Die Welt der Wildstauden

Wildstauden

Spornblumen (Centranthus ruber) stammen aus dem Mittelmeerraum, gelten bei uns aber als eingebürgert. Ihnen zur Seite: gelber Lerchensporn (Corydalis lutea), zarte Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis) und Glockenblume.

Faules Gärtnern. Naturnahes Gärtnern. Zwei Trends, die nichts miteinander zu tun haben? Und ob! Bei beiden mischen unsere einheimischen Wildstauden ganz vorne mit! Wir stellen die schönsten Akteure schon einmal vor.

Die Sonne lacht – auf geht’s ins Grüne! Über sonnigen Hängen webt die Dornige Hauhechel ihre rosafarbenen Blütenschleier. Hier und da durchsetzt vom kräftigen Violett des Wiesen-Salbeis, der Anfang Juni, zu blühen beginnt. Am Wegesrand unterbrechen leuchtend gelbe Odermennige immer wieder das pastellfarbene Idyll.

Futterquellen für viele heimische Insekten

Und während sich an den schmalen Blütenröhren des Ziests dicke Hummeln laben, werden die üppigen Dolden der Schafgarbe von fleißigen Schwebfliegen umschwärmt. So hat jede Wildpflanze ihren ganz persönlichen Bestäuber: Lang-Rüssler für lange Blütenröhren, Kurz-Rüssler für offene Blütenkörbe.

Dieses Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen ist allein schon Grund genug, den Einheimischen auch im Garten einen Platz zu gewähren: Sie bieten unseren Nützlingen Nahrung, während Exoten oder hochgezüchtete Sorten oftmals mit Speis und Trank geizen.

Einige Wildbienen sind Spezialisten

Manche Wildbienen sind gar so spezialisiert auf eine bestimmte Pflanzenart, dass sie ohne diese gar nicht leben können. Die Knautien-Sandbiene oder die Reseden-Maskenbiene zum Beispiel sind solch spezielle Geschöpfe. Ihre Futterpflanzen im Garten (oder auf dem Balkon) zu kultivieren ist daher stets auch ein aktiver Beitrag zum Naturschutz.

Doch auch weniger naturverbundenen Gartenfreunden bieten die wilden Blümchen handfesten Gewinn: Sie schenken Zeit. Es liegt auf der Hand: Eine Pflanze, die sich ohne jede Pflege seit vielen Jahrhunderten in der Natur behauptet, wird auch im Garten – am richtigen Standort – kaum unter Schädlingen, unwirtlicher Witterung oder gar Vernachlässigung leiden.

So verzichten Wildstauden auf Düngergaben oder Winterschutz. Und sind sie erst einmal gut eingewachsen, kann man sich auch das Gießen schenken. Ausgewiesene Trockenkünstler unter ihnen sind somit die ideale Empfehlung für den reiselustigen Südbalkonbesitzer. Die Färberkamille, das Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium), die Heide-Nelke, der Purpurblaue Steinsame (Lithospermum purpurocaeruleum) oder die Hauhechel sind da nur wenige Beispiele.

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Für Stellen wie am Waldrand

Blauer EisenhutEbenso unkompliziert, aber nicht ganz so enthaltsam wie die Sonnenanbeter sind unsere Schattenblumen. In freier Natur besiedeln sie Waldränder und Lichtungen. Das bedeutet: Für nahrhaften Laubhumus ist hier stets gesorgt.

Pflanzen Sie daher Eisenhut, den fast zwei Meter hohen Wald-Geißbart (Aruncus dioicus), die wunderschöne Wald-Glockenblume (Campanula latifolia) oder das nahezu unbekannte Immenblatt (Melittis melissophyllum) am besten dorthin, wo das herbstliche Falllaub liegen bleibt.

Ideal für Problemstandorte

Die meisten dieser Waldrandbewohner mögen dabei eher frischen Boden. Der ungewöhnlich dunkel blühende Braune Storchschnabel (Geranium phaeum), der silbrig-rosafarbene Knotige Storchschnabel (G. nodosum), die Goldnessel (Lamium galeobdolon) und die Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) sind jedoch nahezu unverwüstliche Lebenskünstler, die selbst eine Kombination aus Schatten, Trockenheit und Wurzeldruck nicht schreckt. Ideal für Problemstandorte!

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Manche sind an nährstoffarme Standorte angepasst

Das einzige, was also zu tun ist: Pflanzen Sie die Wilden an einen Platz, der ihrem Naturstandort ähnlich ist. Und achten Sie auf die Nachbarschaft. Durch Anpassung an geringe Nährstoffgehalte führt ein gut versorgter Boden bei unseren Wildpflanzen kaum zu höheren Zuwachsraten. Ganz im Gegensatz zu vielen Prachtstauden, die wahre Prasser sind.

Gedeihen die Einheimischen im gut versorgten Beet also neben Pfingstrosen oder edlen Rittersporn-Züchtungen, werden sie bald den Kürzeren ziehen. Auf ärmeren Böden dagegen sind die zarten Wilden die großen Gewinner.

Merkmale einer Wildstaude

Bleibt die Frage: Was eigentlich ist eine Wildstaude? Nun, streng gesehen gilt das als einheimisch, was bereits vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus, also vor 1492, bei uns in freier Natur vorkam.

Doch seither fanden zahllose weitere Arten ihren Weg zu uns: Eingebürgerte wie die Spornblume gehören heute zum Landschaftsbild. So bleibt der Begriff „einheimisch“ schwammig, fest steht aber: Alle hier vorgestellten Pflanzen finden sich zwischen Nordsee und Alpenraum in freier Natur ... Wo sie im Übrigen auch bleiben sollten. Bitte entnehmen Sie keine Pflanzen vom Naturstandort!

Es gibt noch Raum für botanische Überraschungen

In Ihrer Nähe gibt es bestimmt gute Gärtnereien, die diese Arten führen. Greifen Sie dort auch ruhig zu einer naturnahen, offen blühenden „Sorte“. Nicht immer handelt es sich dabei um Züchtungen. Storchschnabel ‘Mayflower’ zum Beispiel entwickelte sich als Mutation in freier Natur und wurde einfach gärtnerisch erhalten.

Welche Wildarten wohl noch ihren Weg in die Gärtnereien finden werden? Im Zuge des Naturgarten-Trends sind es immer mehr. Und: Bisher werden nur etwa 5 Prozent unserer heimischen Arten als Gartenpflanzen genutzt. Viel Potenzial für Überraschungen!
Kerstin Ackermann

Wilde Stauden im Frühling

LeberblümchenDer weitaus größte Teil unserer heimischen Frühlingsblüher lebt im Wald. Das zwingt sie zu einer einfachen Strategie: Nutze das Licht, solange es da ist! Also ehe die Bäume ihr Laubdach schließen.

Um schon so zeitig im Jahr startklar zu sein, überdauern Leberblümchen, Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) und viele andere den Winter mit Hilfe von Speicherorganen, wie Rhizomen oder Zwiebeln. In ihnen schlummert die Energie, die wie auf Knopfdruck abgerufen werden kann, sobald es ab Ende Februar ein wenig milder wird.

Einige unserer Frühjahrsblüher sind überaus wichtige Trachtquellen für die ersten Bienen und Hummeln. So zum Beispiel die immergrüne Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) mit ihrem hübschen fächerförmigen Laub und den originellen hellgrünen Blüten. Stinken tut sie übrigens nur, wenn ihre Blätter allzu arg malträtiert werden.

Sehr wertvoll ist auch das Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) mit seinem charmant betupften Laub. Oder die Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus), die mit ihren ab März erscheinenden, blau-violett leuchtenden Blüten die noch kahlen Gehölzbereiche aufpeppt.

Wilde Stauden im Herbst

Unter den Herbstblühern im Wildstaudenbeet gibt’s zwei besonders schöne Gruppen. Zum einen tummeln sich hier die Astern, allen voran die heimischen Berg-Astern (Aster amellus). Ihre Wildform ist kaum noch im Handel zu finden. Wohl aber ihre naturnahen Auslesen und Züchtungen, die sich in Höhe, Farbtönung und auch Standfestigkeit unterscheiden. Sehr empfehlenswert sind die nur 40 cm hohe ‘Mira’ und die über 60 cm hohe, deutlich dunkler gefärbte ‘Veilchenkönigin’. Daneben sorgt die goldgelb leuchtende Goldhaar-Aster (Aster linosyris) bis in den November hinein für Sonne im Beet.

Eine zweite große Gruppe bilden die Malvengewächse. Der Eibisch (Althaea officinalis) mit seinen lilarosa Blüten und dem samtigfeinen Laub wird bis zu zwei Meter hoch. Auch die Thüringer Strauchpappel (Lavatera thuringiaca) erreicht deutlich mehr als einen Meter Höhe, so dass diese beiden zu den ganz wenigen Alleinunterhaltern unter den Wilden zählen. Die Moschus-Malve (Malva moschata) macht ihre geringere Wuchshöhe (60 cm) durch feinen Blütenduft wett.

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