Der Staudengarten im Herbst

Staudenbeet im Herbst

Einige Monate lang schmücken die silbrigen Wedel vom Chinaschilf ‘Kaskade’ den Garten. In der „Herbstpartie“ des Gartens ist noch allerhand am Blühen. Kerzenknöterich, verschiedene Astern, Sonnenhut und die Dahlie ‘New Age’ halten bis in den Oktober die Stellung.

Komm, lass uns einmal in Ruhe durch den Garten gehen, ich liebe diese Zeit der langen Schatten“. Eine Verlockung, der ich nicht widerstehen kann. Meine Frau meinte das milde Licht der schräg stehenden Abendsonne, das die Formen der Gehölze und Stauden als lange Schatten auf die Rasenfläche malt. Wir gingen natürlich zuerst zu unserem Chinaschilf. Silbrig leuchten die Wedel von ‘Kaskade’ im Gegenlicht, und wir wissen, dass sie noch monatelang den Garten schmücken werden. Daneben steht das Diamantgras (Calamagrostis brachytricha). Straff, fahlgelb – eine verhaltene Schönheit, aber wir möchten es im Herbst und bis hin zum ersten Reif nicht missen. Dass es sich gelegentlich selbst aussät, ist uns willkommen. Die Rasen-Schmiele (Deschampsia) ein Stück weiter habe ich schon zurückgeschnitten. „Ein Fehler“ kommentiert meine Frau, „die zarten Halme könnten bis in den Winter stehen bleiben“. Das Tautropfengras (Sporobolus) neben der Taglilie entging diesem Schicksal. Es scheint, als ob unter seinem Grasbüschel ein Igel seine Winterburg gebaut hat. Schade, dass wir das Riesen-Pfeifengras (Molinia) nicht mehr haben. In unserem Schattengarten war es nicht standfest genug. Es ist das schönste der Herbstgräser. Seine goldbraunen Halme würden jetzt im Gegenlicht den Garten regelrecht verzaubern. Doch nach den ersten Bodenfrösten im November fallen seine Halme wie ein Bündel Mikadostäbe auseinander – vorbei die Schönheit. Und schon sind wir bei den Rhododendren. Der Teppich der Ranken-Schaumkerze (Tiarella) hat an der Sonnenseite eine bordeauxrote Färbung angenommen. Seine Blätter halten diese Farbe bis zum Neuaustrieb im Frühjahr. An der Rasenkante vor den Rhododendren stehen die Astilben. Ihr Blattwerk fällt langsam braun in sich zusammen. Aber noch immer ragen die Blütenstängel kupferfarben aus dem morbiden Laub empor. Wir werden uns noch monatelang daran freuen können.

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Stauden Inselgarten PotsdamDer Straußenfarn (Matteuccia) macht es übrigens ebenso. Ich weiß, vor diesem Wucherer warne ich regelmäßig. Und dennoch lasse ich immer wenigstens einen großen Trichter stehen. Wenn der jetzt fahlgelb zusammenfällt, dann steigen aus ihm die wunderbaren braunen Sporenwedel empor. Auch die haben bei uns Bleiberecht bis zum Frühjahr. „Wollen wir noch zu den Silbertalern gehen?“ Natürlich wollen wir. Wir haben die ausdauernde Form (Lunaria redivia) erst einige Jahre, aber wir lieben sie. Ihre länglich-ovalen Samenstände leuchten wochenlang durch den Herbst. Leider sind in diesem Jahr nicht so viele „Silbertaler“ daran. Dafür wissen wir: Diese robuste Staude mit den schönen weißen Blüten möchten wir nicht mehr missen. „Hier liegen noch die Beeren der Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum)“. Meine Frau hat sie entdeckt. Die Stiele, jeder mit einer Reihe blauer Beeren, waren mehrere Wochen eine besondere Zierde im Garten. Nun sind sie abgeknickt, und die Beeren warten darauf, ihre Samenkörner entlassen zu können. Nächstes Jahr wird es viele Sämlinge geben. Übrigens: Die Beeren sind giftig. Vorsicht also, wenn Kinder im Garten sind.

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Funkien mit HerbstfärbungAndere Staudenfrüchte wie die roten Beeren des Duftsiegels (Smilacina racemosa) sind ebenfalls bereits abgeknickt. Auch die abgefallenen Beeren des Aronstabs (Arum italicum) ziehen mit ihrer roten Farbe noch am Boden die Aufmerksamkeit auf sich. Aber auch sie sind giftig. Die Stängel der Goldschleier-Rudbeckie haben wir stehen gelassen. Neben den schwarzen Köpfchen der Samenstände sind sogar noch einige Blütchen dran. Ihr braunes Stängelwerk kann über Winter stehen bleiben. Das fördert die erwünschte Selbstaussaat. Wir kommen vorbei an den Paeonien. Tatsächlich, einige von ihnen haben eine braune bis rötliche Blattfärbung angenommen. Je sonniger sie stehen, umso intensiver verfärben sie sich, wobei Sonne ohnehin für ihr Gedeihen sehr wichtig ist. Auch nebenan spielen die Blätter der Wiesen-Iris mit fahlgelben bis ockerfarbigen Tönen. „Lass uns noch zum kleinen Wasserbecken gehen“ meint die Gärtnerin neben mir, “ich möchte nach der kupfernen Färbung der Dreiblattspiere (Gillenia) sehen“. Und da stehen auch die Bergenien. Ihre Blätter sind noch grün. Es ist die Sorte ‘Morgenlicht’. Sie tut sich schwer mit einer Winterfärbung. „Sollten wir nicht doch für eine winterrote Sorte einen Platz finden?“ ‘Eroica’ und ‘Rote Schwester’ oder die im Winter orangerot gefärbte ‘Goldfisch’ fallen mir sofort ein. Jedoch für ein Brandkraut (Phlomis russeliana) mit den braunen Samenständen und für die schöne Silberdistel (Carlina acaulis) – ich weiß, dass sie beide von meiner Frau sehr geliebt werden – haben wir tatsächlich keinen geeigneten Standort mehr. Der Garten ist längst zu schattig. Unser Rundgang endet an der Ostseite des Hauses. Da kommen die Herbst-Anemonen ins Bild. Ihre Samenkugeln sind noch nicht reif genug. Einmal, im November besuchte ich eine alte Freundin. Sie hatte einen Strauß Anemonen-Samenstände am Fenster. Nur wenige Stiele. Was waren das für wunderbar flauschige Wattebällchen im Gegenlicht der Abendsonne. Auch ich liebe diese Zeit der langen Schatten.
Dr. Konrad Näser

Untrennbar ist sein Name mit der bekannten Gärtnerei „Karl Foerster“ in Potsdam-Bornim verbunden. Als Züchtungsleiter trat Dr. Konrad Näser nach Foersters Tod im Jahre 1970 in dessen Fußstapfen.


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Praxis-Tipp: Abräumen zur rechten Zeit

Staude zurueckschneidenErst nach dem Winter ist Zeit für das große Aufräumen im Staudenbeet einzuplanen. Dann aber bitte vor dem neuen Austrieb! Für die Fette Henne wird es dann Zeit. Sehr früh, meist schon im Januar, die wintergrünen Elfenblumen zurückschneiden, damit die Blütenstände, die vor dem Laubaustrieb kommen, nicht beschädigt werden. 
Den Charme von fahlgelben und sepiabraunen Staudengestalten muss mancher vielleicht erst lieben lernen. Doch wer dem langsamen Rückzug der Stauden nicht gleich mit der Schere ein Ende bereitet, darf vor allem bei den kurzlebigen Arten mit Sämlingen rechnen. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel eine Goldschleier-Rudbeckie lange Zeit erhalten. Wer sie bis Weihnachten stehen lässt, dem schenkt sie ganz zuverlässig immer wieder Sämlinge.

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