wird zu viel Dünger ausgebracht, vor allem zu viel Stickstoff, können sie sogar blühfaul werden. Alle zwei bis drei Jahre sollten die Stauden geteilt werden – auf diese Weise bleibt die Vitalität erhalten. Achten Sie auf gefräßige Schnecken! Zur Abwehr können Sie etwas scharfen Splitt in Pflanzennähe ausbringen.

Aurikeln vermehren

Sortenreine Nachkommen erhalten Sie ausschließlich auf vegetativem Weg, also durch Ableger, die nach der Blüte von der Mutterpflanze vorsichtig abgenommen werden.

Überwintern

Aurikeln schätzen die Kälte – ist der Standort im Winter zu warm, kann sogar die Blüte ausfallen. Topf-Aurikeln können leicht im Außenbereich überwintern, sofern sie nicht heftigen Kahlfrösten und Regen ausgesetzt werden. Ein gefrorener Topfballen ist meist kein Problem, wenn das Substrat recht trocken ist. Ideal ist zum Beispiel eine überdachte, halbschattige Terrasse. Auch ein kaltes Gewächshaus ist für die Überwinterung geeignet. Wichtig ist, dass der Standort in der kalten Jahreszeit hell ausfällt, da Aurikeln immergrün sind. Behalten Sie Ihre Pflänzchen im Winter stets im Auge, denn sie sollten auch dann niemals völlig austrocknen.

Krankheiten und Schädlinge

Wurzelläuse erkennen Sie an den kleinen, weißen, watteartigen Gebilden am Wurzelhals und den Wurzeln der Pflanze beziehungsweise an den weißen Flecken im Topfinneren. Bei einem Befall können Sie die Erde komplett austauschen und die Wurzeln mit einem harten Strahl abbrausen. Vorbeugend sollten Sie die Erde stets ausreichend feucht und locker halten.

Spinnmilben sind gefährliche Schädlinge im Winter. Kleine, rote Punkte sind oft zuerst an der Blattunterseite zu erkennen. Sie verursachen fleckige, gelblich-braune, gepunktete Blätter, die schließlich absterben. Bei Spinnmilben sind zum Beispiel rapsölhaltige Pflanzenschutzmittel wirksam, auch ein Abbrausen der Pflanze kann hilfreich sein.

Dickmaulrüssler richten ebenfalls viel Schaden an. Achten Sie auf verräterische Knabbereien am Laub („Buchtenfraß“) oder ziehen Sie regelmäßig an den Pflanzen. Sind ihre Wurzeln geschädigt, lassen sie sich leicht anheben. Bei einem Befall mit dem Rüsselkäfer ist es ratsam, die Erde auszutauschen. Auch der Einsatz von Fallen oder Nematoden hat sich bewährt.

SABINE FAASS

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