Magnolien – ganz schön extravagant

Themen: Magnolien
Magnolia liliiflora ‘Nigra’

Spätblühende Sorten wie M. liliiflora ‘Nigra’ empfehlen sich besonders für spätfrostgefährdete Gegenden. Blüten und Blätter erscheinen zeitgleich ab Ende April/Anfang Mai. Die Pracht kann bis Mitte Juni anhalten.

Magnolien fallen auf. Mit ihren großen Blüten, die meist vor dem Blattaustrieb erscheinen, haben sie etwas Archaisches, irgendwie Urtümliches an sich. Tatsächlich sind die Magnoliengewächse (Magnoliaceae), zu denen übrigens auch der Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) gehört, eine uralte Pflanzenfamilie. Die Blütengehölze besiedelten bereits vor über 100 Millionen Jahren die Erde. Man vermutet sogar, dass die Magnoliengewächse die Vorfahren aller Blütenpflanzen sind. Das beweist vor allem der Blütenaufbau. Anders als bei den meisten Blütenpflanzen, sind die Blütenteile nicht wirtelig, sondern spiralig angeordnet. Heute gibt es etwa 80 Magnolien-Arten (Magnolia), die zum einen in Ostasien, zum anderen in Nordamerika und im nördlichen Südamerika beheimatet sind. In Mitteleuropa gab es auch heimische Magnolien, doch die verschwanden mit der Eiszeit. Die nordamerikanischen Magnolien-Arten, dazu gehören unter anderem Gurken-Magnolie (M. acuminata) und Schirm-Magnolie (M. tripetala), sind starkwüchsig und können sich zu großen Bäumen entwickeln. Die ostasiatischen Arten wie Stern-Magnolie (M. stellata), Kobushi-Magnolie (M. kobus), Purpur- Magnolie (M. liliiflora), Lilien-Magnolie oder Yulan-Magnoilie (M. denudata) und Siebolds Magnolie (M. sieboldii) wachsen schwächer und bleiben deutlich kleiner als ihre amerikanischen Schwestern.

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Stern MagnolieIn unseren Gärten und Parks sieht man die Tulpen-Magnolie (M. × soulangeana) am häufigsten. Die Kreuzung aus M. denudata und M. liliiflora blüht früh im Jahr. Bereits vor dem Laubaustrieb im April entfaltet sie ihre großen tulpenförmigen Blüten. In Regionen mit regelmäßig wiederkehrenden Spätfrösten sollten Sie diese Züchtung, von der es unzählige Sorten gibt, besser nicht pflanzen, da die Knospen und offenen Blüten immer wieder erfrieren werden. Unser Tipp: Ist noch einmal Nachtfrost angesagt, können Sie den Austrieb etwas verzögern, indem Sie über den gefrorenen Wurzelbereich eine Mulchschicht decken. Der Boden taut langsamer auf, und das Gehölz kommt später in die Gänge. Noch zeitiger, bereits im März, blüht die Stern-Magnolie. Die Art, insbesondere die Sorte ‘Royal Star’, ist sehr frosthart. Vor allem ertragen ihre Knospen und Blüten weitaus mehr Kälte als die von M. x soulangeana. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf spätfrostgefährdeten Standorten frostharte sowie spätblühende Magnolien-Sorten verwenden. Dazu zählen zum Beispiel ‘Yellow Bird’ und die beliebte M. liliiflora ‘Nigra’. Magnolien benötigen in der Regel viel Platz, denn fast immer gehen sie mit den Jahren extrem in die Breite. Für kleine Gärten wählen Sie daher kleinwüchsige, strauchförmige oder schmal-aufrecht wachsende Arten und Sorten. Dazu gehört die Stern-Magnolie, die nur etwa zwei bis drei Meter hoch und breit wird. Oder Ihnen gefällt vielleicht die ausgefallenere gelbblühende ‘Maxine Merrill’. Ihre kompakten, aufrecht stehenden Blüten erscheinen vor dem Laubaustrieb. Das Gehölz wird maximal fünf Meter hoch und drei Meter breit. Die meisten Magnolien möchten warm, überwiegend sonnig und gut windgeschützt stehen.Für den Halbschatten kommt beispielsweise M. sieboldii in Frage.

» Der Hausbaum: Liaison fürs Leben

Alle Magnolien wollen einen möglichst kühl und gleichmäßig feuchten Wurzel-bereich, insbesondere im Hochsommer. Wir empfehlen deshalb, die Baumscheibe mit Mulch abzudecken oder mit geeigneten Bodendeckern wie Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum) oder Kleinem Immergrün (Vinca minor) zu bepflanzen. Der Boden ist idealerweise tiefgründig und humos, vor allem aber leicht sauer bis sauer (pH 5,5 bis 6,8). Die Nährstoffe können dann am besten aufgenommen werden. Das spielt gerade während der Anwachsphase eine wichtige Rolle. Zur Schere sollten Sie selten greifen. Lassen Sie die Magnolien lieber frei wachsen. Stutzt man sie zurecht, sprießen an den Schnittstellen schnell und unkontrolliert neue Triebe. Die schöne malerische Form geht verloren. Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass ihre Magnolie vergreist und unansehnlich wird. Im Gegenteil – mit zunehmendem Alter bilden die Gehölze immer mehr Blüten und werden immer schöner!
Monica Lietzau

Exotische Magnolien

Auf gelbblühende Magnolien trifft man eher selten. Sehr beliebt ist die kanariengelbe Sorte ‘Yellow Bird’. Sie öffnet erst Anfang Mai ihre Kelche, meist parallel zum Laubaustrieb. Es gibt auch frühblühende gelbe Magnolien, zum Beispiel die hellgelbe ‘Elizabeth’. Aus ihr gingen zahlreiche gelbe Sorten hervor. Tipp: Alle gelb blühenden Magnolien-Hybriden zeichnen sich durch eine hohe bis extreme Winterhärte aus – ideal für spätfrostgefährdete Regionen. Die Immergrüne Magnolie (M. grandiflora) ist bei uns nur in wintermilden Regionen winterhart. Das Gehölz beeindruckt im Sommer mit riesigen, bis 25 Zentimeter großen(!), cremeweißen, intensiv duftenden Blüten. Später ziehen die zapfenartigen Fruchtstände mit auffälligen roten Samen die Blicke auf sich.


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