Nicht nur die Blüten der Küchenschelle sind schön, sondern auch die seidigen, fedrigen Samen. Foto: GartenFlora

Die Küchenschelle – eine Frühlingsstaude zum Verlieben

Die Küchenschelle ist eine zeitig im Jahr blühende Staude, die farbenfroh den Frühling ankündigt. Manche einer hat sich schon in diese kleine Frühlingsblume verliebt. Sie ist unter verschiedenen Namen im deutschsprachigen Raum bekannt, unter anderem als Kuhschelle und Pelzanemone.

Die Bezeichnung „Kuhschelle“ bezieht sich auf die hübschen Glockenblüten. Wenn sie sich noch nicht ganz geöffnet haben, erinnern sie an die Schellen oder Glocken von Almkühen. Auch der Name „Küchenschelle“ geht darauf zurück: Er hat nichts mit der Küche zu tun, sondern mit kleinen Kühen, also mit Küh-chen.

Die Langlebigkeit in den Genen

blühende Küchenschelle
Die silbrige Behaarung lässt die Küchenschelle im Frühlingslicht geradezu leuchten. Foto: GartenFlora

Botanisch ist die Küchenschelle (Pulsatilla) mit den Anemonen eng verwandt. Noch vor 50 Jahren zählte man sie zu den Anemonen. Knapp 40 Arten sind bekannt, von denen die meisten aber Experten und Liebhabern vorbehalten bleiben. Die Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) gilt als genügsame und vergleichsweise robuste Staude. Andere Pulsatilla-Arten hingegen sind oft eigenwillig und schwieriger zu halten.

Die Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) wird manchmal auch als Gemeine Küchenschelle bezeichnet. Das Wort „gemein“, das in vielen deutschen Pflanzennamen auftaucht, hat heutzutage häufig einen negativen Beigeschmack. Früher stand es für gemeinschaftlich oder allgemein. Es taucht oft in den Namen von heimischen Pflanzen auf, die weitverbreitet beziehungsweise allgemein häufig zu finden waren.

Küchenschellen sind auch nach der Blüte schön

Küchenschelle mit violetter Blüte und kontrastreichen gelben Staubgefäßen
Die gelben Staubgefäße sind ein schöner Kontrast zu den violetten Blütenblättern der Küchenschelle. Foto: iVerde

Die nur etwa 20 Zentimeter hohen Kuhschellen sind charmante, liebenswerte Frühblüher, die je nach Region von März bis April blühen: Die violetten Glockenblüten der Wildart haben kontrastreiche gelbe Staubblätter und wachsen erst aufrecht, dann überhängend an leicht bogig geneigten Stängeln.

Die Küchenschelle hat stark gefiederte Blätter und blüht schon zu einer Zeit, in der nur wenige andere Stauden ihre Blüten geöffnet haben. Diese frühe Blütezeit macht sie zu einer wichtigen pollen- und nektarreichen Bienennährpflanze. Die für diese Pflanze typische feine, silbrigweiße Behaarung mancher Blätter ist übrigens ein effizienter Verdunstungsschutz.

Für den Garten sind neben der violettblühenden Art auch weiß- und rotblühende Varianten erhältlich. Selbst im verblühten Zustand brauchen sich die Küchenschellen nicht zu verstecken: Ihre Samenstände fallen auf. Jedes der Nussfrüchtchen trägt einen zottig behaarten Federschweif. Dieser hilft dabei, dass sich die kleinen Samen durch den Wind gut verbreiten und neue Standorte erobern.

Küchenschellen sind generell überaus treue, langlebige Gartengefährten. Wenn sie an einer geeigneten Stelle wachsen, können Sie sich über Jahrzehnte an diesen Stauden erfreuen. Es sind pflegeleichte Pflanzen, die von Krankheiten und Schädlingen verschont bleiben und von Jahr zu Jahr blühfreudiger werden, wenn ihnen der Standort zusagt.

Sie dürfen nur nicht den Fehler machen, sie häufig umzupflanzen. Küchenschellen bilden tiefe Wurzeln aus, die Verletzungen lange nachwirken.

Küchenschellen vermehren

Samen der Kuhschelle mit fein behaartem Federschweif
Die Samen der Küchenschelle tragen einen fein behaarten Federschweif. Foto: GartenFlora

Die Gewöhnliche Küchenschelle ist die am einfachsten zu kultivierende Pulsatilla-Art. Ihr entsprangen viele Züchtungen wie die formen- und farbenreiche Sorte ‘Papageno’ und die ‘Röde Klokke’. Das Farbspektrum der Küchenschellen reicht von Weiß über Rosa und Rot bis ins tiefe Schwarzviolett.

Die Aussaat ist die erfolgversprechendste Vermehrungsmethode. Samen bieten zudem den Vorteil, dass Mutter Natur eingreift und zufällig neue Formen entstehen. Man kann natürlich auch mit dem Wattestäbchen nachhelfen und gezielt bestäuben. Das allerdings kostet viel Zeit.

Die Samen brauchen einen Kältereiz

Küchenschellen sind typische Kaltkeimer. Sie haben seidige, fedrige Samen, die sich weich und kuschelig anfühlen. Die Aussaat kann um Weihnachten herum erfolgen und die Aussaattöpfe kommen dann direkt ins Freiland. Oftmals bleibt es zu der Zeit noch einige Tage warm, bevor die Temperaturen fallen und die Samen ihren Kältereiz erhalten. Wer Glück hat, kann sich im Frühling über kleine Sämlinge freuen.

Mit dem Umpflanzen in tiefe Pflanztöpfe sollte nicht zu lange gewartet werden, denn nur junge Küchenschellen erholen sich von Wurzelverletzungen. Dann dauert es noch mindestens ein Jahr und einige Mühe, bis die Pflanzen mit ersten Blüten aufwarten.

Was sind Kaltkeimer?

Die Samen einiger Stauden wie Küchenschelle, Enzian und Christrose benötigen zunächst eine Kühlphase von vier bis acht Wochen bei 0–5 °C, um keimen zu können. Man sät sie daher meist schon im Spätherbst oder Winter aus, lässt sie ein bis zwei Wochen im Warmen quellen und stellt sie dann ins Freie. Durch Feuchtigkeit und Kälte werden hier keimhemmende Stoffe in den Samenkörnern abgebaut. Maschendraht schützt sie vor Vogel- und Mäusefraß. Spätester Aussaattermin ist Februar. Je nach Pflanzenart und Witterung kann es jedoch sein, dass die benötigte Kältesumme dann nicht mehr erreicht wird und die Samen erst im folgenden Jahr keimen können.

Küchenschellen pflanzen – der perfekte Platz

Küchenschelle mit fedrigen Samen
Nicht nur die Blüten der Küchenschelle sind schön, sondern auch die seidigen, fedrigen Samen. Foto: GartenFlora

Große Küchenschellenbestände kommen bei uns heute nur noch selten vor. Auch im Garten siedeln sich die Stauden nicht ohne Weiteres an. Setzen Sie die Küchenschellen möglichst gleich an ihren endgültigen Platz. Am besten in die Sonne, dort zeigen sie ihre ganze Blütenpracht, zum Beispiel in einen Stein- oder Steppengarten.

Schattige Lagen hingegen lassen ihr Glockenspiel ermüden. Außerdem bleibt das zum Teil behaarte Blattwerk feucht und der Spross fault. Infolgedessen wird das Immunsystem der Pflanze geschwächt.

Mit einem durchlässigen, tiefgründigen Boden garantieren Sie den Wasserabzug. Ideal ist auch eine erhöhte exponierte Pflanzung, zum Beispiel ein Minihochbeet. Dadurch kann das Wasser seitlich ablaufen und die Blätter trocknen besser ab. Der Boden sollte außerdem kalkhaltig und mager sein.

Tipps zur Küchenschelle: 3 Fragen an Dirk Mann

Der passionierte Botaniker, Gartenfotograf und Fachjournalist Dirk Mann hat seine Leidenschaft für die Botanik den Küchenschellen zu verdanken. Schon in Kindertagen hat er diese Pflanzen mit viel Erfolg aus Samen herangezogen. Er begeistert sich auch heute noch für die Küchenschelle – Pulsatilla vulgaris – und ihre anspruchsvolleren Geschwister.

Versamen sich Küchenschellen wild im Garten?

In der freien Natur tauchen an immer wieder neuen Stellen Küchenschellen auf – dem Wind sei es gedankt, der die zottig behaarten Nüsschen der Pflanzen verbreitet. In Gärten tauchen solche Wildlinge eher selten auf. Ich empfehle Ihnen deshalb, die Samenstände im Spätsommer gezielt an einem Ort auszulegen und leicht mit einer dünnen Schicht Sand zu bedecken. Als Markierung verwende ich den Topfrand eines kaputten Tontopfes, der die Aussaat bis zur Keimung umschließt.

Wie geht man vor, wenn es keine Alternative zum Umpflanzen gibt?

Stechen Sie die Pflanzen im Herbst oder Frühjahr möglichst tief aus, um Wurzelverletzungen so gering wie nur möglich zu halten.

Wo pflanzt man Küchenschellen am besten hin?

Die Stauden können Blumenbeete im Vordergrund bereichern. Gut aufgehoben sind sie in größeren Spalten von Steingärten oder Geröllbeeten. Für die reine Topfkultur eignen sich Küchenschellen nicht dauerhaft.

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Einige Highlight-Themen in der aktuellen Ausgabe sind: „Kein Frühling ohne Tulpen“, „Beete in Gelb und Purpur“, „Begrünte Dächer“, „Ein Frühlingsgarten mitten in der Großstadt“ und „Zu Gast in einem Weltkulturerbe“.

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