Wildtiere im Garten

Waschbär in einer Tonne

Dirk Mann hat mit unerwünschten tierischen Besuchern sein Tun. Waschbären zum Beispiel sind clever und verfressen. Von Mülltonnen werden sie magisch angezogen. Es reicht längst nicht mehr aus, die Deckel mit Steinen zu beschweren. Am besten nutzt man abschließbare Tonnen.

Viele heimische Waldbewohner betrachten meinen Garten gerne als ihren Gourmettempel. Insbesondere Rehe knabbern an jungen Gehölztrieben, Knospen und anderen Pflanzenteilen oder fressen sie ganz ab.

Sie haben ein Loch im Zaun entdeckt, dass ich trotz nächtlicher Maßnahmen zur Überwachung einfach nicht finden kann. Die Besuche sind mittlerweile so häufig, dass meine Pflanzen teils ernsthaft leiden und ich querbeet Vergrämungsmittel ausprobiere.

Die Lebensräume von Wildschweinen, Rehen und anderen Wildtieren schrumpfen. Die Bewohner von Wäldern, Wiesen und Feldern verlieren ihre Scheu und wagen sich immer näher an den Menschen heran.

Wildschwein, Reh, Waschbär und Co. ziehen ein

Ein Leben ohne Tiere ist für mich unvorstellbar. Aufgewachsen bin ich mit vielen Haus- und Nutztieren. Der Bauernhof meines Großvaters bot die komplette Spannbreite – von Meerschweinen, Hunden und Pferden bis zu Hühnern, Gänsen, Kaninchen, Schweinen und Rindern. Daher ist mir der Umgang mit Tieren vertraut, und der Tierschutz liegt mir sehr am Herzen. Es freut mich, wenn sich auch Tiere in meinem Garten wohlfühlen und ihn als Lebensraum besiedeln.

Seit einigen Jahren jedoch hat meine Tierliebe heftig gelitten. Mein Garten liegt direkt im Ortszentrum, aber unweit eines größeren Waldgebietes. Immer häufiger besucht mich eine Horde gefräßiger Rehe, die ohne Rücksicht auf Verluste meine Pflanzen herunterfrisst und ziemliche Schäden anrichtet.

Wildschweine in Gartennähe

Bei krautigen Pflanzen wäre das gelegentliche Abknabbern nicht das Problem. Werden jedoch regelmäßig die Blätter abgefressen, fehlen den Pflanzen die Organe für die Photosynthese. Die Wurzelstöcke können sich nicht mehr so entwickeln, ganz zu schweigen vom Verlust der Blüten oder der Samen. Blütenlose Pflanzen sind nicht das, was sich ein Gärtner wünscht – ein Gartenfotograf erst recht nicht.

Dachs und Waschbär zählen ebenfalls zu den regelmäßigen Besuchern, glücklicherweise jedoch bislang ohne sichtbare Schäden. Ernsthafte Sorgen mache ich mir wegen der Wildschweinspuren, mittlerweile sind sie nur noch 20 Meter von meinem Garten entfernt. Wahrscheinlich werden die Tiere von den herabfallenden Früchten der benachbarten Eichen angelockt. Wenn das Schwarzwild meine zahlreichen Knollenpflanzen im Erdreich entdeckt, ist die jahrelange Sammelei umsonst gewesen. Was für ein Albtraum!

Die Wildpopulation ist längst außer Rand und Band

Selbstverständlich führen schrumpfende und sich verändernde Lebensräume zu mehr Berührungspunkten und Konflikten zwischen Mensch und Tier. Das System ist aus dem Gleichgewicht geraten. Viele Wildtiere haben ihre Scheu verloren.

Ich staune jedes Mal, wenn morgens im Botanischen Garten – wohlgemerkt mitten in Dresden – Hasen, Füchse oder Rehe meinen Weg kreuzen oder abends Wildschweinrotten sechsspurige Straßen queren.

Mit mehreren Wildkameras habe ich fast jede Nacht versucht, den Besuchern auf die Schliche zu kommen. Leider zeigten sie aber nicht die Stellen, wo die Tiere Zugang finden. In schneereichen Wintern könnte ich anhand der Spuren die Schlupflöcher im Zaun aufspüren und schließen. In den letzten Jahren fehlte jedoch der Schnee, sodass ich nur Vermutungen anstellen kann.

Lärm, Gestank und blaues Licht – was Wildtiere wirklich fernhält

Schutzmaßnahmen und Vergrämungsmittel gibt es viele. Jeder Geplagte hat seine eigenen Erfahrungen und Tipps, die jedoch im Allgemeinen nicht übertragbar sind. Der beste Schutz ist und bleibt ein guter und hoher Zaun. Obwohl er vorhanden ist, gibt es in meinem Garten irgendwo eine Lücke.

Anfangs habe ich ein geruchsintensives Harz als Wildschutz rund um mein Grundstück angebracht. Dieses wirkte die ersten zwei Jahre gut. Irgendwann haben sich die Rehe daran gewöhnt, und das Mittel wurde wirkungslos. Ähnlich erging es mir mit zahlreichen Hausmittelchen, wie beispielsweise getragenen Kleidungsstücken, lärmenden Duschradios oder Hundehaaren.

Geruch gegen Wildschweine

Bei Ultraschall-Piepsern zur Wildvertreibung spalten sich die Meinungen. Bei manchen helfen sie, bei anderen bleiben sie wirkungslos. Ebenso resistent reagieren die eigentlich scheuen Rehe auf Erschrecken, Hinterherjagen oder Hinterherwerfen von Gegenständen. Müssten die Tiere nach solchen Aktionen normalerweise drei Monate wegbleiben, so wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Bei mir stehen sie schon nach zwei Tagen wieder auf der blühenden Matte. Neulich haben sie sich sogar nur hinterm Gartenhäuschen versteckt und mir bei der Arbeit zugeschaut.

Als kurzfristige Schutzmaßnahme gegen das Schwarzwild habe ich meinen Garten mit elementarem Schwefel (Düngeschwefel) behandelt. Der Geruch soll Wildschweine vertreiben. Damit kann ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn im Zuge von jährlichen Bodenverbesserungsmaßnahmen dünge ich sowieso mit Schwefel. Zudem hat die Düngung eine milben- und pilzbekämpfende Wirkung. Und wenn Schwefelgeruch Schwarzwild wenigstens für einige Zeit vertreibt, umso besser.

Flackerlicht zur Abschreckung

Seit Kurzem habe ich ein Gerät für die professionelle Forst- und Landwirtschaft im Testeinsatz, das blaues Flackerlicht abgibt. Blaues Licht signalisiert Rehen Gefahr. Außerdem gibt das Gerät vergleichsweise laute und unregelmäßige Pfeifgeräusche ab, die Wild im Umkreis von 100 Metern vergrämen sollen. Das Gerät wird zur Rehkitzvertreibung aus Feldern zur Ernte verwendet.

Für dichte Besiedelungen eignet es sich nicht, denn es ist besonders in windstillen Nächten weithin gut wahrnehmbar. Der Test ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber es scheint bereits ruhiger geworden zu sein.

Zu guter Letzt sollen noch die Katzen erwähnt werden, auch wenn sie nicht zu den Wildtieren gehören. Wer nicht von der Miez des Nachbarn besucht werden möchte, verschenkt zur Pflanzzeit Katzengamander (Teucrium marum) oder Katzenminze (z. B. Nepeta cataria), davon werden die Tiere magisch angezogen. Der Nachbar freut sich, und Sie bekommen seltener Katzenbesuch.

» Katzenminze begeistert Mensch und Tier

Gefährlicher Fuchs?

Taucht ein Fuchs im Garten auf, befürchtet so mancher, dass er Krankheiten verbreitet. Füchse sind für den Menschen jedoch kaum gefährlich. Die Tollwut ist beim Fuchs in ganz Deutschland ausgerottet. Auch die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren, ist sehr gering.

Kommen aber öfter Füchse zu Besuch, sollten Sie sich nach Arbeiten im Freien immer gründlich die Hände waschen, Salat, Früchte und Gemüse, welches roh verzehrt werden soll, gründlich abwaschen. Fuchskot wird mit einem umgestülpten Plastiksack eingesammelt und im Hausmüll entsorgt. Wer in der Nähe von Fuchspopulationen Hunde und Katzen hält, sollte diese regelmäßig mit einem Mittel gegen den Fuchsbandwurm entwurmen lassen.

Drei Fragen an Dirk Mann

Muss ein Tierarzt ein verletztes Wildtier kostenlos behandeln? Tierärzte sind lediglich zu Erster Hilfe verpflichtet. Wenn kein Notfall vorliegt, können sie eine Behandlung ablehnen und an einen Spezialisten oder andere Kollegen verweisen. Wildtiere werden nicht kostenlos behandelt, auch wenn man das immer wieder hört.

» Sympathische Stachelritter - Igel im Garten

Kann ich mich bei Problemen mit Wildtieren an den Jäger wenden?
Beratend ist es sicherlich eine gute Idee, denn er kennt sich mit den Tieren gut aus und kann Tipps zum Schutz geben. Aus Sicherheitsgründen ist es aber in bewohnten Gebieten verboten, die Tiere jagen zu lassen. Nur wenn eine gefahrlose Schussabgabe möglich ist, ist in Ausnahmefällen eine beschränkte Jagdausübung gestattet. Auch Lebendfallen dürfen nur Jäger mit einer Fangberechtigung stellen.

Was ist zu tun, wenn im Garten ein Fuchs verendet?

Grundsätzlich ist der Grundstücksbesitzer für den Kadaver verantwortlich. Es wird empfohlen, das tote Tier in einen stabilen Plastiksack zu packen und im Hausmüll zu entsorgen. Dabei unbedingt Handschuhe und Mundschutz tragen. Wer dies nicht tun möchte, kann den Jagdausübungsberechtigten dazu holen, entsprechende Listen liegen meist bei der Polizei aus. Beim Verdacht einer Tierseuche sollten Sie das Veterinäramt oder den Jäger informieren.

Tipps zur Wildvergrämung und zum Schutz von Gehölzen

Hohe Dornenhecken, z. B. aus Berberitze, verhindern, dass Wildtiere in Ihren Garten gelangen. Bevor die Hecke dicht und hoch gewachsen ist (ca. 1,50 m), muss man zusätzlich einen Zaun setzen.

Ein Hund hält meist sehr wirkungsvoll Wildtiere fern. Kaum ein Hundebesitzer klagt über Wildschäden. Natürlich muss der Hund frei im Garten umherlaufen dürfen, sonst ist er keine echte Abschreckung.

Lärm gefällt Wildtieren überhaupt nicht. Mit lauten Geräuschen kann man sie verscheuchen. Allerdings haben sich viele Tiere mittlerweile so an die Menschen gewöhnt, dass sie nur kurze Zeit wegbleiben.

Blutmehl (z. B. von Neudorff) wird mit Wasser gemischt. Die Lösung sprüht man dann dünn auf die gefährdeten Bereiche von Obstgehölzen, um vor Wildverbiss, Nage- und Abbissschäden zu schützen.

Schwefelgeruch vertreibt Schwarzwild. Allerdings hält die Wirkung nur kurze Zeit an. Geeignet ist handelsüblicher Düngeschwefel. Man bringt ihn im Garten aus und verbessert so ganz nebenbei auch noch den Boden.

Rehe sind Feinschmecker. So zieht es sie auch im Sommer in die Gärten. Sie lieben Blumen, frische Triebe, Knospen und Baumrinde ebenso wie Gemüse und Beeren. Kunststoffspiralen schützen vor Wildverbiss und vor dem Fegen, der Eigenheit der Rehe, sich das Geweih an den Stämmen abzureiben.

Blaues Flackerlicht in den Bäumen kann Rehe davon abhalten, sich an den Zweigen gütlich zu tun. Die Tiere halten sich fern, denn blaues Licht signalisiert Gefahr. Allerdings kann sich auch hier ein Gewöhnungseffekt einstellen.

Marder sind dafür bekannt, die Bremsschläuche oder Elektrokabel von Autos zu zerbeißen. Doch sie machen auch Jagd auf Vögel und räumen Nistkästen aus. Stachlige Rosentriebe auf dem Dach von Nistkästen oder Vogelhäuschen halten Marder und Katzen fern.

» Mein Hund, mein Garten und ich

Obstgehölze durch Saftbrücken retten

Besonders ärgerlich sind Wildschäden am Stamm von Jung- und Obstgehölzen, wenn die Rinde ringsherum abgefressen wurde. Damit ist die Wasserversorgung zwischen Wurzel und Spross unterbrochen, wodurch Gehölze im schlimmsten Falle vertrocknen. Sogenannte Saftbrücken können die Rettung sein.

Hierzu schneiden Sie die Wundränder mit einem Messer glatt. Zur Überbrückung schneiden Sie Reiser, wie sie zum Veredeln verwendet werden. Die Menge richtet sich nach dem Stammumfang. Sie sollten geringfügig länger sein als die Wundstelle, damit man sie unter die gelockerten Wundränder schieben kann.

Die Enden der Reiser sowohl oben als auch unten zuschneiden und die Augen entfernen. Die glatt geschnittenen Wundränder lockern Sie nur so weit, dass die Reiser nach dem Einschieben festsitzen. Abschließend verschließt man die Zwischenräume mit Baumwachs.

Dirk Mann

Dirk Mann ist passionierter Botaniker, Gartenfotograf und Fachjournalist. Er sammelt seit frühester Kindheit wertvolle und seltene Pflanzen.

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