Radicchio & Co. – Blattzichorien

Den Ur-Radicchio, die Wilde Wegwarte (Cichorium intybus var. intybus), legten sich schon die alten Römer und Griechen als der Gesundheit zuträgliches Blattgemüse auf den Teller. Die Wurzeln der Wegwarte oder Zichorie sah man sich in Deutschland erst im 17. Jahrhundert näher an und erkannte, dass sie in gerösteter und gemahlener Form ein guter Ersatz für den sündhaft teuren Kaffee waren. Mit der Wurzelzichorie wurde weitergezüchtet und im 19. Jahrhundert war der Chicorée in der Welt. In Südeuropa entstanden dagegen Radicchio, Zuckerhut und andere Blattzichorien.

Radicchio als Appetitzügler

Wilde Wegwarte – Foto: Pixabay/Monika Schröder

Der Bitterstoff Lactucopricin (früher: Intybin) sitzt im Milchsaft und der wiederum in den Blattrippen und in den Speicherwurzeln. Bei gleichmäßiger Wasserversorgung und zum Herbst hin wird der Radicchio stetig milder. Ein Bad im lauwarmen Wasser soll einen Teil der Bitterstoffe aus den Blättern lösen (aber auch ein paar Vitamine).

Die inneren, hellen Blätter von Zuckerhut und Endivien und der im Dunkeln getriebene Chicorée sind milder. Die Bitterstoffe in Radicchio, Chicorée und anderen Zichorien helfen beim Abnehmen, denn sie schwächen unsere Lust auf Süßes ab und zügeln den Appetit. Man ist einfach schneller satt. Zudem wird die Fettverdauung angeregt.

Wer ist wer in der Zichorien-Familie?

  • Radicchio (Cichorium intybus var. foliosum) gibt es kopf- und rosettenbildend, erstere mit kugeligen oder langgestreckten Köpfen, in rot-weiß oder weiß mit roten Sprenkeln. Eine häufige Sorte ist ‚Rosso di Chioggia,‘ die mit den Klimaverhältnissen in Mittel- und Nordeuropa sehr gut zurecht kommt.
  • Der Zuckerhutsalat (Cichorium intybus var. foliosum f. cylindricum) ist eine Schweizer Züchtung mit einem relativ festen, zu einem spitzen Kegel geformten Kopf.
  • Chicorée ist eine Varietät der Gemeinen Wegwarte (Cichorium intybus var. foliosum), die eine dem Boden aufliegende Blattrosette bildet.
  • Catalogna oder Schnitt-Zichorie (Cichorium intybus) wird auch Löwenzahnsalat genannt, wegen der Ähnlichkeit der Blätter mit Löwenzahn. Sie ist eine typische Zutat italienischer Salate. Wünscht man Rosetten (Cicorino), vereinzelt man die Pflanzen und lässt die Blätter wachsen.
  • Die Endivie (Cichorium endivia) ist ein typischer Spätsommersalat. Es gibt feingekrauste und breitblättrige Sorten – auch sie sind bitter.

Anbautipps

Gemüsefamilie: Korbblütengewächse, Gattung der Wegwarten (Cichorium), verwandt mit Salat, Schwarzwurzeln, Artischocke und Topinambur

Aussäen: Juni bis Juli, Abstand 30 cm

Ernten: ab September
Standort: sonnig, humoser, lockerer Boden mit guter Wasserhaltefähigkeit

Fruchtfolge: als Nachkultur für Starkzehrer, z. B. frühe Kohlarten, oder nach Erbsen; Anbaupause von vier Jahren zwischen Korbblütengewächsen

Düngen: Mittelstarkzehrer, nach stark gedüngten Kulturen ist eine Extra- Düngung nicht notwendig

Pflege: Unkraut jäten, solange die Pflanzen noch jung sind; bei trockenem Wetter zusätzlich gießen

Lagern: Ein bis zwei Wochen im Gemüsefach des Kühlschranks

Pflanzenschutz: Schnecken, Blattläuse