Mönchspfeffer – der Keuschbaum

Mönchspfeffer und Hortensien

Während der vergehende Flor von Hortensie ‘Annabelle’ ins Blassgrüne wechselt, wird der Mönchspfeffer noch lange Farbe bekennen. Beide wollen nie austrocknen, fürchten aber nasse Füße im Winter.

Duftende Blütenähren zu einer Zeit, in der andere Pflanzen bereits ihr Laub verlieren. Hübsche, an Hanf erinnernde, duftende Blätter und ein adretter Wuchs. Früchtchen, die es in sich haben, würzig und heilsam. Und das alles bekommt man recht kompakt, an einem kaum mehr als mannshohen Sträuchlein. Da können tatsächlich nur wenige mithalten. Im Mittelalter stand jedoch eine Eigenschaft des Mönchspfeffers ganz klar im Fokus: Seine kleinen Pfefferfrüchte helfen bei der „Abkehr von der weltlichen Liebe“, wie sie den Mönchen abverlangt war. Ihre Inhaltsstoffe beeinflussen die Bildung des Hormons Prolaktin, dieses wiederum wirkt sich auf den Testosteron-Pegel aus … Kein Wunder, dass sein botanischer Name Vitex „agnus-castus“ so viel wie „keusches Lamm“ bedeutet. Heute stehen eher andere Dinge, zum Beispiel der unerfüllte Kinderwunsch, im Blickpunkt. Doch auch hier kann der Mönchspfeffer helfen – nun allerdings den Damen der Schöpfung, denen er gegebenenfalls auch über das Prämenstruelle Syndrom oder Wechseljahrbeschwerden hinweghilft.

» Gartenpraxis: Heilpflanzen am Teich

MoenchspfefferDoch aufgepasst: Wer sich die hübsche Pflanze allein zu Heilzwecken in den Garten holt, der sollte klimatisch begünstigt, etwa im Weinbaugebiet, leben. Denn andernorts reifen die scharfen Beeren aufgrund der sehr späten Blüte (August bis Oktober/November) oftmals nicht richtig aus. Durch den Winter kommt der Mönchspfeffer aber deutschlandweit in der Regel problemlos. Wichtig ist allerdings, dass der Boden nicht winternass, schon gar nicht staunass ist. Zwar wächst die Pflanze ursprünglich an Flussläufen Südeuropas bis Westasiens, gedeiht dort aber im gut durchlässigen Schotterbett. Arbeiten Sie also in lehmige Böden groben Sand, Kies oder auch Blähton ein, um einen guten Wasserabzug zu gewährleisten. Diesen Platz an der Sonne teilt der Mönchspfeffer sich dann, sofern er nicht als Solitär glänzen darf, mit anderen graugrün Belaubten wie Silberblatt-Salbei (Salvia argentea), Muskateller-Salbei, Sanddorn, Lavendel oder Perovskie. Doch möchte er nicht ganz so trocken gehalten werden und ist für eine regelmäßige Extraportion Wasser dankbar. Mit dem Dünger allerdings sollten Sie wirklich sparsam sein. Eine Gabe Kompost im März/April und noch einmal im Juni/Juli reicht völlig, denn fetter Boden verführt den „Keuschbaum“ zu mastigem Wuchs mit weichem, unausgereiftem Gewebe, welches die Winterkälte nur schlecht überdauert.

In einem Beet aus Mönchspfeffer, Lavendel und Perovskie können Sie dann im März, kurz vor dem Neuaustrieb, zur Radikalkur schreiten und alles kräftig stutzen. Der Vitex kann bis auf 3-cm-Stummel (höchstens 20 cm) zurückgesetzt werden, das hält ihn jung und vital und fördert die Blüte, die an den Enden der einjährigen Triebe entsteht. Übrigens gelingt auch die Kübelkultur leicht, obwohl die Pflanze in solch beengten Verhältnissen deutlich frostempfindlicher ist. Da sie im Winter ihr Laub verliert, kann sie ruhig halbdunkel, im kühlen Keller etwa, überwintern. Etwas schwieriger gestaltet sich das Überwintern bei Vitex trifolia ‘Purpurea’, einer sehr hübschen Kübelpflanze mit lavendelfarbenem Laub und violetten Blüten, die auf heißen Sonnenterrassen ein wunderbar würziges Aroma entfaltet. Sie wirft ihr Laub nur ganz kurz im Frühjahr ab und braucht es im Winter daher kühl aber hell. Genauso möchte Vitex doniana ‘Black Plum’ durch die kalte Zeit kommen, eine afrikanische Art mit pflaumenartig süßen Früchten. Sie dient heute noch als Heilmittel gegen die Wolllust, wenn auch nicht ganz nach Mönchmanier: Nigerianische Pavian-Weibchen naschen die Früchte zur Regenzeit, in der eine Schwangerschaft ganz unpassend käme. Dadurch schwillt ihr Hinterteil nicht an, was ansonsten ein untrügerisches Zeichen zur Paarungsbereitschaft gewesen wäre. So sind auch ihre Männer bis auf Weiteres zur Enthaltsamkeit verdammt – ganz schön gewieft!
Kerstin Ackermann

» Gartenpraxis: Die Welt der Duftkräuter
Newsletter-Anmeldung

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Das Ratgebermagazin für Gartenliebhaber. Jeden Monat neu mit einer Vielzahl Tipps und Ratschlägen für den Zier- und Nutzgarten, mit Gestaltungsideen, Trends und Neuheiten rund um das Hobby Garten. Dazu wunderschöne Fotos aus liebevoll angelegten Privatgärten.

Editorial lesen Abonnieren

Aktuelle Ausgabe

GartenFlora Shop

Folgen Sie uns auf Facebook    Folgen Sie uns auf Twitter

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr