Wachsblumen in groß und klein

Staudengärtnereien bieten eine unglaubliche Fülle an Arten und Züchtungen. Die Ein- und Zweijährigen des Pflanzenreiches geraten dabei leicht in Vergessenheit, werden gar zu „Lückenfüllern“ degradiert. Dabei finden sich gerade unter ihnen anspruchslose Schätze für speziellste Anforderungen. Die Große und die Kleine Wachsblume sind solch wertvolle Kandidaten.

Im Frühling geht es im Garten endlich wieder richtig los! Ein besonders exquisites Highlight ist im März und April in Arbeit: Ein silbern-purpurnes Beet, edel, ästhetisch, von mysteriöser, geheimnisvoller Anmut soll an der Terrasse entstehen. Das silbrig belaubte Elfenbein-Mannstreu ist bereits gepflanzt, darunter der weißfilzige Ehrenpreis ‘Silberteppich’. Natürlich darf auch der Woll-Ziest ‘Silver Carpet’ nicht fehlen. Doch jetzt? Welche purpurn belaubten Pflanzen bieten sich für diesen trockenen, stark besonnten Standort an? Der Purpur-Salbei natürlich, oder die Purpur-Fetthenne ‘Karfunkelstein’.

Aber mal ehrlich – mit der „mysteriösen Anmut“ ist es bei diesen Gewächsen nicht allzu weit her. Zum Glück sind da noch die Einjährigen und Zweijährigen des Pflanzenreiches, unter denen wahre Schätze für die ungewöhnlichsten Anforderungen zu finden sind. So zum Beispiel die Violette Wachsblume, Cerinthe major ‘Purpurascens’. Ein vollkommen anspruchsloses Blümchen, das mit seinem aparten, geheimnisvollen Charme wie kein anderes in mein neues Lieblingsbeet passt: Das edle Türkisgrün seines kräftigen, wachsartig überzogenen Laubes (daher der Name!) wandelt sich zum Triebende hin in sattes Dunkelviolett der zahlreichen Deckblätter.

In ihrem Schutz neigen sich zierliche Blütenglöckchen sanft gen Boden. Bei der Sorte ‘Purpurascens’ sind auch die Glöckchen violett eingefärbt, bei der reinen Art, der Großen Wachsblume, leuchten die Blütenkronen in einem verwegenen Mix aus goldenem Gelb und gedecktem Weinrot. Über Monate hinweg, meist von Mai bis Ende September, öffnen sich immer wieder neue Blüten, während am nächsten Trieb schon erste Samen reifen.

» Besser als ihr Ruf: die Pestwurz

Im März/April ist beste Aussaatzeit für diese vollkommen glattlaubigen Raublattgewächse, die mit so haarigen Geschöpfen wie Borretsch oder Beinwell eng verwandt sind. Ebenso wie bei Borretsch & Co. kann auch bei der Aussaat der Wachsblume eigentlich nichts schief gehen. Allerdings ist die ursprünglich in mediterranen Olivenhainen beheimatete Art Cerinthe major ein wenig frostempfindlich und sollte bei Freilandsaat erst ab Ende April in den Boden kommen. Dann bilden sich im ersten Jahr hübsche Blattrosetten, aus denen im Folgejahr die bis zu 50 cm hohen Blütenstängel sprießen. Wer sich dagegen sputet und der Saat ab März ein Plätzchen im Gewächshaus reserviert, wird schon im ersten Jahr mit einem üppigen Flor belohnt. Nach den letzten Frösten in durchlässigen Boden an einen vollsonnigen Standort auspflanzen und im Winter mit Reisig und Laubstreu vor strengen Frostnächten schützen.

Es gibt aber auch eine völlig frostharte, bei uns heimische Wachsblume: Die Kleine Wachsblume (Cerinthe minor) mit hellgelben, spitz zulaufenden Blütenzipfeln, die stets knospenartig geschlossen wirken. Sie gedeiht auf wärmebegünstigten, kalkhaltigen Lehmböden und hat sogar eine eigene Bestäuberbiene, die ausschließlich ihre Blüten anfliegt: die Wachsblumen-Biene (Osmia cerinthidis). Beide sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Wer weiß, sollten Sie dem Blümchen einen Platz in Ihrem Garten gönnen, büchst es vielleicht eines Tages aus und leistet seinen wenigen wilden Schwestern wertvolle Gesellschaft.

Kerstin Ackermann

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Die schmackhafte Schwester

Wer dem Verzehr von Muscheltieren nicht allzu viel abgewinnen kann, braucht auf den extravaganten Geschmack von Austern nicht zu verzichten. Die blaugrün bereiften, sukkulenten Blätter und zarten Triebe der Austernpflanze (Mertensia maritima) schmecken tatsächlich nach Austern. Oder nach Anchovis, mit einem leichten Unterton von Champignons und Borretsch. Die Austernpflanze ist somit eine schmackhafte und zugleich dekorative Beigabe für Seafood-Gerichte, Salate und Quarkspeisen. Ursprünglich an der Küste Nordschottlands beheimatet, ist die Staude absolut winterhart und gedeiht selbst auf Sandboden problemlos. Einziger Sonderwunsch: Hin und wieder mit einer Prise Kochsalz düngen! Im Juni/Juli erfreut die bis zu 30 cm hohe, kriechend wachsende Pflanze mit zahlreichen zartblauen Blütchen. Achtung: Auch Schnecken finden großen Gefallen an ihrem ausgefallenen Aroma. Zur Sicherheit am besten im Topf kultivieren.
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