Blumensamen sammeln

Blüte Ringelblume

Die Ringelblume gibt ihre gebogenen Samen her, wenn man die Blütenköpfchen zwischen den Fingern reibt.

Nicht nur im Gemüsebeet wird im August fleißig geerntet. Auch in den Staudenrabatten gibt’s Wertvolles zu sammeln: die Samen von Sommerblühern. Sie werden getrocknet, bis zum nächsten Frühjahr aufbewahrt und dann aufs Neue gesät.

Dekorative Samen und Samenstände

Schon seit Wochen schmücken prächtige Farben die sommerlichen Beete. Doch bald mischen sich unter den Blütenreigen immer mehr pralle Beeren, silbern-samtig glänzende Schoten, fedrige Knäuel oder hübsch gefaltete Kapseln. Es sind die Fruchtstände von Sommerblumen, Stauden und Kräutern. Wenn sie nicht der Ordnungsliebe übereifriger Gärtner zum Opfer fallen, werden diese kunstvollen Strukturen die Beete in den kommenden Monaten entscheidend prägen.

Doch sind die Samenstände nicht nur anmutig, sie haben noch viel mehr an – oder besser in sich: wertvolle Körner, die nicht nur den Fortbestand der Pflanzen sichern, sondern auch den Gartenvögeln einen gedeckten Tisch im Winter bereiten.

Was sich gut durch Samen vermehren lässt

Es macht viel Freude, den Samenständen ihren Inhalt zu entlocken. Und bei den meisten ist die Ernte auch ganz einfach. Etwa bei den einjährigen Sommerblumen wie Kosmeen (Cosmea), Jungfer im Grünen (Nigella), Ringelblumen (Calendula), Studentenblumen (Tagetes), Löwenmäulchen (Antirrhinum) und vielen anderen, die einmal einer Samentüte entsprungen sind.

Auch einige kurzlebige Stauden lassen sich gut über Samen vermehren: Akelei (Aquilegia), Patagonisches Eisenkraut (Verbena bonariensis), Vexiernelke (Silene coronaria) und Stockrose (Alcea). Diese säen sich von Natur aus selbst großzügig aus und sorgen für überraschende Auftritte im Garten.

In Gruppen am wirkungsvollsten

Wer nicht möchte, dass die Garten-Vagabunden unkontrolliert im Garten umherziehen, sammelt ihr Saatgut ein, bevor es der Wind in alle Richtungen verteilt, und streut es möglichst großzügig an die vorbestimmten Stellen. Denn ihren Charme entfalten die kurzweiligen Pflanzen am besten in Kolonien.

Wer sich Nachwuchs wünscht, der den liebgewonnen Sorten zum Verwechseln ähnlich ist, kauft sie sich besser jedes Jahr neu. Denn die „Pflanzenkinder“ der generativen Vermehrung gleichen im Aussehen zwar ihren Eltern, sind aber keine exakten Kopien. In der folgenden Generation kann es zu sehr reizvollen, neuen Kreuzungen kommen. Gerade diese Ungewissheit, welche Farben wohl erscheinen mögen, macht das Samensammeln so spannend.

Bei Wildstauden wie Flockenblume (Centaurea) oder Junkerlilie (Asphodeline) ist die Chance am höchsten, gleichartigen Nachwuchs zu bekommen, da sie kaum züchterisch bearbeitet sind. Identischer Nachwuchs von Stauden oder Kräutern entsteht übrigens nur durch die vegetative Vermehrung über Stecklinge oder durch Teilen.

» Gartenpraxis: Sommer aus der Tüte

Frühzeitig die besten Pflanzen auswählen

Mohnkapsel mit SamenWählen Sie schon während der Blütezeit die Pflanzen aus, die Samen spendieren sollen. Am besten eignen sich dazu die kräftigsten und schönsten Exemplare. Die werden mit einem farbigen Band markiert.

Sobald sich die Schoten und Hülsen braun färben und eingetrocknet sind, geht’s an die Samenernte. Das macht man an einem sonnigen oder zumindest trockenen Tag. Sonst laufen die Körnchen Gefahr, sich Schimmelpilze einzufangen.

Wie man den richtigen Erntezeitpunkt erwischt

Mohn (Bild), Lupine und Akelei behält man ab der Samenreife im Auge, damit die Samen rechtzeitig gerettet werden können. Denn die purzeln leicht aus ihrer Umhüllung heraus und verselbständigen sich. Die Samenstände werden abgeschnitten und das Saatgut anschließend in einer Tüte aufgefangen. Wer Angst hat, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, kann die schon trockenen Samenstände an der Pflanze in eine luftdurchlässige Tüte (z.B. aus Pergament) hüllen. So geht kein Körnchen verloren.

Von Ringelblumen, Studentenblumen und anderen Korbblütlern erntet man das ganze Blütenköpfchen und löst die Samen aus. Fleischige Früchte von Aronstab (Arum) oder Zierspargel (Asparagus) werden einer besonderen Behandlung unterzogen. Um das Fruchtfleisch vom Samenkorn zu lösen, legt man die Früchte solange in Wasser, bis sie anfangen zu gären. Das nun weiche Fruchtfleisch kann in einem Sieb unter fließendem Wasser abgespült werden. Anschließend das Saatgut trocknen.

Samen lagern - wie und wo

Wenn sie nicht gleich wieder gesät werden, bewahrt man die Samenschätze in Papiertütchen, alten Filmdosen oder Gläsern auf. Vergessen Sie nicht, die Gefäße mit Sammeljahr, Artnamen und, wenn bekannt, dem Sortennamen zu beschriften.

Bei kühler, trockener Lagerung an einem dunklen Ort, bleiben viele Samen bis zu drei Jahre keimfähig. Legen Sie Papiertüten in einen geschlossenen Behälter, damit ihr Inhalt kein Wasser zieht und vorzeitig keimt. Ein Beutelchen mit Silika-Gel (erhältlich in Apotheken) bindet die Feuchtigkeit. Antje Große Feldhaus

Würzige Kräuter fürs nächste Jahr

Schnittlauchsamen erntenSobald sich die Samen in den kugeligen Blütenständen des Schnittknoblauchs schwarz färben, sind sie erntereif. Mit etwas Fingerspitzengefühl kann man sie direkt aus der Dolde in ein Döschen fallen lassen. Auch die Samen von Dill und Ysop lassen sich so einfach bergen.

» Gemüsegarten: Gemüsesamen ernten

Ein Gruß aus dem Garten

Machen Sie Freunden und Nachbarn eine Freude und verschenken Sie einen Teil Ihrer Samenschätze. Zum Beispiel in einem selbstgefalteten Umschlag, auf den ein Bild der Art oder sogar eine gepresste Blüte geklebt ist. Neben dem Artnamen notiert man noch weitere wichtige Informationen wie Aussaatzeit und Blütezeit.

Oder Sie stellen die dekorativen Samenstände von Sonnenhut, Mohn und Akelei in hübschen Gläsern zur Schau. Die kringeligen Samen der Ringelblume bieten Stoff für spannende Geschichten, etwa wie die Pflanze zu ihrem Namen kam.

Extra-Wissen: F1-Hybriden

Manche Sommerblumen-Sorte ist eine F1-Hybride, etwa bei Löwenmäulchen, Petunien und Sonnenblumen. Sie werden durch ein sehr aufwändiges Verfahren produziert. Es beginnt mit ausgewählten „Vaterpflanzen“ und „Mutterpflanzen“, deren Erbmaterial ganz bestimmte Eigenschaften aufweist.

Durch deren Kreuzung entstehen Samen mit einem definierten Genmix, die dann verkauft werden. Daraus wachsen F1-Hybriden. F1 steht dabei für die erste (1) Tochtergeneration, die im lateinischen Filia (F) genannt wird. Die Bezeichnung F1 wird an den Sortennamen angehängt.

Die F1-Hybriden sind besonders robust und wüchsig, versprechen eine üppige Ernte oder tragen imposante Blüten in leuchtenden Farbkombinationen. Sammelt man nun Samen von diesen Sorten, können die Eigenschaften der Nachkommen aufspalten.

Dadurch entstehen andere Farben und Wuchsformen, die eher an die Vater- bzw. Mutterpflanze erinnern. Einen Versuch ist es allemal wert. Und von „schlechten“ Nachkommen wird im kommenden Jahr einfach kein Samen mehr gesammelt.

» Blumengarten: Zweijährige aussäen
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