Lichtpunkte im Grün

Wald-Sternmiere

Erfrischende Szene mit weißen Blütensternen: Ganz zart, aber zäh krallt sich die Wald-Sternmiere an einmal eroberten Plätzen fest. Sie blüht überreich im Frühsommer.

Weiß ist eine erstaunliche Farbe – wenn es denn überhaupt eine Farbe ist. Das gesamte Licht, das darauf trifft, wird reflektiert. Strahlendes Weiß, leuchtendes Weiß, die Sprache stellt sich auf die lichtbringende Wirkung ein.

Alles wird freundlicher mit etwas Licht, doch manchmal hilft erst ein kleiner Denkanstoß, um diese Erkenntnis auch umzusetzen. Zum Beispiel ein Waldspaziergang. Er lieferte den Anlass, eine ganze Gartenpartie neu zu überdenken, eine von der Sonne nicht eben verwöhnte Ecke.

Aus grünem Unterholz im Hinterland einer Siedlung leuchtete magisches Weiß. Beim Näherkommen stellte sich heraus, dass ein vitaler Kulturflüchter, das einjährige Silberblatt, mit seinen weißen Blüten Lichtpünktchen ins Grün getupft hatte. Die Stelle wollte ich mir merken, um in einigen Wochen die Samen zu ernten.

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Mit Blättern gestalten

Die reinweißen Blüten leuchten jetzt auch aus dem Haselstrauch im Garteneck, neuerdings sogar in einer verfeinerten Variation: Lunaria annua  ‘Alba Variegata’ hat zu den weißen Blüten cremeweiß gerandetes Laub. Denn fest steht auch: Blatt bekennt länger Farbe als Blüte. Schon deshalb ist es klug, nicht allein auf weiße Blüten zu setzen.

Für unsere Farbe des Lichts erlegt uns allerdings die Natur selbst Grenzen auf: Blattgrün ist die Lebensgrundlage für die Pflanze, es verwandelt Nährstoffe in Lebensenergie. So begnügen wir uns mit weißen Anteilen im grünen Laub. Doch welche Wirkung allein dieser Kompromiss schon zuwege bringt! Die Strahlkraft der hellen Zeichnung hebt Strukturen aus dem Einheitsgrün, leuchtet noch aus der Dämmerung, alles Kompakte löst sich auf.

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Stauden für gezielte Lichtreflexe

Welche Stauden eignen sich für die absonnigen Stellen, an denen jeder Lichtreflex besonders willkommen ist? Wahren Hosta-Liebhabern entlockt die unverwüstliche Schneefeder-Funkie, Hosta undulata ‘Univittata’, ob ihrer Gewöhnlichkeit und Gutwilligkeit vielleicht nur ein müdes Lächeln. Wie ungerecht, denn sie stemmt sich jeglichem Wurzeldruck so kraftvoll entgegen, dass sie alle Ehren verdient.

Man findet, zugegeben, vollkommenere Sorten: ‘Francee’, ‘Patriot’, ‘El Nino’, um nur einige zu nennen. Attraktiv gezeichnetes Laub gibt es auch beim Kaukasus-Vergissmeinnicht, Brunnera macrophylla. ‘Dawson’s White’ schmückt sich mit einem breiten weißen Blattrand.

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Wüchsigkeit berücksichtigen

Panaschierte Pflanzen sind weniger wüchsig als ihre grünen Artgenossen. Schließlich fehlt ein mehr oder weniger großer Teil des Blattgrüns. Dennoch kann man die weißbunte Form des Giersch, Aegopodium ‘Variegata’ nur bedingt empfehlen, bestenfalls als vitalen Bodendecker für naturbelassene Randpartien. Gleiches gilt für die Goldnessel, Lamiastrum ‘Florentinum’, mit ihren schönen, silbrig-weiß gefleckten Blättern.

Gesellschaftsfähig sind dagegen die Taubnesseln, Lamium ‘White Nancy’ oder ‘Pink Pewter’, kleine Bodendecker für den Vordergrund. Viele gute Sorten vom Lungenkraut (Pulmonaria) haben weiß marmorierte Blätter. Für den grün-weißen Garten empfiehlt sich die Spitzensorte ‘Ice Ballet’, die Weiß sowohl in Blatt als auch in der Blüte trägt. Leider wird ein apartes Salomonssiegel, Polygonatum ‘Striatum’, das mit weißen Blüten im Mai und dazu mit weißen Streifen im Blatt aufwartet, nur selten angeboten.

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Filigranes für den Schatten

Die meisten Gräser lieben Sonne, fürs Schattenbeet bewerben sich allerdings zwei Seggen: die schon vor einem Jahrhundert beliebte Weißrand-Japan-Segge (Carex morrowii ‘Variegata’) und die noch junge Spitzensorte ‘Ice Dance’. Leider ist die mit ihrem Hang zur Ausläuferbildung manchem zu rabiat. Da lohnt sich doch ein Blick auf ein weiß blühendes Schattengras: die zierlichen Blüten der Schneemarbel (Luzula nivea) lassen uns mitten im Sommer an frisch gefallenen Schnee denken.

Den Luxus panaschierter Blätter leisten sich auch Gehölze. Mit rosa-weiß-grünen Blättern wirbt der Flamingo-Eschenahorn, Acer negundo ‘Flamingo’ für sich. Kompakter, doch mit ähnlicher Blattwirkung kommt die Harlekin-Weide, Salix integra ‘Hakuro Nishiki’ als Alternative für den kleinen Reihenhaus-Garten ins Spiel.

Fehlt es an einem Kletterer? Ein weißbunter Efeu oder weißbunte Sorten des Kletterspindelstrauches füllen die Lücke. Alle die weißen Blüten, Tupfen, Streifen, Blattränder bringen viel Lebendigkeit in den schattigen Garten.

Versuchen Sie aber bitte nicht, alle weiß oder silbrig panaschierten Pflanzen in einer Gartenpartie zusammenzubringen. Es würde ein sehr unruhiges Bild ergeben. Vergessen Sie nicht: Wir möchten lediglich die grüne Behaglichkeit ein wenig aufmuntern.

Elke Pirsch
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