Foto: © GartenFlora/Christian Gehler

Flieder schneiden:Anleitung für verschiedene Arten

Flieder ist nicht gleich Flieder. Denn im Deutschen werden zwei Gattungen als Flieder bezeichnet. Die eigentliche Gattung der Flieder (Syringa) und die sogenannten Sommer- oder Schmetterlingsflieder (Buddleja) verbinden zwar ihre rispenförmigen Blüten und deren durchaus ähnlichen Farbvariationen, botanisch gesehen sind sie aber nicht näher verwandt. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Pflegemaßnahmen, zum Beispiel, wie und wann Sie Ihren jeweiligen Flieder schneiden sollten.

Welche Fliederarten gibt es?

Während die Gattung Syringa zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) zählt, ist Buddleja ein Mitglied der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Beide sind beliebte Ziersträucher, die vor allem mit ihrer farbenfrohen Blüte bestechen, welche zusätzlich oft recht wohlduftend sind. Syringa-Arten wachsen meist eher aufrecht, wohingegen sich viele Buddleja-Arten an ihren Triebenden eher leicht nach unten neigen – auch stärker hängende Sommerfliederarten gibt es.

Beliebte Fliederarten und -sorten

  • Gewöhnlicher Flieder (Syringa vulgaris)
  • Edelflieder (Syringa vulgaris Hybr.) 
  • Hybridsorten ‘Charles Joly’, ‘Madame Lemoine’ oder ‘Schöne von Moskau’
  • Chinesischer Zwergflieder (Syringa meyeri): ‘Palibin’
  • Koreanischer Flieder (Syringa patula): ‘Miss Kim’
  • Kleinblättriger Herbstflieder (Syringa microphylla): ‘Superba’
  • Wechselblättriger Sommerflieder (Buddleja alternifolia)
  • Sommerflieder (Buddleja davidii): ‘Empire Blue’, ‘Nanho Purple’, ‘Peace’ oder ‘Royal Red’

 

Flieder schneiden: Syringa-Sorten

So setzen Sie den Schnitt unter der Blüte an. Illustration: © GartenFlora/Klaus-Dieter Röding

Syringa vulgaris

Die Blüten des Gewöhnlichen Flieders sowie der als Edelflieder bezeichneten Hybriden zeigen sich meist ab Anfang Mai. Nach Ende der Blütephase, wenn das meiste schon verwelkt ist, wird der Erhaltungsschnitt angesetzt. Der Schnitt wird hierfür jeweils über dem nächstgelegenen, gegenständigen Knospenpaar gesetzt. Einige der Blütenstände können dabei auch etwas tiefer eingekürzt werden, damit der Flieder schön dicht verzweigt – jedoch immer über zwei gesunden Knospen. Mit dem Schnitt nach der Blüte regen Sie die Blütenbildung für das nächste Jahr an und beugen gleichzeitig der Samenbildung vor, die den Strauch andernfalls unnötig viel Kraft kosten würde.

Manchmal kann ein kräftigerer Rückschnitt nötig werden, wenn der Flieder lange nicht geschnitten wurde oder aus anderen Gründen wenige Verzweigungen gebildet hat. Ein solcher Verjüngungsschnitt sollte im März erfolgen. Nehmen Sie alle Hauptäste um ein gutes Stück zurück – allerdings sollten mindestens etwa 40 Zentimeter stehenbleiben. Totholz oder erkrankte Triebe entfernen Sie großzügig an der Basis. Wenn Sie einen sehr alten Flieder schneiden möchten, empfiehlt es sich, nicht alle großen Äste in einem Jahr einzukürzen, sondern das Ganze über zwei Jahre zu verteilen.

Die vulgaris-Hybriden: Viele der Hybridsorten des Gewöhnlichen Flieder werden bis heute durch Veredelung vermehrt. Das bedeutet, dass eine Pflanze die Wurzeln des Gewöhnlichen Flieders besitzt und lediglich der obere Spross die Eigenschaften der eigentlichen Hybridsorte aufweist. Dabei kommt es während des Sommers oft vor, dass die sogenannte Unterlage der Veredelung, also die vulgaris-Wildart, unterhalb der Veredelungsstelle eigene Triebe bildet. Meist schießen diese steil in die Höhe und man erkennt den Unterschied zur Sorte auf den ersten Blick. Diese Wurzelausläufer lassen sich am effektivsten durch Abreißen entfernen. Mit einem kräftigen Ruck können Sie nämlich den gesamten Trieb mitsamt seiner Basis aus dem Boden holen. Denn bei einer glatten Schnittfläche treiben sie meist fröhlich wieder aus.

Schneiden Sie Syringa vulgaris unbedingt nur direkt nach der Blüte. Die Blütenstände entwickeln sich nämlich an den zweijährigen Trieben. Die Anlage der Blütenknospen geschieht aber bereits im Vorjahr, weshalb sowohl bei einem Rückschnitt im Herbst als auch im Frühjahr die Gefahr besteht, die Blüte zu entfernen. 

 

Flieder schneiden © GartenFlora/Christian Gehler
Syringa microphylla besitzt kleine Blätter und filigrane Triebe. Foto: © GartenFlora/Christian Gehler

Zwergflieder-Arten

Kleinwüchsige Syringa-Arten wie meyeri, patula oder mirophylla bleiben glücklicherweise meist von ganz alleine gut in Form, denn sie wachsen langsam und bilden auch recht viele Verzweigungen. Daher liegt der Fokus eher darauf, dass die Triebe nicht zu eng stehen. Diese Arten haben meist lange Blütezeiten und damit die Blühfreude nicht nachlässt, tut den niedrigwüchsigen Fliederarten ein leichter Auslichtungsschnitt nach der Blüte gut.

Flieder schneiden: Buddleja-Arten

Flieder schneiden © GartenFlora/Klaus-Dieter Röding
Um etwa zwei Drittel darf der Sommerflieder jährlich eingekürzt werden. Illustration: © GartenFlora/Klaus-Dieter Röding

Buddleja davidii

Beim Sommerflieder muss beherzt zur Schere gegriffen werden, damit er nicht mit den Jahren kahl und sparrig wächst. Anders als Syringa blüht der Schmetterlingsflieder an seinem einjährigen Holz, weshalb es in der Regel nicht passieren kann, dass Sie versehentlich Blütenknospen entfernen.

Um diesen Flieder zu schneiden, sollten Sie einen frostfreien Tag im Spätwinter wählen, am besten noch vor dem Austrieb. Beim Rückschnitt ist etwas Mut gefragt, denn alle Triebe aus dem Vorjahr werden auf zwei bis drei Augen zurückgenommen. Ungünstig nach innen wachsende Äste können Sie an der Basis entfernen. Auch bei engstehenden sowie konkurrierenden Trieben dürfen Sie einen der beiden komplett herausnehmen. Übrig bleibt dann tatsächlich nur ein luftiges Gerüst des ehemals üppigen Strauches. Den starken Schnitt benötigt der Flieder aber, um anschließend wieder kräftig zu wachsen und zu blühen. Durch das zusätzliche Auslichten können sich die verbleibenden Triebe optimal entfalten.

Buddleja alternifolia

Foto: © GartenFlora/Christian Gehler

Obwohl sie nicht verwandt sind, haben die Blüten des Wechselblättrigen Sommerflieders eine Gemeinsamkeit mit denen des Gewöhnlichen Flieders: Bei beiden Arten bilden diese sich am zweijährigen Holz. Daher wird auch der Wechselblättrige Sommerflieder ausschließlich direkt nach seiner Blüte geschnitten.

An eigentlich aufrechten Ästen bildet der Wechselblättrige Sommerflieder lange, filigrane und weit überhängende Triebe. Anders als der Schmetterlingsflieder müssen Sie die überhängend-wachsenden Fliederarten nicht stark schneiden. Nach Ende der Blüte, die etwa im Juni beginnt, genügt auch hier ein leichter Auslichtungsschnitt, mit dem Sie etwas Luft ins Strauchinnere bringen.

LUISA ROTH

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