Orchideen – Meisterwerke aus dem Blütenatelier

Blüten wie gemalt, eine anziehende Exotik und dazu durchaus bodenständige Pflegeansprüche – das sichert Orchideen Platz eins unter den begehrtesten Zimmerpflanzen-Schönheiten. Einblicke in eine faszinierende Farben- und Formenwelt.

Elegant neigt sich die Rispe der Phalaenopsis in hohem Bogen über den Topfrand. Jedes ihrer Blütengesichter ein Schmuckstück für sich, mit keck vorgeschobener, weinroter Lippe und Hunderten rosa Sommersprossen um das schneeweiße „Näschen“. Daneben erhebt eine Paphiopedilum-Orchidee majestätisch ihr purpur-grün gestreiftes Haupt über das attraktiv marmorierte Laub. Wespengleich hat sich ein Schwarm goldgelber Miniatur-Blüten auf den filigranen Trieben einer Oncidium niedergelassen: Wo Orchideen ihre Pracht entfalten, ist ihnen Aufmerksamkeit gewiss.

Zimmerorchideen stammen vorrangig aus tropischen und subtropischen Regionen der Erde, wo sie sich Standorte eroberten, die anderen Pflanzen verschlossen bleiben. Seit diese Blütenschätze in größerem Maßstab züchterisch bearbeitet und in Spezialgärtnereien durch moderne Vermehrungsmethoden herangezogen werden, haben sie ihren Nimbus der Exklusivität zwar ein wenig eingebüßt. Gleichzeitig legten sie aber auch manche Marotte ab, die es früher fast ausschließlich Besitzern von Gewächshäusern oder Blumenfenstern erlaubte, die Pflanzen dauerhaft zu Hause zu pflegen. Viele der neuen Hybriden zeigen sich nun auch auf der gewöhnlichen Fensterbank unbekümmert wüchsig und blühwillig.

Blühende Verlockung

So imposant viele Orchideenblüten, so auffällig ihre Farbe und Zeichnung, teils auch ihr Duft – alles dient nur einem Zweck: Bestäuber anzulocken. Bienen, Käfer, Schmetterlinge, Vögel, sogar Fledermäuse fliegen auf diese Reize. Einige Blüten maskieren sich auch als weibliche Insekten, um deren Männchen kurzfristig an sich zu binden und ihnen ein Pollenpaket anzuheften. Die sackförmige Lippe der Frauenschuhe wird zur Falle, aus der hereingetappte Insekten erst nach der Bestäubung herausfinden.

» Pflanzenporträts: Zimmerpflanzen von A bis Z

Auf der Orchideenschau 2012 stellte sich Jörg Bohn, der Leiter der Berliner Gruppe der Deutschen Orchideen-Gesellschaft, den Fragen von GartenFlora:

Orchideen sind wohl ein echter Publikumsmagnet?
Zu Recht. Schauen Sie sich doch nur mal um. Kaum eine Pflanzenfamilie kann es mit dieser Farben- und Formenfülle aufnehmen. Allerdings beherrschen trotz aller Vielfalt die Phalaenopsis-Hybriden seit Jahren das Standardsortiment.

Warum sind Orchideen so beliebt?
Aufgrund ihrer Pflegeleichtigkeit und vor allem an ihrer unschlagbar langen Blühdauer. Überspitzt gesagt, machen Phalaenopsis den Gärtnern das Leben schwer, denn kaum eine andere Orchidee kann ihr in diesem Punkt das Wasser reichen. Inzwischen gibt es zwar auch herrliche Züchtungen weiterer Gattungen, die sich ähnlich leicht kultivieren lassen, zum Beispiel Odontoglossum-, Oncidium- oder Cattleya-Hybriden. Doch die meisten blühen eben nur einmal im Jahr. Manche brauchen auch eine kühlere Ruhephase. Dass ihre Kultur dennoch lohnt, möchten wir den Besuchern mit unserer Schau zeigen. Vielleicht lässt sich der eine oder andere ja sogar für die hier aus- gestellten Naturformen begeistern. Die sind zwar durchweg heikler zu halten, eventuell braucht’s sogar eine Vitrine mit Beleuchtung und Nebelanlage. Doch aus eigener Erfahrung weiß ich: Orchideen sind wie ein Virus. Wer einmal mit dem Sammeln anfängt…

Nochmals zurück zu den Phalaenopsis. Die Züchter bringen ja immer neue, verblüffende Sorten hervor.
Zurzeit liegen großblütige Hybriden mit eindrucksvoller, teils unregelmäßiger Fleckzeichnung im Trend. Ich nenne sie die koi-artigen, wegen ihrer Ähnlichkeit zu den bunten Zierfischen. Sehr beliebt sind außerdem kleinblütige Sorten: hübsche Zwerge, die meiner Erfahrung nach aber oft an Größe zulegen, sobald man sie erst mal umgetopft hat.

Apropos umtopfen…

…das wird alle zwei bis drei Jahre fällig. Denn auch spezielle Orchideensubstrate zersetzen sich mit der Zeit und dann besteht die Gefahr, dass die nässeempfindlichen Wurzeln der Pflanzen zu faulen beginnen. Fast alle Zimmerorchideen sind Epiphyten. Sie wachsen in ihrer Heimat als Aufsitzer in Baumkronen und bekommen dort regel-mäßig eine kräftige Regendusche, trocknen danach aber auch rasch wieder ab. Diese Bedingungen lassen sich zu Hause am besten nachahmen, indem Sie die Pflanzen in ein grobes, strukturstabiles Substrat topfen, das reichlich Luft an die Wurzeln lässt. Bewährt hat sich hier zum Beispiel gehäckselte Pinienrinde. Wer gerne Wein trinkt, kann auch einfach zerkleinerte Korken verwenden. Ansonsten gilt: Den Topf lieber in größeren Abständen einmal richtig tauchen und anschließend gut abtrocknen lassen als ständig mit ein bisschen Wasser zu betröpfeln.

» Homepage der Deutschen Orchideen-Gesellschaft

Wie erkenne ich denn, wann der nächste Tauchgang fällig ist?
Sehr praktisch sind hier die durchsichtigen Kunststofftöpfe. In ihnen lässt sich die Farbe der Wurzeln gut beurteilen: Grün bedeutet, die Feuchtigkeit reicht noch aus. Trockene Wurzeln dagegen werden silbrig grau, da sich ihre äußere, schwammartige Hülle mit Luft füllt. Zeit, für Nachschub zu sorgen, übrigens am besten mit weichem Regenwasser. Zur Not tut’s aber auch Leitungswasser, wenn man es einige Stunden ab- stehen lässt. Von März bis Ende September dann zusätzlich alle zwei bis drei Wochen flüssig düngen – mit speziellem Orchideendünger, oder preiswerter, mit gewöhnlichem Blumendünger in halber Konzentration. Generell ist es also gar nicht so schwer, die Ansprüche von Zimmerorchideen zu erfüllen. Ich habe dafür einen einfachen Grundsatz: nicht zu trocken, nicht zu nass, nicht zu sonnig, nicht zu dunkel.

Bei den derzeit öfter angebotenen Vanda-Orchideen in Glasvasen frage ich mich aber schon, ob diese Kultur auf Dauer funktioniert.
Tut sie. Vandas mögen keinen Pflanzstoff. Sie werden daher ohne Substrat in hohen Glasvasen gehalten, und zwar so, dass nur ihre Wurzeln ins Gefäß hängen, alles Grüne aber oben herausragt. Sonst kann Wasser in den Blattachseln stehen bleiben, und das führt zu Fäulnis. Bewässert wird die Vanda, indem Sie die Vase bis oben befüllen und nach kurzer Zeit wieder vollständig ab gießen. Fühlt sich die Orchidee wohl, blüht sie dann sogar zweimal im Jahr!

Mit Jörg Bohn sprach Saskia Richter

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