Gehölze in Flammen

Leuchtende Blätter an den Zweigen prächtiger Gehölze versetzen uns in Herbststimmung. Roter Perückenstrauch (Cotinus coggygria ‘Royal Purple‘) und Roter Judasbaum (Cercis canadensis ‘Forest Pansy‘) tragen übers Jahr schon blutrotes Laub, aber erst mit der Herbstfärbung fängt es richtig zu brennen an.

Gehölze mit großartiger Herbstfärbung

Als ob ein Maler seine Farben über ihn ausgegossen hätte, schmückt sich der etwa zehn Meter hohe Amberbaum (Liquidambar styraciflua) mit einer Palette von Gelb, Orange, Karminrot bis hin zu Aubergine-Tönen.

Neben Ahorn und Amberbaum beeindrucken auch viele andere Laubgehölze wie der  Fächerblattbaum (Ginkgo), Korkflügelstrauch (Euonymus alatus), Glanzblattstrauch (Photinia villosa), Linden und Felsenbirnen (Amelanchier) mit schönen Herbstfarben. Außergewöhnliche Herbstfärber sind unter anderem der Wald-Tupelobaum (Nyssa sylvatica), die Schönfrucht (Callicarpa bodinierii) und verschiedene Blumen-Hartriegel wie Cornus kousa und Cornus florida.


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Mit Kletterpflanzen, deren Laub sich im Herbst prachtvoll verfärbt, lässt sich der Farbenzauber der dritten Jahreszeit sogar in kleine Gärten holen. Die bis ins Pink spielenden „Laubfinger“ des Fünflappigen Wilden Weines (Parthenocissus quinquefolia) greifen nach Hauswänden oder Rankgerüsten, um sie zu entflammen. Die Farbenpracht entfaltet sich umso stärker, je kühler die Nächte sind.

Es lohnt sich, bei Spaziergängen im Herbst darauf zu achten, welche Pflanzen dann besonders intensiv leuchtende Blätter haben, um dann vielleicht auch den eigenen Garten mit solch schönen Herbstfärbern zu bereichern. Falls Platz im Garten knapp ist - von manchem im Herbst weithin sichtbaren Gehölz, wie Amberbaum, Ginkgo und Korkflügelstrauch, gibt es auch kleinere Sorten.

» Stauden und Gräser für den Herbstgarten

Warum sind fast alle Nadelbäume immergrün?

Die eindrucksvolle Farbveränderung der sommergrünen Bäume und Sträucher ist das Ergebnis der Vorbereitung auf die kalten Wintermonate. Durch den herbstlichen Laubfall schützen sich die Pflanzen vor Trocken- oder Kälteschäden in der kalten Jahreszeit.

Die große Mehrzahl der Nadelbäume dagegen ist immergrün, denn ihre Nadeln sind besser gegen niedrige Temperaturen gewappnet: Anders als die Blätter der im Sommer grünen Laubgehölze haben die Nadeln eine vergleichsweise kleine Oberfläche und dazu haben sie eine dicke Wachsschicht.

Beides sind Strategien, die die Verdunstung von Wasser reduzieren. Wegen der meistens deutlich größeren Blätter würden Laubgehölze im Winter viel zu viel Wasser verdunsten. Bei gefrorenem Boden kann dieser Verlust nicht ausgeglichen werden. Als Folge würden die Blätter und damit auch die Pflanze vertrocknen.

Um diese Schäden durch Frosttrocknis zu vermeiden, werfen die sommergrünen Laubgehölze noch vor dem Winter ihre Blätter ab. Der Blattfall erfolgt aber erst, nachdem die Bäume ihnen Nährstoffe entzogen haben, die sie einlagern, um sie im nächsten Jahr wieder zu nutzen.

Der Grund für die herbstliche Farbenpracht

Die fallenden Temperaturen motivieren also die Gehölze, ihrem Laub alle Reservestoffe samt Blattgrün zu entziehen und in ihrem Innern einzulagern. Mit diesen Kraftreserven können sie im nächsten Frühjahr wieder durchstarten.

Übrig bleiben gelbe, orangefarbene und rote Blattfarbstoffe, die das Herbstfeuerwerk entfachen. Biologisch gesehen also eine Dokumentation, dass das Gartenjahr endet und das Überlebenstraining der Pflanzen beginnt.

» Farbenpracht im Staudenbeet: Feuerwerk im Herbst

Was es mit dem „Indian Summer“ auf sich hat

Die Intensität der Herbstfärbung ist nicht in bei jeder Pflanze und in jedem Jahr gleich. Sie wird unter anderem vom Boden und vom Standort beeinflusst. Die Stärke der Ausprägung kann auch von der Witterung beeinflusst werden, denn sonnige warme Tage und kühle Nächte können die Farbintensität verstärken.

Besonders beeindruckend ist die herbstliche Farbenpracht in den Wäldern an der Ostküste Nordamerikas. Der sogenannte „Indian Summer“ lockt dort unzählige Touristen an. Der Begriff bezeichnet eine warme und sonnige Phase im Herbst.

In unseren Wäldern ist diese Farbveränderung der Laubgehölze nicht so deutlich ausgeprägt wie in Amerika. Die große Artenvielfalt in den nordamerikanischen Wäldern ist der Grund dafür, dass die herbstliche Farbenpracht dort so spektakulär ist.

Dies hat mit den Eiszeiten und deren Folgen zu tun: In Europa wurden, anders als in Nordamerika, viele Baum- und Straucharten durch die Eiszeiten verdrängt. In Nordamerika konnten die Gehölze den vorrückenden Eismassen aus dem Norden besser nach Süden "entkommen“, denn die Rocky Mountains verlaufen von Nord nach Süd. Ganz anders war die Situation in Europa: Hier verlaufen die Gebirge wie die Alpen und die Pyrenäen in Ost-West- Richtung. Sie bildeten somit eine Barriere, die vielen Gehölzen den Weg in den wärmeren Süden versperrte.

Die Eiszeiten haben auch dazu geführt, dass in Europa Baumarten ausgestorben sind, die wie der Ginkgo in anderen – wärmeren – Teilen der Welt überleben konnten und dann später als Gartengehölze wieder nach Europa zurückkehrten.

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Experten-Tipp: Herbst-Favoriten

Cornelia König plant, baut und pflegt mit ihrem Team von Meißner Gartengestaltung in der Region Hannover Privatgärten. Sie arbeitet gern mit herbstfärbenden Gehölzen. Die sind zwar im Sommer eher dezent und unspektakulär, bringen den Garten im Herbst jedoch zum Leuchten.

Zu ihren Lieblingen gehören unter anderem Doppelblüte (Disanthus cercidifolius), Zwerg-Federbusch (Fothergilla gardenii), Korkflügelstrauch (Euonymus alatus), Prachtglocke (Enkianthus campanulatus) und Eisenholzbaum (Parrotia persica).

Ihre neueste Entdeckung ist die Eberesche ‘Dodong’ (Sorbus). Die kanadische Sorte ist besonders winterhart. Im Mai und Juni blüht sie weiß. Das Laub färbt sich im Herbst intensiv und lange anhaltend gelb-orange-rot.

Cornelia Königs Tipp: Schauen Sie sich im Herbst in Baumschulen die Herbstfärber an. Wenn Ihnen einer gefällt, nehmen Sie ihn gleich mit. Denn jetzt wachsen die Pflanzen noch gut an.

» Gehölze im Herbst pflanzen - warum nach dem Sommer der beste Pflanzzeitpunkt ist
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