Sommer aus der Tüte

» Bildergalerie: So keimen Samen sicher

Der erste kecke Winterling wühlt sich strahlend gelb aus seiner eisglitzernden Erdhülle: Startzeichen für mich, die alte Keksdose aus dem Keller zu holen und die Samentütchen darin durchzusehen. Sonnen- und Ringelblume, Bechermalve, Duftsteinrich – sie alle haben noch Zeit. Vor April brauche ich mich um diese leicht und schnell wachsenden Arten nicht zu kümmern. Außerdem können ihre Samen auch direkt an Ort und Stelle in den Boden. Doch hier: das Männertreu mit seinen hübschen Blüten. Endlos langsam hat es sich im vergangenen Jahr entwickelt. Und erst Mitte August sein entzückendes Enzianblau gezeigt. Das passiert mir nicht noch mal. Dieses Jahr wird’s vorgezogen!

Auch Löwenmaul, Ziertabak und Fleißiges Lieschen zählen zu den Langsamstartern, die es während der Keimphase zudem gleichmäßig warm und feucht mögen. Sie werden bereits im zeitigen Frühjahr unter Glas ausgesät und erst später, sobald keine Fröste mehr zu erwarten sind, in den Garten gepflanzt. Für die Vorkultur benötigen Sie eine möglichst helle, südseitige Fensterbank. Schließlich sind die Tage im Februar noch recht kurz und die Keimlinge bilden bei zu dunklem Stand unnatürlich lange, dünne Hälse. Rücken Sie die Saatschalen daher möglichst nah an die Scheibe. Noch besser, da besonders lichtreich, wäre ein Standort im beheizbaren Glashaus oder Wintergarten. Auch eine zusätzliche Pflanzenlampe kann nutzen. Bei sehr wärmebedürftigen Arten sorgen darüber hinaus Heizmatten oder beheizbare Mini-Gewächshäuser für ein molliges Fußklima.

Damit die heranwachsende Sommerblumenbrut aber nicht allzusehr verzärtelt wird und außerdem gedrungen wächst, heißt es nach erfolgter Keimung: Abhärten! Lüften Sie regelmäßig und senken Sie die Temperatur um einige Grade bzw. stellen die Saatschalen in einen kühleren, ebenfalls sehr hellen Raum. So wächst eine Generation kräftiger, gesunder Setzlinge heran, mit reichlich Blütenknospen in den Startlöchern und bereit, Beet, Balkon und Terrasse mit ihrem sommerlichen Flor zu überziehen. Das Beste aber: Manch eine dieser „Selbstgezogenen“ bekommen Sie in keiner Gärtnerei.

Saskia Richter

Jetzt ist Ausaatzeit

Erde: Hochwertige Substrate bieten beste Aussaatbedingungen. Spezielle Anzuchterden sind keimfrei sowie gut wasser- und luftdurchlässig, damit die empfindlichen Sämlingswurzeln nicht faulen. Zudem sind sie nur schwach gedüngt, um Salzschäden zu vermeiden. Tipp: Sieben Sie die Erde für die oberste Topfschicht. Auf dem feinen Saatbett lassen sich die winzigen Samen vieler Sommerblumen gleichmäßiger verteilen.

Licht: Hungrig nach Licht sind viele der frühen Sommerblumen-Saaten. Die sogenannten Lichtkeimer werden daher lediglich auf das eben gezogene Substrat gestreut und leicht angedrückt, aber nicht zugedeckt. Anders die Dunkelkeimer: Sie wollen eine Schicht gesiebter Erde über sich, die in etwa der Stärke ihrer Samenkörner entspricht.

Gießen: Gleichmäßig feucht, jedoch nie pitschnass – das braucht’s für den Keimerfolg. Die Töpfe und Schalen nach der Aussaat sanft mit Wasser überbrausen. Dann mit einer Glasscheibe, einer klaren Folie oder Haube abdecken, damit die Erde nicht so rasch austrocknet. Zudem entwickelt sich unter der Abdeckung eine hohe Luftfeuchte. Gut für keimende Samen!

Pikieren:
Getrennte Wege gehen sollten die Sämlinge, sobald sich nach den Keimblättern die ersten „richtigen“ Blätter entfalten. Die Pflänzchen mit einem Pikierstab vorsichtig aus der Erde holen und überlange Wurzeln etwas ein- kürzen. Dann in weitem Abstand in größere Schalen, Einzeltöpfe oder Multitopfpaletten setzen, seitlich andrücken und angießen.

Zweijährige: Blüten schon im ersten Jahr!

Stockrose, Goldlack, Fingerhut und Bart-Nelke sind typische Zweijährige: Sie werden ab Frühsommer, von Mitte Mai bis Juli ausgesät und später in den Garten gepflanzt. Dort überwintern sie als grüne Blattrosetten, treiben in der darauffolgenden Saison ihre Blüten und sterben anschließend ab. Bei einigen lässt sich dieser natürliche Zweijahres-Rhythmus jedoch überlisten, durch eine sehr frühzeitige Aussaat ab Februar. Der Flor zeigt sich dann noch im selben Jahr. Das funktioniert zum Beispiel bei einigen Stockrosen-Sorten (Alcea rosea) wie ‘Fiesta Time’, ‘Dublette Mischung’ und ‘Spring Celebrities’, bei Alcea ficifolia ‘Happy Lights’, Fingerhut (Digitalis purpurea) ‘Primrose Caroussel’, Bart-Nelke (Dianthus barbatus) ‘Bodestolz F1’, Land-Nelke (Dianthus caryophyllus) ‘Ikat’, Island-Mohn (Papaver nudicaule) und bei der Purpur- Königskerze (Verbascum phoeniceum).

Sommerblumen mit langer Vorkultur, Ausaat ab Februar

(Name/Keimdauer in Grad Celsius/Licht- o. Dunkelkeimer/Blütezeit)

Leberbalsam (Ageratum houstonianum), 18–20, Dunkelkeimer, VI–X
Löwenmaul (Antirrhinum majus), 18–22, Lichtkeimer, VII–X
Mittagsgold (Gazania-Hybriden), 20–22, Dunkelkeimer, VI–X
Vanilleblume (Heliotropium arborescens), 18–22, Lichtkeimer, VI–X
Fleißiges Lieschen (Impatiens walleriana), 18–22, Lichtkeimer, V–X
Männertreu (Lobelia erinus), 18–20, Lichtkeimer, VI–IX
Ziertabak (Nicotiana x sanderae, N. alata), 18–20, Lichtkeimer, VI–X
Berg-Tabak (Nicotiana sylvestris), 18–20, Lichtkeimer, VI–IX
Bartfaden (Penstemon hartwegii), 16–18, Lichtkeimer, VI–IX
Petunie (Petunia-Hybriden), 20–22, Lichtkeime,r V–X
Mehl-Salbei (Salvia farinacea), 18–20, Dunkelkeimer, VI–X
Feuer-Salbei (Salvia splendens), 20–22, Dunkelkeimer, VI–IX
Spaltblume (Schizanthus x wisetonensis), 16–18, Lichtkeimer, VII–IX
Argentinisches Eisenkraut (Verbena bonariensis), 18–22, Lichtkeimer, VII–X
Verbene (Verbena-Hybriden), 20–22, Lichtkeimer, VI–X

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