Stauden im Schattengarten

Schattengarten

Wachsen die Bäume in den Himmel, ist es gut zu wissen, welche Stauden dennoch die Stellung halten.

Mitten in unserem Garten steht ein mächtiger Urwelt-Mammutbaum (Metasequoia glybdostroboides). Ich bekam ihn 1960 als Geschenk zu meiner Gärtnermeisterprüfung. Dieser Baum war damals eine große Seltenheit, denn erst etwa 20 Jahre zuvor war er in China entdeckt worden. Vielleicht können Sie sich vorstellen, welche Größe ein Mammutbaum nach über fünfzig Jahren erreicht, auch im märkischen Sand. Seine abfallenden Nadeln bedecken jeden Herbst rund 100 Quadratmeter: Wege, Beete und Rabatten. Und im Sommer reicht sein Schatten mehr als doppelt so weit in den Garten. Eine seiner Wurzeln hat längst die Steine des kleinen Weges neben dem Stamm angehoben.

» Gartengestaltung: Pflanztipp für Gehölzschatten

Dr. Konrad NäserIch habe den „Störenfried“ nicht abgehackt, sondern wachsen lassen. So liegt nun ein gewaltiger Wurzelbuckel quer über den reparierten Weg und jeder, der entlang kommt, muss darüber steigen. Dann erst merkt mancher, welch’ Baumriese sich neben ihm emporreckt. Eine Colorado-Tanne auf der gegenüber liegenden Gartenseite, einst bescheidene 1,70 Meter hoch, beschattet weitere 200 Quadratmeter. Unseren anfänglichen Sonnengarten gibt es nur noch auf alten Fotos. In vielen kleinen Etappen musste ich über Jahrzehnte nicht nur die Beete und Wege, sondern vor allem das Pflanzensortiment dem immer größer werdenden Schattenwurf der Bäumen anpassen. Unter der großen Tanne legte einen „Schattenversuchsgarten“ an, ich wollte die tatsächliche Schattenverträglichkeit meiner Stauden außerhalb des Buchwissens testen. Eine Erkenntnis gewann ich gleich zu Beginn: Wenn unter einem etablierten Baum, mitten in den Wurzelfilz hinein, eine Pflanzung angelegt werden soll, gibt es nur wenige Stauden, die damit zurechtkommen: Salomonssiegel, Buschwindröschen, Taubnessel und Alaska-Alraune zum Beispiel. Die meisten anderen schaffen es nicht, zwischen den vorhandenen Baumwurzeln Fuß zu fassen. Ich verfiel darum auf einen Trick: Die Fläche unter der Tanne habe ich mit 10 Zentimeter Gartenerde überzogen, und da hinein pflanzte ich die Stauden. Das funktionierte.

» Der Hausbaum – eine Liaison fürs Leben

Die Baumwurzeln brauchen mehrere Jahre, um in der neuen Erdschicht nach oben zu wachsen. Die Stauden haben sich aber schon nach einem Jahr eingerichtet und können ihren Wurzelraum von da an besser verteidigen. Gut gelang das vor allem der Haselwurz (Asarum). Zusätzlich entdeckte ich in diesem Versuch einen weiteren lebenskräftigen Bodendecker, das noch ziemlich unbekannte Rüsselsternchen (Vancouveria hexandra). Mittlerweile nimmt es ein Viertel der Versuchsfläche ein. Schatten unter Bäumen sollte also kein Hindernis für Staudenpflanzungen sein. Es leuchtet aber ein, dass Schatten im Garten ganz unterschiedlich sein kann. Selbst unter Bäumen ist er sehr differenziert: Laubbäume bieten im Frühjahr einige Wochen Licht für Blumenzwiebeln, unter Nadelbäumen ist es immer dunkel. Meine Lebensbaumhecken sind auf der Ostseite halbschattig und trocken, auf der Westseite deutlich feuchter (Regen!). Der Schatten an einer Hausmauer ist anders zu bewerten als der Schatten unter Koniferen, usw. Jeder kennt den Begriff „Regenschatten“, in dessen Bereich sich die Situation noch verschärft. Denn auf der Ostseite einer Mauer reicht das bloße Fehlen von Baumwurzeln nicht aus, um das Wachstum der Stauden zu ermöglichen – es ist dort einfach zu trocken!

» Sonne erwünscht: Wiesenstauden

Als wahrer Gartenheld erwies sich der Wald-Geißbart (Aruncus dioicus). Er steht noch heute dort, wo ich ihn einst pflanzte, ohne wesentlich in die Breite gegangen zu sein. Der Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum) steht ihm an Durchhaltekraft und Schattenvertraglichkeit nicht nach, breitet sich aber bodendeckend und verdrängend in die Umgebung aus. Noch eine Entdeckung aus dem Schattenversuch muss genannt werden, die Falsche Alraunwurzel (Tellima grandiflora). Sie wächst im Schatten dort, wo nichts anderes mehr wachsen will. Schade, dass ihr deutscher Name so misslungen ist. Ich habe sie „Alaska-Alraune“ getauft, das passt. An dieser Stelle muss ich noch ein Loblied auf die Elfenblumen anstimmen. Ebenfalls seit Jahrzehnten stehen sie als Streifen am Rand unseres Einfahrtsweges im Schatten einer Spierstrauch- Hecke. Kaum gedüngt, selten gewässert, einmal pro Jahr abgeschnitten – mehr nicht. Und sie sehen in jedem Jahr gleich gut aus. Es ist die Rote Elfenblume, Epimedium x rubrum. Die immergrüne Art, Epimedium perralderianum, verhält sich bei mir ebenso. Andere Varianten sind allerdings nicht so vital.

» Gartengestaltung: Gehölz-Unterpflanzung

Bärenfell-Schwingel, Festuca gautieriNoch so einen Schattenhelden kann ich nennen: den immergrünen Kleinen Bärenfell-Schwingel, Festuca gautieri ‘Pic Carlit’, einen Wildfund aus den Pyrenäen. Sein Platz ist seit Jahrzehnten im Schatten unserer Birken auf der Krone einer kleinen Trockenmauer. Er blüht kaum, bekommt selten Wasser oder Dünger, wird nie braun und hat im Laufe der Jahre schon etwa einen Quadratmeter erobert. Besucher, denen ich das stachlige grüne Polster zeige, wollen mir die Geschichte meist nicht glauben. Selbst unter den Farnen fand ich so einen schattenverträglichen Helfer. Es ist der Frauenhaarfarn, Adiantum venustum. Er ist wintergrün bis Anfang März, wird nur ca. 20 Zentimeter hoch und breitet sich langsam bis in den tiefen Schatten aus. Wer ihn bei uns sieht, ist von der Schönheit der kleinen Wedel begeistert. Leider braucht er an einem neuen Standort zwei bis drei Jahre, um zu begreifen, dass er eigentlich eine Bodendecke bilden soll. Zur farblichen Auflockerung des Grüns habe ich zwei buntblättrige Favoriten dazwischen gepflanzt: das Kaukasus-Vergissmeinnicht und das Gefleckte Lungenkraut. Von beiden gibt es neue Sorten mit prächtiger, meist silbriger Blattzeichnung. Sie sind unkompliziert, anpassungsfähig und ausdauernd. Es ist mir jedes Mal eine Freude, sie im Grün des Schattengartens zu entdecken. Und nun denken Sie sich in diese Szenerie noch üppige Horste von Tränendem Herz, Hosta, Astilben, Salomonssiegel, Wald-Geißbart, Wald-Glockenblume und Astilben. Dann ist der Schattengarten kein Verlust sondern eher ein Gewinn.
Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei "Karl Foerster" in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen. Mehr über den Karl-Foerster-Garten erfahren Sie im PotsdamWiki.

Extra-Tipp: Farbiger Blattschmuck

In einer Angelegenheit wiederhole ich mich immer und immer wieder gern: In Schattenbereichen sind die Blattschmuckstauden die eleganteste Lösung. Funkien und Purpurglöckchen (Heuchera) mit ihrer unglaublichen Sortenfülle sind ziemlich populär. Ich schwöre außerdem auf:
• Regenbogenfarn (Athyrium nipponicum)
• Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum)
• Schaumkerze (Tiarella)
• Lungenkraut (Pulmonaria saccharata)
• Kaukasusvergißmeinnicht (Brunnera macrophylla)

Kleiner Trick mit Fuchsien

FuchsienDie Fuchsien sind die Passion meiner Frau, Stauden sind mir einfach näher. Doch ihre kleine Leidenschaft kommt mir eigentlich sehr entgegen. Wo so gar nichts Blühendes im Schattengarten gedeihen will, sind nämlich die Fuchsien in Töpfen die Retter in der Not. Sie werden vorsichtig zwischen den Stauden platziert, bis sie im Herbst zum Überwintern wieder hereingeholt werden. Von Juni bis Anfang Oktober bringen sie mit ihren Blüten aber Farbe in die dunklen Bereiche.

Die besten Fuchsien-Sorten in unserem Garten

Sie haben sich in Halbschatten und Schatten bewährt. ‘Alfred de Groet’ (fliederfarben), ‘Annabell’ ( weiß), ‘Cloverdale Pearl’ ( rosa), ‘Emelie Aubin’ (weiß/rosa), ‘Freundeskreis Leonberg’ (rosarot/ zart fliederfarben, im Foto),‘Kardinal Farges’ (rot/weiß), ‘Morgenrood’ (weiß/rot), ‘Nancy Lou’ ( rot/weiß), ‘White Water’ (weiß), ‘Whitenights Pearl’ (zartrosa).

» Blütenpracht den ganzen Sommer: Fuchsien
Newsletter-Anmeldung

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Das Ratgebermagazin für Gartenliebhaber. Jeden Monat neu mit einer Vielzahl Tipps und Ratschlägen für den Zier- und Nutzgarten, mit Gestaltungsideen, Trends und Neuheiten rund um das Hobby Garten. Dazu wunderschöne Fotos aus liebevoll angelegten Privatgärten.

Editorial lesen Abonnieren

Aktuelle Ausgabe

GartenFlora Shop

Folgen Sie uns auf Facebook    Folgen Sie uns auf Twitter

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr