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Hühner im Garten halten:Was man beachten sollte

Zugegeben: Wer seinen Garten mit einem Hahn und sieben Hennen teilen möchte, muss Zäune um Beete spannen und mit Löchern im Rasen rechnen. Dafür schenken sie Halterinnen und Haltern (fast) täglich frische Eier, eine Pause vom stressigen Alltag sowie herzerfrischende Augenblicke.

Hühner im Garten halten: Lohnt sich das?

Dem Traum von der Selbstversorgung kommen Sie ein Stück näher, wenn Sie eigene Hühner im Garten halten. Der Gedanke klingt ganz schön verlockend, oder? Die Geschichten in Magazinen, Blogs und Büchern rund um die gefiederten Freunde faszinieren und machen neugierig. Doch ist es möglich, dem Wunsch nach Selbstversorgung tatsächlich ein kleines Stück näher zu kommen, indem man sich Hühner im Garten hält? Wir sind dieser Frage auf den Grund gegangen.

Das richtige Equipment, um Hühner im Garten zu halten

Die wenigsten „Newcomer“ unter den Hühnerhaltern werden ihren Tieren einen geräumigen Stall oder einen kompletten Garten als Auslauf bieten können. Eine überschaubare Hühnerschar dürfen Sie jedoch auch auf kleineren Grundstücken halten.

Das wichtigste Zubehör im Überblick:

  • Solider, isolierter/wettergeschützter Stall (maximal 3 Hühner/m²)
    Tipp: Praktisch sind Klappen mit automatischen Dämmerungs- oder Zeitschaltern zum Öffnen/Schließen 
  • Stallausstattung: regulierbare Lüftung, Licht oder Fenster, gepolsterte Legenester, ovale Sitzstangen (Menge passend zur Anzahl der Tiere)
    Tipp: Ein ausziehbares Kotbrett hilft beim Stallreinigen 
  • Tränke, Schale für Legemehl/Muschelgrit bzw. Futterspender für Pellets/Getreide 
  • Rundum sicher eingezäuntes, (teil-)überdachtes Gehege mit Versteck- und Sandbadeplätzen, Scharrboden, Ästen oder Stangen zum Aufbaumen (ca. 3 m²/Huhn) 
  • Zumindest temporär: umzäunter Auslauf mit Grünbereich (mind. 10 m²/Huhn), z. B. als Wechselflächen oder optional stabilisiert mit Scharrschutz 
  • Energiezufuhr für Beleuchtung (Stall/Gehege im Winter), optional für Heizung (Tränke, Stall) 

Kleiner Holzstall oder großes Gehege?

Fangen Sie lieber kleiner an und probieren Sie sich aus. Für den Anfang eignen sich zum Beispiel Zwerg-Wyandotten. Sie zählen in Deutschland zu den beliebtesten und am häufigsten verbreiteten Zwerghuhnrassen. Platz finden die Tiere in einem Mini-Holzstall mit Voliere oder Sie denken über einen mobilen Hühnerstall nach. Doch Vorsicht: Auch angeblich für fünf ausgewachsene Großhühner ausgelegte Ställe können je nach Größe der Hühner zu klein daherkommen. Pro Quadratmeter sollte Platz für maximal drei durchschnittlich große Hühner sein. Wird es zu eng, können Sie zusätzlich ein 12 m² großes Gehege kaufen, um die Hühner darin zu halten. Auf diese Weise bekommen die Tiere tagsüber genügend Auslauf. Auch den Garten darf die gefiederte Bande erkunden, dann aber am besten unter Aufsicht. 

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An diesem klassischen Holzstall befindet sich ein Gehege, in dem es genug Auslauf gibt. Foto: AdobeStock_nd700

Der Vorteil älterer und robuster Tiere

Wenn Ihre Hühner entgegen allen Erwartungen kaum scharren oder Pflanzen dezimieren, könnte mit den Tieren gleichzeitig auch die gefürchtete Mareksche Hühnerlähme in den Garten gekommen sein. Ist das so, kann es sein, dass nach und nach alle Tiere erkranken, sodass der Hühnerstall bald verwaist. Sollte Ihnen so ein trauriger Rückschlag widerfahren, wenn Sie zum ersten Mal Hühner im Garten halten, können Ratschläge von Tierärzten und befreundeten Geflügelhaltern helfen, einen zweiten Versuch zu wagen.

Zwerg-Welsumer beispielsweise haben den Ruf, sehr robust zu sein. Mit etwas Glück und bereits etwas älteren Hühnern können so schon bald die ersten Eier gesammelt werden. Es wird endlich im Rasen gescharrt, die Baumscheibe unter dem alten Apfelbaum gewissenhaft auf Insekten untersucht und bei der Erdbeerernte mitgeholfen. Noch besser, wenn sich die Hühner nun auf einer großen Gartenfläche austoben können. Wenn Sie Hühner im Garten halten, die bereits ein paar Jahre alt sind, genügen sogar niedrige Staketenzäunchen um das Gemüsebeet.

Wenn Sie sich sicher genug fühlen, kann auch eine Aufstockung der Zwerg-Welsumer um weitere Hühner derselben Rasse in Betracht gezogen werden. Neben ihrer Robustheit und ihrem freundlichen Charakter schätzen viele ihr schlichtes, rostfarbenes Federkleid sowie die im Verhältnis zum Körpergewicht stattlichen Eier: bis zu 68 Gramm schwere Eier bei 1200 Gramm Huhn!

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Die rostfarbenen Zwerg-Welsumer sind sehr beliebt. Ihre Eier wiegen bis zu 68 Gramm. Foto: AdobeStock_Katrin Friedl

Hühner im Garten halten: Die Futterkosten

Achten Sie beim Futter auf gentechnikfreie Erzeugnisse, sowohl beim Legemehl als auch beim Getreidemix. Das ist zwar teurer, aber Ihre Hühner werden es Ihnen danken. Neben ins Legemehl geriebener Karotte können Sie auch täglich Grünfutter wie Salatreste, Kohlrabigrün aus dem eigenen Garten oder aus dem Bioabfall der Handelsketten reichen.

Vogelmiere, Gras, Samen und Früchte (Fallobst, Beerenobst) suchen sich die Hühner im Garten selbst. Dabei werden nur jene Pflanzen verschont, die rauhaarig (z. B. Rauer Sonnenhut, Borretsch), hartlaubig (Kirschlorbeer) und aromatisch (Zitronenmelisse, Lavendel) sind. Im Gegenzug vertilgen sie Krabbeltiere und deren Larven im Boden, Schnecken (-eier), Mücken und sogar Jungmäuse. Wenn das mal keine Win-Win-Situation ist!

Hühner im Garten halten: Der wintertaugliche Hühnerstall

Ein Hühnerheim gleicht leider häufig eher einer Puppenstube mit acht Millimeter dünnen Wänden und ist damit nicht wintertauglich. Damit die Tiere keine Erfrierungen an Kamm und Kehllappen erleiden, sollten Sie die Innenwände des Stalls daher mit Holzplatten verstärken und eine Wärmelampe für kalte Winternächte hineinhängen. Außerdem können die Tiere in der dunklen Jahreszeit ohne Extra-Beleuchtung oft nicht genügend Futter aufnehmen. Abhilfe schafft ein flackerfreies LED-Licht im Gehege. Um das Einfrieren der Wassertränke zu verhindern, hilft ein Tränkenwärmer, der wie eine Kochplatte funktioniert. Das erfordert allerdings das Verlegen eines Stromkabels sowie einer Verteilersteckdose am Stall. Spätestens jetzt zeigt sich, dass es bei dem Hobby, Hühner im Garten und fernab vom Bauernhof zu halten, so einiges zu beachten gibt!

Vor- und Nachteile der Hahnhaltung

Hähne eignen sich im Besonderen, wenn Halterinnen und Halter eine Nachzucht anstreben. Das ist oft der Fall, sobald ältere Hühner nicht mehr genügend Eier legen. Doch Hähne bereichern auch die Hennenschar. Hat ein Hahn seine Hennen gut im Griff, dürfen Sie sich über ein ausgeglichenes Miteinander freuen. Hühner leben nämlich naturbedingt innerhalb eines Harems, auf einen Hahn kommen also mehrere Hennen. Er warnt und schützt seine Damen mit speziellen Lauten vor Eindringlingen wie beispielsweise Raubvögeln. Außerdem schlichtet er Streit unter den Hennen, sorgt für die Fortpflanzung und kümmert sich um einen geeigneten Nistplatz.

Was vielen nicht bewusst ist: Hennen brauchen gar keinen Hahn, um Eier zu legen.

Es sollten allerdings auch mögliche Probleme mit dem Hahn in Betracht gezogen werden. Beginnt dieser nach einem friedlichen Winter plötzlich zu attackieren, spricht das meistens für den Beginn des „Flegelalters“. Zunächst passiert es vielleicht nur beim Füttern im Gehege, später auch im Garten, wo er Ihnen regelrecht auflauert. Das geht vielen Halterinnen und Haltern zu weit. So erfüllt der Hahn letztmalig seine Aufgabe des Befruchtens, hilft bei der Aufzucht und landet als „Aggro-Hahn“ nach einigem Zaudern im Suppentopf.

Und nicht zu vergessen: Hähne krähen, und zwar nicht nur bei Sonnenaufgang, sondern häufig auch immer wieder über den gesamten Tag verteilt. Ausschließlich bei Nacht legen sie eine Pause ein. Das Krähen dient dabei hauptsächlich als Imponiergehabe. So markieren Hähne ihr Revier, signalisieren ihren möglichen Konkurrenten ihre Kampfbereitschaft und den Hennen, wie stark und wunderbar sie sind.

Küken im Wachstum

Welche Freude, wenn aus zehn eigenen Eiern nach exakt 21 Tagen fidele Minihühner schlüpfen! Ihr rasantes Wachsen und Entwickeln grenzt an ein Wunder: Bei den frisch geschlüpften Küken sieht man noch den Eizahn auf dem Schnabel. Sobald der Dottersack aufgebraucht ist, nehmen sie erstmals Nahrung auf. Nach einer Woche lugen schon Flügel- und Schwanzfederchen aus dem Flaum. Diese werden immer länger und dichter, die kleinen Federbälle zunehmend gefräßiger und agiler. Mit zwei Wochen siedeln sie vom eigens gebauten „Brutkasten“ in den beheizten Kükenstall im Garten um. Nach fünf Wochen beginnen sich die Hähne umzufärben und Kämme zu entwickeln. Mit drei Monaten sind die Küken so groß wie ihre Eltern.

Hühner im Garten halten: Die Spuren

Hühner hinterlassen ihre Spuren im Garten und so wird es nicht selten notwendig, die geliebten Beete zu schützen. Diese lassen sich mit Stauden und Zwiebelblumen einzäunen. Ebenso eignen sich Weidenflechtzäune und Rattanmatten, diese haben den Vorteil, dass sie schnell verrotten, oder Sie nutzen kunststoffummanteltes Drahtgeflecht. Auch Hochbeete sorgen für den gewünschten Effekt. Zerscharrte Rasenpartien erhalten eine Nachsaat mit Drahtgitterschutz. Ein Gemüsebeet, dessen niedrige Staketenzäune schnell ignoriert und überflogen werden, kann unter Umständen in einen anderen Gartenteil verlegt und eingezäunt werden. Denn der Hühnerzuwachs erfordert ja auch mehr Platz! Kaufen Sie doch einen zweiten, deutlich solideren Stall, um die lieben Hühner im Garten zu halten. Oder Sie errichten neben der vorhandenen eine neue, nun 18 Quadratmeter große Voliere: die Junghühner im bisherigen, die alten im neuen Hühnerabteil. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf. Informieren Sie sich aber auch über die jeweiligen Bauvorschriften in Ihrem Bundesland.

Wie viele Hühner legen genügend Eier?

Doch wie viele Hühner sollten Sie nun im Garten halten, um stets genügend Eier essen zu können? Sind Ihre Junghühner nach einem Vierteljahr groß genug, können Sie beide „Familienteile“ zusammenführen. Sieben Hennen und ein Hahn wären es dann, und so bekommt man mehr als genug Eier – auch wenn die Alttiere nur noch gelegentlich legen. Behalten Sie die treuen Tiere im besten Fall, solange sie leben, denn die Alten zeigen den Jungen, wo es langgeht und sie haben liebenswerte Eigenheiten. Was die Futterkosten angeht, ist das natürlich nicht wirtschaftlich. Die Entscheidung auch ältere Hühner in Ihrem Garten zu behalten, liegt also letztlich bei Ihnen. Sollte Ihre Hühnerschar sprunghaft anwachsen, können Sie junge und gesunde Hähne und Hennen an einen Bauernhof mit viel Auslauf geben.

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Wer jeden Tag ein frisches Ei essen möchte, dürfte mit sieben Hennen mehr als gut zurechtkommen. Foto: AdobeStock_Prot

KARIN WACHSMUTH

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