Zu Besuch bei Baumschule Sämann

Baumschule Sämann

So geht gute Kinderstube – Woher kommen eigentlich alle die Gehölze im Gartencenter, jedes einzelne perfekt, alle in gleicher Größe. Nun, das geht schon mit rechten Dingen zu: Das ist perfekt organisierte Baumschulwirtschaft.

Vorurteile abbauen

Eigentlich hat er alle Hände voll zu tun, doch wenn es dazu beiträgt, gewisse Vorurteile gegen Baumschulpflanzen aus dem Gartencenter abzubauen, will er sich gerne die Zeit für uns nehmen. Hans-Roland Müller ist einer von knapp vierzig Mitarbeitern der Traditionsbaumschule Sämann in Bautzen. Er sorgt dafür, dass in der Baumschule produziert wird, was Hobbygärtner und Garten- und Landschaftsbauer in ganz Deutschland haben wollen.

Bei weitem nicht alles lässt sich in der Region absetzen, obwohl viele Stammkunden auch eine längere Anfahrt in die nicht eben zentral gelegene Baumschule in der Oberlausitz auf sich nehmen. Man möchte aus erster Hand kaufen. In der Baumschule sehen die Pflanzen viel gepflegter aus als im Gartencenter und beraten würde man auch nicht. Der Baumschuler hört es sich mit gemischten Gefühlen an: Einerseits freut ihn das Lob für seine gute Ware, andererseits stehen im kritisierten Gartencenter achtzig Kilometer weiter vielleicht ebenfalls seine Zöglinge.

>>Bilder: Baumschule Sämann

Für Erfolgserlebnisse im Garten  - so klappt es mit den Pflanzen

Gegen den Mangel an Pflege kann er leider nichts mehr tun, sobald die Pflanzen seine Baumschule verlassen haben. Gegen die mangelhafte Information haben sich die Bautzener längst so einiges einfallen lassen. „In vielen Märkten gibt es kaum noch Fachpersonal, da sind gute Verkaufshilfen sehr wichtig.“ Hans-Roland Müller meint damit zum Beispiel die auffallenden bunten Etiketten, die nicht nur rufen: „Nimm mich mit!“, sondern auf denen schon eine Menge Informationen zu Wünschen und Eignung der jeweiligen Pflanze zu lesen sind.

Er meint auch so eingängige Marken wie „Naschgarten“, unter deren Dach das beliebteste Obst für kleine Gärten ausgestellt ist. Und er meint den Plastik-Tragegriff, der Kiwi-Weiblein und Kiwi-Männlein schon vor dem Verlassen der Baumschule aneinanderkettet, sodass auch der Unkundige nicht ohne den Pollenspender vom Einkauf zurückkommt. Denn die Frage: Warum bekommt meine Kiwi keine Früchte? kann der diplomierte Gärtner längst nicht mehr hören.

Winterharte Mini-Kiwi

Viel lieber redet er von den jüngst erst eingeführten Sorten eines Chemnitzer Hobbyzüchters, den Kiwiberry, die zwar alle den „Jumbo“ im Sortennamen führen, deren Früchte aber klein wie Weintrauben sind.

Konzentrierte Vitamine. Winterhart bis -30 °C, die Kiwi für die raue Lausitz und ähnlich harte Lagen. Diese Mini-Kiwi stehen fast symbolisch für den Qualitätsanspruch: Der Kunde muss sich darauf verlassen können, dass er etwas Gutes bekommt.

>>Bilder: Tipps und Tricks von der Baumschule Sämann

Auf die richtigen Sorten achten lohnt sich

Beispiel Goji. „Da ist viel Unbrauchbares unterwegs“, ärgert sich Müller, der voll hinter den von ihm in Umlauf gebrachten Sorten steht. Die Wildart selbst bringt nur wenige Blüten und Früchte, und die sind auch noch bitter. Dennoch ist sie da und dort im Handel.

Bei den Maibeeren oder Kamtschatka-Beeren sieht es ähnlich aus. Vom Strauch in den Mund, Naschobst, aber viele Sorten sind einfach nur sauer, werden nie reif. „Wildobst ist ein großer Trend, doch statt einfach dem Trend hinterherzulaufen, sollten Gärtner dafür sorgen, dass nur wirklich gute Sorten kultiviert werden“, so seine Intention.

Aber wer hilft nun dem Kunden, die richtige Sorte zu finden? „Aufklären ist ja wohl auch Aufgabe eurer Zeitschrift“, kontert der Baumschuler. Er will nicht nur „seine“ Kinder loben. Ein paar Empfehlungen gibt er aber doch mit auf den Weg: ‘Nero’ und ‘Viking’ sind die besten Sorten bei Apfelbeeren, ‘Morena’ oder ‘Vialka’ bei den Maibeeren.

>>So geht Pflanzenanzucht aus Mikrostecklingen



Gelernte und gelebte Tradition

Bereits seit 1840 gibt es den Gartenbaubetrieb in Bautzen. Lange Zeit als Zierpflanzengärtnerei, bis Großvater Friedrich Sämann, der als Handelsreisender weit herumgekommen war, um 1940 die Baumschule gründete. Er leitete auch nach der Kollektivierung in den 1960er Jahren den Baumschulbereich, während es den Söhnen Andreas und Konrad oblag, die Reprivatisierung zu Beginn der 1990er Jahre zu meistern.

Das Meristemlabor half, innerhalb kürzester Zeit moderne, trendgerechte Sortimente zu produzieren, und als moderne „Handelsreisende“ schafften es die Sämann-Brüder, die richtigen Abnehmer zu finden: Gartencenter mit Anspruch. Der Staffelstab ging mittlerweile an Martin Sämann und seinen Bruder Philipp.

„Der Lausitzer ist heimatverbunden. Und für mich kam auch nie etwas anderes als der Gärtnerberuf in Frage.“
Martin Sämann


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