Winterschutz für Stauden

Pampasgras

Pampasgras: Das unverwechselbare Ziergras aus der südamerikanischen Pampa feiert etwa alle fünfzig Jahre sein Comeback im Garten. Und bleibt dennoch ein unsicherer Begleiter.

Warum lassen wir nicht einfach die Finger von den Stauden, die uns über kurz oder lang vermutlich die kalte Schulter zeigen? Die Antwort kennt auch Dr. Konrad Näser nicht. Selbst in seinem Garten gibt es ein paar Lieblinge, die nicht zu den ganz Harten zählen.

Das ist schon ein Kreuz mit den winterharten Stauden! Mal ehrlich: Sind Ihnen schon solche „Wackelkandidaten“ wie Freiland-Alpenveilchen oder Fackellilien erfroren? „Hab ich gar nicht“, denken Sie vielleicht. Gut so. Man lebt ruhiger ohne sie. Ich spreche hier nicht von Akelei, Schwertlilie oder Schafgarbe, sondern eben von solchen Grenzgängern wie Korsische Christrose, Japan-Anemone, Winteraster, Scheckenknöterich, Freilandkakteen oder den „winterharten“ Fuchsien.

Winterhart ist relativ

Sie alle sind bei uns nicht heimisch, sonst würden sie hiesige Winter aushalten. Wie einfach wäre es, wenn wir nur einheimische Pflanzen im Garten hätten. Oder solche, die aus ähnlichen Klimagebieten kommen. Allein mit ihnen ließe sich ein üppiger Blütengarten einrichten. Offenbar steckt eben doch ein starker Drang nach dem Neuen und ganz Besonderen in uns.

Der Begriff „winterharte Staude“ wird gern ausgedehnt. Doch eine aus dem Gärtnerland Holland kommende und dort tatsächlich ganz winterharte Staude hält den ganz normalen brandenburgischen Winter nicht unbedingt aus. Das Klima am Pflanzort ist entscheidend, und das ist bekanntlich von Landschaft zu Landschaft, sogar von Garten zu Garten verschieden.

» Bilder: Diese Stauden brauchen Winterschutz

Wackelkandidat Pampasgras

In meinem langen Gärtnerleben habe ich schon manche Masseneinwanderung von „Wackelkandidaten“ erlebt. Vor einigen Jahrzehnten zum Beispiel musste man unbedingt ein Pampasgras haben. Ich selbstverständlich auch. Schön (fremd!) wirkten im Oktober die silbrigen Wedel über sattgrünem Laub zwischen den braunen Herbstfarben in unserem Garten. Und dann?

Es folgte mühsames Einpacken durch Überstülpen einer alten Kiste mit trockenem Laub, Hoffen auf einen gnädigen Winter und im Frühjahr das Auswickeln eines fahlgelben Halmbusches am Rand der grünen Rasenfläche. Er brauchte Wochen, um wieder zum vollen Leben zu erwachen. Ach, schon lange habe ich kein Pampasgras mehr.

Das Riesen-Mammutblatt - ein Gast auf Zeit?

Ein Nebenschauplatz solcher Manie war das Riesen-Mammutblatt (Gunnera manicata), zum Glück schwerer beschaffbar und damit nicht so weit verbreitet. Und es geht weiter: Mit den Strauch-Malven (Lavathera olbia) zum Beispiel. Wir begreifen erst nach und nach, dass auch sie keine Dauergäste bei uns sein werden. Wie auch das imposante Riesen-Federgras, Stipa gigantea.

Englandreisende riefen begeistert: „Das muss ich auch haben!“ Ja, und wer denkt da mal an den atlantisch geprägten britischen Winter im Vergleich zum kontinentalen Europa? „Erfriert zweimal in zehn Jahren“, sage ich dann gern und hole die Enthusiasten auf den Boden der Realität zurück.

Doch auch ich lerne immer noch dazu: Im Garten eines Freundes in Bornim steht das Riesen-Federgras schon seit Jahren. Auf meine Frage: „Und warum erfriert das bei dir nicht?“ kam nur die kurze Antwort: „Es muss im Winter absolut trocken stehen, dann übersteht es auch tiefe Frostgrade“. Mehr verriet er nicht, und ich dachte einmal mehr: „Alles ist relativ“.

» Blatt und Blüte: Winterastern

Den Standort anpassen statt die Pflanze warm einzupacken

Winterschutz für WinterasternWarm anziehen ist also keinesfalls das Allheilmittel. Jahrelang haben wir mit den Winterastern experimentiert: Zudecken mit Laub – die Pflanzen sind verfault. Also luftig halten – viele Pflanzen sind erfroren.

Dann haben wir einfach die alten Stängel über den Grundsprossen stehen lassen, ein Tipp vom Altmeister Karl Foerster. Das half schon. Noch verbessern ließ sich das Ergebnis mit ein paar locker aufgelegten Zweigen von Douglasien.

Ähnliche Erfahrungen gab es bei den Freiland-Alpenveilchen. Wer keine Douglasie hat, kann natürlich auch Fichte, Tanne oder ein luftdurchlässiges Frostschutzvlies nehmen. Kiefernzweige eignen sich nicht, lose Kiefernnadeln aber gut.

Am einfachsten ist der Winterschutz bei Stauden, die sich völlig unter die Erdoberfläche zurückgezogen haben. Da genügt eine Schicht aus trockenem Herbstlaub, das durch Koniferenzweige am Wegfliegen gehindert wird. Das ist der ideale Schutz für Fackellilien, Herbst-Anemonen und Freiland-Gloxinien. Der berühmte Wermutstropfen: Unter dem Laub entsteht ein kuscheliges Winterparadies für Mäuse! Eine Laubschicht auf Immer- oder Wintergrünen sollten Sie vermeiden.
Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei "Karl Foerster" in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen. Mehr über den Karl-Foerster-Garten erfahren Sie im PotsdamWiki.

Winterschutz für Stauden

Mit Nadelreisig (oder Vlies) als Decke
Stachelnüsschen (Acaena)
Freiland-Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium)
Ochsenzunge (Anchusa azurea)
Schecken-Knöterich (Bistorta affinis)
Blaukissen (Aubrieta in Sorten)
Winteraster (Chrysanthemum indicum)
Spornblume (Centranthus ruber)
Sonnenröschen (Helianthemum)
Schleifenblume (Iberis sempervirens)
Pfingst-Nelke (Dianthus gratianopolitanus)

Unter einer lockeren Laubschicht überwintern
Japan-Anemone (Anemone hupehensis)
Garten-Montbretie (Crocosmia x crocosmiiflora)
Steppenkerze (Eremurus)
Scharlach-Fuchsie (Fuchsia magellanica)
Wald-Sonnenblume (Helianthus atrorubens)
Freiland-Gloxinie (Incarvillea delavayi)
Fackellilie (Kniphofia uvaria)
Bartfaden (Penstemon)
Kapfuchsie (Phygelius capensis)

Winterschutz für Pampasgras, Grafik: Helga MeierSonderbehandlung brauchen
Freiland-Kaktus (Opuntia) mit Regenschutz (Glasscheibe) überbauen
Korsische Christrose (Helleborus argutifolius) in Vlies einwickeln
Pampasgras (Cortaderia selloana) wie in der nebenstehenden Zeichnung
in Laub oder Vlies einwickeln, Nässeschutz umlegen

» Gartenpraxis: 16 Tipps für Winterschutz

Wenn Stauden im Frühjahr nicht wiederkommen

Das Wegbleiben von Stauden nach dem Winter kann verschiedene Ursachen haben.

1. Kahlfrost: Frost dringt tief in den Boden ein und zerstört Pflanzen, die unter einer Schneedecke problemlos überwintern würden. Beispiel: Beim Frosteinbruch nach einer Warmperiode im Februar vor drei Jahren verlor ich viele meiner Herbst-Anemonen.

2. Frosttrocknis: Das betrifft vor allem immergrüne Stauden. Sie leiden an schneelosen, sonnenreichen Frosttagen, weil die Blätter auftauen, ohne dass Wasser aus der gefrorenen Erde nachgezogen werden kann. Die Blätter sehen danach aus, als seien sie vertrocknet. Beispiele: Sonnenröschen, Blaukissen, gelegentlich sogar Haselwurz.

3. Winternässe: Einige Stauden halten tiefe Frostgrade aus, wenn sie absolut trocken stehen. Dazu gehören die Freiland-Kakteen, auch viele Hauswurz-Arten.

» Garten erleben: Winterquartiere für Tiere

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