Grün und Blau

Sind die Grundstrukturen des Gartens einmal geschaffen, Bäume, Sträucher oder Hecken gepflanzt, Beete und Rabatten angelegt, kann sich der Gärtner entspannt zurücklehnen. Oder aber er wendet sich den Feinheiten zu, die dem Garten erst das gewisse Etwas geben. Es sind vor allem die Farben, die Ruhe oder Dramatik in den Garten bringen, das Raumgefühl und unsere Stimmung beeinflussen. Gerade in den schattigen, stilleren Bereichen sind sanfte, harmonische Farbkombinationen von unvergleichlicher Ausstrahlung. Blattschmuck in nicht alltäglichen Farben ist mehr als nur ein Ersatz für bunte Blütenpracht und überzeugt mit perfektem Aussehen über viele Monate.

Maler wissen um die Macht der Farben, und sie setzen sie ein, um ihren Bildern mal einen temperamentvollen, dramatischen, mal einen verklärten, romantischen Ausdruck zu verleihen. Nichts anderes tun wir im Garten. Wir malen mit Pflanzen und erzeugen so eine ganz individuelle, auf den eigenen Vorlieben beruhende Stimmung. Es kommt dabei nicht auf die einzelne Farbe an, sondern darauf, wie man sie zusammenstellt. Grün kommt in der Natur am häufigsten vor. Es vermittelt zwischen allen anderen Farben, ist sozusagen die Leinwand, wirkt aber dank der Vielfalt an Nuancen vom Lindgrün des Goldhopfens bis zum fast schwarzen Grün der Eibe auch ohne andere Farbtupfen.

Die entspannende Wirkung von Grün lässt sich verfeinern, wenn man ihr ein Schuss Blau hinzufügt. Die ätherische, fast unwirklich scheinende Ausstrahlung solcher Kombinationen hat einen tollen Nebeneffekt: Sie erzeugt die Illusion von Weite. Die kühlende und beruhigende Wirkung bleibt besonders lange erhalten, wenn man bei der Pflanzung mehr auf Blatt- denn auf Blütenschmuck setzt. Es gibt nicht sehr viele Pflanzen mit blauen oder blaugrünen Blättern. Während im Schatten die Funkien unersetzlich sind, kann man an sonnigeren Standorten die verschiedenen Gräser mit blauen Halmen gar nicht hoch genug loben. Wie kalte Blitze leuchten die Blattschöpfe von Blau-Schwingel (Festuca glauca) oder Blaustrahlhafer (Helictotrichon sempervirens) aus einem grünen Umfeld. Das etwas schwungvoller wachsende Magellan-Blaugras (Elymus magellanicus) mit breiteren Blättern ist weniger bekannt. Winternässe verträgt es nicht, sonst ist es völlig hart.Für Winterschutz dankbar ist dagegen die ausdrucksstarke Weinraute (Ruta graveolens ‘Jackman’s Blue’).

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Der härteren, auch im Winter belaubten Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites) und dem selten gepflanzten Blauzungen-Lauch (Allium karataviense) gehört ebenfalls ein sonniger Platz reserviert. Wer dann einmal Gefallen an dem subtilen Farbspiel von Grün und Blau gefunden hat, kann mit den Blaumachern unter den Blütenstauden beliebig fortfahren. Kennen Sie eigentlich noch Großmutters gängige Regel für die Kleiderordnung: „Grün und Blau trägt Kaspers Frau ...“? Mittlerweile längst eine Weisheit von gestern, die Gärten von heute führen es uns vor.

Elke Pirsch

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Der Superstar im Schattengarten ...

...ist die Funkie. In fast jedem Garten trifft man auf einige ihrer unzähligen Spielarten. Die exzellente Schattenstaude aus Ostasien bietet grüne, blaue, goldgelbe und mehrfarbige Blätter. Blaue Sorten gehören unbedingt in den Schatten, sie vertragen keine Sonne. Neben dem Klassiker Hosta sieboldiana ‘Elegans’ sind ‘Blue Angel’, ‘Krossa Regal’, ‘Blue Cadet’ oder die zierlicheren ‘Halcyon‘ und ‘Blue Moon’ beliebte blaue Sorten. Rein blaue Funkien wirken am schönsten, wenn lindgrüne Stauden in der Nachbarschaft ihr Blau zum Leuchten bringen. Dafür können Sie Schwestern aus den eigenen Reihen, wie ‘August Moon’ oder ‘Gold Edger’ oder andere grüngelbe Schattenstauden, wie Filipendula ‘Aurea‘ verwenden. Die schönsten Funkien aber tragen grün und blau im eigenen Blatt: ‘Frances Williams’, ‘Wide Brim’, ‘June’ oder ‘Touch of Class’.

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