Rasen vertikutieren

Rasen vertikutieren

Die preiswerteste Methode, aber mühevoll: Das Vertikutieren per Hand.

Nach dem Winter sieht der Rasen einfach schrecklich aus. Lücken auf Schritt und Tritt, gelb-brauner Filz, wohin das Auge blickt. Ab und an ein frisches grünes Hälmchen. Soll das Grün tatsächlich so in die Saison gehen?

Mein idealer Rasen

Also, ich mag Rasen, und bei mir soll er dicht werden. Und grün. So richtig englisch. Ja, ich weiß, naturnah ist das nicht. Und Gänseblümchen müssen dort auch nicht sein. Manch einer sieht das anders, und das ist ja auch in Ordnung.

Ich oute mich jetzt mal und gebe einfach zu, dass ich stolz bin, wenn mein Rasen (fast) perfekt ist und ihn Freunde bewundern. Na, und? Dafür spendiere ich ihm die Saison über genügend Pflegeeinheiten, mähe mitunter zweimal die Woche und dünge zweimal im Jahr.

Das Rasenjahr beginnt

Jetzt geht das Rasenjahr wieder los. Erst mal muss das Grün aus seinen Startlöchern kommen. Wenn die Temperaturen langsam in den Wohlfühlbereich steigen und die Halme ab 8 Grad wachsen wollen, wird mit einem Langzeitdünger gefüttert.

Das Ausbringen hab’ ich mal per Hand versucht. Das funktioniert nicht wirklich, und das Ergebnis war ein Berg-und-Tal-Wuchs mit hellgrünen Flecken. Da konnte man wunderbar erkennen, was etwas Dünger so bewirkt. Dort, wo er hingelangt.

Wer es schön und gleichmäßig mag, benutzt also besser einen Streuwagen. Irgendwann wird’s dann Zeit für den ersten Schnitt. Danach ist der braune Filz vom Vorjahr aber immer noch da und nimmt den Gräsern Licht und Luft. Der muss weg, und nun wird es heftig: Vertikutieren steht jetzt auf dem Programm.

Vertikutieren - so geht's am besten

Wissen Sie’s? Im diesem Wort verstecken sich vertikal, also senkrecht, und cut für schneiden. Die Technik, die dabei hilft, hat also vertikal rotierende Messer, die den Boden anritzen. Nur zwei, drei Millimeter tief.

Ich habe einfach mal einige Geräte ausprobiert und kam zu einer Erkenntnis, die mich überrascht hat. Die preiswerteste Methode ist das Vertikutieren mit einem Hand-Schneidrechen. Das dauert, ist schweißtreibend und spart Ihnen den Wochen-Obolus fürs Fitnesscenter.

Einfacher und schneller geht das Rasenlüften allerdings mit einem Elektro- oder Benzin-Vertikutierer. Gute Frage: Wie viel lohnt sich, da zu investieren? Für die fünf Testmodelle werden Preise zwischen 160 und 500 Euro aufgerufen.

Drei Benziner, der SOLO 518, der Dolmar PV 3936, die beide, bis auf die Motoren, in etwa baugleich und mit knapp 500 Euro auch ähnlich teuer sind, und dazu der AL-KO Combi Care 38 P Comfort, den es ab etwa 250 Euro gibt. Ich gebe auch zu, dass ich ein Fan von benzinbetriebenen Gartengeräten bin und war neugierig, was die Geräte leisten.

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Vertikutieren - nicht immer einfach

Rasen vertikutierenVertikutieren ist eine ziemlich ruppige Angelegenheit. Vor allem, wenn der Boden kurze Unebenheiten aufweist. Dann graben sich die Zähne schnell tiefer ein als drei Millimeter und zerschneiden die Gräserwurzeln. Dumm gelaufen!

Apropos gelaufen: Die Benziner zeigten sich mitunter wenig kooperativ, wenn es langsam voran gehen sollte. Die rotierenden Messerwalzen erzeugten einen ungewollten Vortrieb, und die Geräte ließen sich nur mit fester Hand bändigen.

Auch das Füllen des Fangkorbes vollzog sich nicht so, wie ich mir das gewünscht hatte. Bevor der Sack voll war, verstopfte der Auswurfkanal, und der ganze Filz blieb auf dem Rasen.

Vertikutierer auswählen - eine schwere Entscheidung

Wer vertikutiert, weiß, welche Mengen dabei anfallen. Damit kamen, und das hat mich überrascht, die beiden Elektrogeräte besser zurecht. Mit höheren Drehzahlen schafften die Messerwellen den Filz schwungvoller aus dem Gras, und die Geräte ließen sich auch etwas besser im Zaum halten.

Vor allem der Sabo 31-V EL (295 Euro) überzeugte mich mit seinem 1,4-KW-Motor. Und auch der kleinere Gardena EVC 1000 gewann den Kampf gegen eine völlig vermooste Fläche souverän. Rund 160 Euro kostet der, und einen Fangkorb gibt’s hier optional dazu.

Aber die Stromkabel sind für mich bei diesen Elektrogeräten derart lästig, so dass ich mich zwischen Benzin und Kraft aus der Steckdose nicht entscheiden könnte, wenn ich müsste. Vielleicht doch für den Schneidrechen, den es schon für 17 Euro gibt?
Zugegeben – die Test-Rasenflächen hatten wohl seit Jahren keine Pflege erfahren, zeigten sich voller Moos und Filz. Das hat es allen Beteiligten nicht einfach gemacht. Irgendwann ist alles kreuz und quer vertikutiert, und der Rasen schaut nun aus wie eine nass gekämmte Katze.

Nun kommt die Kür: nachsäen, wenn nötig, düngen, wässern und – einfach wachsen lassen. Bald erkennen Sie nicht wieder, was Sie vor einer Woche gar nicht sehen wollten.
Christian Gehler

Nach dem Vertikutieren: Wohin mit dem Moos und Filz?

Rasen Mulch
Kaum zu glauben, welchen Mengen ein Vertikutierer aus dem Rasen fördert.

Wer große Kompostboxen besitzt, kann das Material dort verrotten lassen. Dazu wird es gut mit anderen holzigen Gartenabfällen, Staudenresten und angerottetem Kompost vermischt. Das gewährleistet im fertigen Kompost ein ausgewogenes Verhältnis an Nährstoffen.

Kompostbeschleuniger aus dem Gartenmarkt unterstützen die Rotte. Ist der Platz am Kompost knapp, lässt sich der Rasenfilz, mit stickstoffhaltigen Hornspänen vermischt, auch als Mulch unter Gehölzen oder auf Beeten verwenden.

» Kompost: Das Gold des Gärtners
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