Rozanne und ihre Familie

Geranium im Garten

Bodendeckende Storchschnäbel als Wegeinfassung tragen dazu bei, harte Kanten zu kaschieren und Wege optisch aufzulockern.

Manchmal treibt die Werbung schon seltsame Blüten. Doch sie wirkt: Auch wir widmen ‘Rozanne’, dem berühmten Vorzeigekind der Storchschnäbel, unseren Texteinstieg. Ehe wir ausgiebig auf all ihre wundervollen Geschwister schauen ...

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Eine einzigartige Auszeichnung

Noch nie gehört von der „Jahrhundertpflanze“? Kein Wunder, schließlich wurde diese hohe Auszeichnung (anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Chelsea Flower Show in London) bisher nur ein einziges Mal vergeben. Ein Allround-Talent sollte gekürt werden, ein Blüten- und zugleich Blattschmücker, pflegeleicht und am besten auch noch schneckenfest…

Natürlich machte eine Storchschnabel-Sorte das Rennen. Genauer: ‘Rozanne’. Wer sonst? In keiner anderen Pflanzengattung stellt eine einzige Sorte alle anderen so selbstverständlich in den Schatten. Und das, obwohl es etwa 800 weitere Geranium-Sorten gibt!

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‘Rozanne’ hat viele Stärken

Das liegt zweifellos an ‘Rozannes’ Vorzügen wie einer dauerhaften Blüte von Mai bis zum Frost, guten Bodendeckereigenschaften und gesundem Wuchs. Ein bisschen aber auch an der Vermarktung. Welche Pflanze hat schon eine eigene Homepage (www.geraniumrozanne.com) und beantwortet E-Mails (rozanne@geraniumrozanne.com)?

Weitere prämierte oder ganz neue Sorten finden Sie im Beitrag. Trotz der Fülle bleibt ‘Rozanne’ Ihr Favorit? Kein Problem, Sie befinden sich in bester Gesellschaft. Zum Redaktionsschluss hatte ‘Rozanne’ auf ihrer privaten Facebookseite (https://www.facebook.com/geraniumrozanne/) bereits 44732 likes gesammelt.

Die Storchschnäbel sind ja ein wirklich entspanntes Völkchen. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sich sämtliche Wildarten munter und kunterbunt miteinander kreuzen. Jahr für Jahr entstehen dadurch neue, wertvolle Sorten, beim Züchter wie in Privatgärten. Viele davon landen irgendwann in Prachtrabatten, zwischen den gerüstbildenden Hochstauden. Zauberhafte Storchschnäbel möchte man dabei lieber als Webepflanzen denn als Lückenfüller bezeichnen.

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Kräftige Farben und Pastelltöne

Besonders hübsche Farbmuster weben die Armenischen Storchschnäbel (Geranium psilostemon) wie ‘Kolchis’ oder ‘Ivan’ mit ihren kräftig magentarot leuchtenden, dunkel geäugten Blüten. Die Bedingungen in einer Prachtrabatte (Sonne und frischer, nährstoffreicher Boden) kommen ihnen gerade recht. Ihre kräftige Farbe schafft in Kombination mit Orange- und Scharlachtönen, z. B. mit Schafgarbe ‘Feuerland’, einen beinahe grellen Blickfang! Ein ganz ungewohntes Bild bei den für ihre sanften Pastelltöne bekannten Storchschnäbeln.

Auch blaue Dauerblüher wie ‘Nimbus’ und ‘Rozanne’ sind tolle Begleiter für hohe Prachtstauden. Mit der Zeit bedecken eine oder zwei dieser Pflanzen einen ganzen Quadratmeter, ohne zu wuchern: Von ihrem Horst aus recken sich ihre Triebe einfach in alle Richtungen. Wo sie stören, können sie jederzeit abgezwackt werden. Ein kräftiger Rückschnitt nach der Blüte animiert zudem zur Nachblüte im Herbst.

Schmückende Blätter

Weiter vorne im Beet oder als Fußvolk für Rosen eignen sich niedrigere, um die 30 cm hohe Sorten wie all die prämierten Kinder des Blut-Storchschnabels (Geranium sanguineum). Das hübsch geschlitzte Laub von ‘Apfelblüte’ oder ‘Elsbeth’ sorgt dank intensiv roter Herbstfärbung auch lange nach der Blüte noch für Farbe.

Ein echter Blattschmücker, und damit die ideale Wahl für die Einfassung des Beetes an Weg oder Terrasse, ist aber der Kaukasus- Storchschnabel (G. renardii) mit seinem niedlichen, pelzigen Runzellaub. Die Wildart mit ihren hellen, purpur geaderten Blüten bleibt dabei besonders niedrig. Ihre fliederfarbenen Sorten ‘Philippe Vapelle’ oder ‘Terre Franche’ werden ein wenig höher, blühen aber auch reicher als die Wildart.

Und selbstverständlich darf unter den Blattschmückern der Braune Storchschnabel (Geranium phaeum), allen voran seine Sorte ‘Samobor’, nicht fehlen. Sie gefällt mit braunrot gezeichneten Blättern, verträgt Schatten und Trockenheit – eine tolle Pflanze. Allerdings hat sich der Braune Storchschnabel auch als besonders eifriger Selbstaussamer einen Namen gemacht. Und mal ehrlich, wer möchte bei einer Blütezeit von Mai bis August zwischen all den neuen Knospen ständig die jungen Samenstände ausbrechen?

Geranium phaeum bleibt daher eher ein Tipp für den naturnahen Gehölzrand. Und für Staudenfreunde mit Sammlerlust! Für sie gibt’s bei den Storchschnäbeln ja überhaupt viel zu holen. Wer allerdings ‘Jolly Bee’ als Sammlerstück  zählte ... nach genetischer Untersuchung  entpuppte sich die Sorte als identisch mit ‘Rozanne’. Da ist sie also wieder!

Kerstin Ackermann

Extra-Tipps

Von einnehmendem Charakter

Ein wirklich bezaubernder Bodendecker – und dazu noch eine kleine Rarität – ist G. x riversleaianum ‘Mavis Simpson’. Kompakte 25 cm Höhe, flaumig behaartes Laub und rosasilbrige Blüten von Mai bis Oktober, was will man mehr? Dafür verlangt ‘Mavis Simpson’ aber auch Sonne und einen wirklich durchlässigen Boden. Das heißt: ruhig viel Schotter und Kies einarbeiten!

Auch der Top-Bodendecker schlechthin, Geranium macrorrhizum mit Sorten wie ‘Czakor’ oder ‘Spessart’, schätzt solche Verhältnisse. Mit seinen Ausläufern bildet er in Sonne und tiefem Schatten schnell dichte Teppiche, die selbst Unkraut Paroli bieten (empfohlen werden etwa acht Pflanzen/m2).

Tolle Bodendecker, aber etwas zarter im Wuchs, sind auch Geranium x cantabrigiense und G. himalayense mit der neuen, weiß-violett blühenden Sorte ‘Derrick Cook’. Nach der Blüte Ende Juli kann sie ruhig einmal mit dem Rasenmäher gekappt werden, um ihr zur Nachblüte zu verhelfen.

Für die ganz harten Verhältnisse unter Bäumen (trocken, schattig, Wurzeldruck) eignen sich aber vor allem Geranium nodosum, G. versicolor und der überaus konkurrenzstarke G. x oxonianum.

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Garten-Juwelen


Storchschnäbel sind zwar durchaus Sonnenkinder, benötigen an einem sehr hellen Standort aber meist auch reichlich Nass. Nur wenige trotzen Hitze, Sonne und Trockenheit. Ein Juwel im Steingarten ist dabei der wunderbare Graue Storchschnabel (G. cinereum). Die rosa- und karminroten Blüten von ‘Ballerina’, ‘Giuseppii’ oder der neuen Sorte ‘Signal’ stehen nur 20 cm hoch über grauen, lockeren Blattpölsterchen. Auch in Pflanzkästen auf dem Südbalkon sieht der Kleine bezaubernd aus.

Dank seines besonders tiefgehenden Wurzelwerks verträgt auch der Blut-Storchschnabel (G. sanguineum) viel Trockenheit. Er kann zum Beispiel im Kiesbeet eingesetzt werden, wo andere Prachtstaudenbegleiter versagen. Der Blut-Storchschnabel bildet Kugel-Horste zwischen 20 und 50 cm Höhe. ‘Tiny Monster’ ist dabei die wuchsfreudigste Sorte. Besonders schön als Blütenvorhang an der Mauerbrüstung.
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