Ganz schön sauer

Gartenflora Redakteur Achim Werner im Gespräch mit Gartenbauingenieur Werner Pfannenstiel.  Der Steinobstexperte befasst sich seit über 30 Jahren mit Kirschen und kennt die besten Sorten.

Herr Pfannenstiel, was ist besser? Süßkirschen oder Sauerkirschen?
Kommt darauf an. Wer Kirschen z. B. zu Likör, Konfitüre, Kuchen etc. verarbeiten möchte, kommt an Sauerkirschen nicht vorbei: Die haben mehr Aroma, und manche sind gar nicht so sauer, wie viele denken. Probieren Sie mal eine vollreife ‘Morellenfeuer’ oder ‘Achat’. Erfrischend, aber bei weitem nicht so sauer wie z. B. ‘Topas’. Die ist wirklich nur etwas für die Marmelade, Nasskonserve oder Kuchenbelag.

Und die Gartengröße?

Die hat auf die Auswahl heute keinen Einfluss mehr. Beide, süße wie saure, sind als Zwergbäume auf schwachwachsenden Unterlagen erhältlich. Als Hausbaum mit Stamm ist die Sauerkirsche allerdings wenig geeignet.

Angenommen, ich hätte nur Platz für eine Sauerkirsche, …?
… dann empfehlen sich selbstfertile oder wenigstens teilweise selbstfertile Sorten.

Teilweise selbstfertil heißt genau?
Dass auch ein einzeln stehender Baum Früchte tragen kann. Für einen Vollertrag sollte in der Nähe jedoch eine andere Sorte blühen – als Pollenspender. Teilweise selbstfertil sind gute Sorten wie ‘Karneol ’, mittelspät mit großen, erfrischend sauren Früchten. Oder die mittelfrühe, süße, nur leicht saure ‘Korund’. ‘Morina’, ebenfalls mittelfrüh, sauer und ertragreich, empfiehlt sich vor allem für die Verarbeitung.

Und selbststerile, also selbstunfruchtbare Sorten?
... wie die mild-aromatische und deshalb gefragte ‘Köröser Weichsel’ kommen nicht ohne einen Pollenspender, z.B. ‘Schattenmorelle’ oder ‘Kelleriis 16’, aus.

Also doch zwei Sorten pflanzen?
Andere Sauerkirschen auch in weiter entfernten Nachbargärten reichen schon als Pollenspender. Ganz sicher gehen Sie mit einer selbstfruchtbaren Sorte, wie der frühen ‘Favorit’ aus ungarischer Züchtung, aromatisch, großfrüchtig, jährlich sehr ertragreich. Auch die gute alte, selbstfruchtbare ‘Schattenmorelle’, sauer, mittelspät, ertragreich, ist wegen der tollen Früchte sehr gefragt. Leider sind beide anfällig für die Zweigspitzendürre.

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Weniger anfällige Alternativen... ?
... gibt es, z.B. die selbstfruchtbaren Sorten ‘Safir’, mittelfrüh mit großen, schwarzroten Früchten und hohem Ertrag, oder ‘Achat’, knapp zwei Wochen vor ‘Schattenmorelle’ reif, angenehm fruchtig, dunkelrot. Beide leiden, wie auch ‘Vowi’, seltener unter der verheerenden Welkekrankheit. Kaum anfällig sind auch die teilweise selbstfruchtbaren ‘Karneol’, ‘Korund’, ‘Morina’ und ‘Morellenfeuer’, eine Bastardkirsche mit braunroten, mittelgroßen Früchten, ebenfalls mittelfrüh.

Was sind denn Bastardkirschen?
Diese Kreuzungen zwischen Süß- und Sauerkirschen werden den sauren zugerechnet, sind aber milder. So auch ‘Königin Hortense’, wenig ertragreich, selbstunfruchtbar und starkwachsend. Nur etwas für Liebhaber der großen, saftigen, hellroten Früchte.

Und die Kultur von Sauerkirschen?
... ist einfach. Leicht erwärmbare, genügend feuchte, humusreiche Böden und ein sonniger, nicht zu windiger Standort sind ausreichend. Schwere, kalte Böden mit Staunässe in Wind- oder Spätfrostlagen sind weniger geeignet. Auf leichten Sandböden empfiehlt sich die Steinweichsel (Prunus mahaleb) als Unterlage. Auf besseren Böden ist die Vogelkirsche (Prunus avium) günstiger. Sauerkirschen tragen nach 3 bis 5 Standjahren, auf sehr schwachwachsenden Unterlagen auch früher.

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Sauer ist nicht gleich sauer

Sehr sauer – aber hoch aromatisch und deshalb vor allem zum Verarbeiten geeignet sind die Sorten ‘Fanal’, ‘Leopoldskirsche’, ‘Nana’, ‘Safir‘, ‘Vowi’, ‘Schattenmorelle’, ‘Topas’.

Mittelsauer – der Kompromiss aus Naschfrucht und Kuchenkirsche mit mäßiger Säure und leicht süßem Aroma: ‘Favorit’, ‘Morellenfeuer’, ‘Karneol’, ‘Werdersche Glaskirsche’, ‘Ostheimer’.

Wenig sauer – mit mild-süßem Aroma und dezenter Säure. Wer Sauerkirschen vor allem frisch naschen möchte, wählt milde Sorten wie ‘Achat’, ‘Köröser Weichsel’ und ‘Ungarische Traubige’.

Die fünf Sauerkirsch-Wochen

Süßkirschen leiten die Kirschernte ein. Die Sauerkirschzeit dagegen beginnt erst in der 4. Kirschwoche.

4. Kirschwoche: ‘Favorit’, ‘Königin Hortense’

5. Kirschwoche: ‘Ostheimer Weichsel ’, ‘Köröser’

6. Kirschwoche: ‘Köröser’, ‘Fanal’, ‘Morellenfeuer’ (= ‘Kelleriis 16’), ‘Korund’, ‘Safir,’ ‘Topas’, ‘Vowi’

7. Kirschwoche: ‘Karneol’, ‘Schattenmorelle’

8. Kirschwoche: ‘Gerema’, ‘Nana’
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