Meerrettich im Garten: Scharfer Wegbegleiter

Meerrettich-Blüten

Die zarten weißen Blüten des Meerrettich duften süßlich und schmecken leicht scharf wie Radieschen.

Am Anfang waren es ein paar Fechser, aus denen meine erste Meerrettichpflanze heranwuchs. Sie wurden mir von befreundeten Gärtnern nahezu feierlich überreicht. Fechser? Das sind die dünnen Seitenwurzeln, die bei der Ernte der dickeren Hauptwurzel anfallen. Ich habe die Fechser an eine halbschattige Stelle gepflanzt, wo sie in den folgenden Jahren ungestört wachsen konnten. Das ist übrigens die gängigste Art, Meerrettich in den Garten zu bekommen: als Ableger. Fast wie bei Rhabarber.

Reich an Vitamin C

Nun hat sich ein pflegeleichter Tuff aus mehreren Pflanzen entwickelt, von denen ich je nach Bedarf und wenn der Boden nicht gefroren ist,  etwa fingerdicke, etwas krumme Wurzeln ernten kann. Die Meerrettichwurzeln vom Markt sind zwar um einiges dicker und gerade gewachsen. Doch die inneren Werte bleiben dieselben, egal ob krumm oder gerade: viel Vitamin C, Kalium, Kalzium und verschiedene Senföle. Letztere sind für den typisch scharfen Geschmack verantwortlich.

Eines der Senföle, das Allylsenföl, lässt unsere Augen schwimmen und die Nase laufen, wenn wir den Meerrettich reiben und essen. Die scharfen Raspeln regen die Verdauung an und lösen hartnäckigen Husten. Und das mit nur  einem Teelöffel voll! Die gesunde Portion wird zu Fisch- und Fleischgerichten, in Saucen und Suppen und zu Schinken und würzigem Käse gereicht. Die jungen Blätter werden fein gewiegt und mit anderen werden fein gewiegt und mit anderen Kräutern zu Quark und Suppen gegeben.

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Gesundes Gemüse aus dem Bauerngarten

Dass Meerrettich gesund hält, wussten schon die Mönche und Nonnen des Mittelalters und pflanzten ihn in ihren Klostergärten an. Von hier aus wanderte das gesunde Kraut in die Bauerngärten. Noch heute kann man verlassene Gärten daran erkennen, dass hier die langen Meerrettichblätter aus den überwucherten Staudenrabatten hervorlugen.

Er bleibt dem Gärtner eben treu erhalten, denn aus den vielen Seitenwurzeln, die er bildet, entwickeln sich neue Pflanzen und erhalten so den Bestand. Glücklicherweise ist der Meerrettich relativ ortstreu und wandert nicht umher. Verwilderter Meerrettich ist genauso scharf und nutzbar wie der im Garten oder auf dem Feld kultivierte.

Um sich im Garten wohlzufühlen, braucht der Meerrettich nicht viel. Er gedeiht auf fast allen Böden, nur die sehr schweren, lehmigen missfallen ihm. Ein tiefgründiger, humoser und feuchtigkeitshaltender Boden ist optimal. Man pflanzt die mehrjährige Staude in den Kräutergarten, an den Rand von Gemüsebeeten und Staudenrabatten oder dorthin, wo sie die nächsten Jahre nicht im Weg ist. Eine Gabe Kompost im Frühjahr – frischer Mist würde Schädlinge anlocken – und zusätzliche Wassergaben ab Juli während der Hauptwachstumszeit sind ein überschaubares Pflegeprogramm.

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Tipps zur Ernte

Geerntet wird das ganze Jahr über, bevorzugt ab Oktober. Dafür wird ein Teil der Pflanze tief mit einem Spaten abgestochen oder mit einer Grabegabel gelockert. Selbst die dünnen Fechser können in der Küche verwendet werden, auch wenn sie sich nicht so gut per Hand reiben lassen.

Möchten Sie dicke, gerade, unvergabelte Wurzeln ernten, wie man sie auf den Markt bekommt, müssen Sie dem Meerrettich etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Dafür empfiehlt sich die einjährige Kultur, bei der jedes Jahr neue Fechser in ein Beet gesetzt werden. In der Fruchtfolge wird er dann wie ein Starkzehrer behandelt. Zu anderen kreuzblütigen Gemüsearten wie Kohl und Radieschen wird eine Anbaupause von 4 Jahren empfohlen.

Wenn die Blattaustriebe etwa im Juni/Juli 10 bis 12 cm lang sind, folgt eine kniffelige Prozedur, die Meerrettich-Bauern entwickelt haben. Die Wurzeln werden am Kopfende freigelegt und leicht aus der Erde gehoben. Der untere Teil der Wurzel bleibt dabei im Boden! Alle Seitentriebe bis auf den stärksten werden entfernt und die Wurzeln wieder mit Erde bedeckt. Diese Arbeit macht man am besten bei trübem Wetter.

Natalie Fassmann



Extra-Wissen
Wasabi – der Meerrettich aus Japan

Den echten Wasabi erhält man außerhalb Japans äußerst selten. Er ist sehr teuer, denn die Wasabi-Pflanze ist anspruchsvoll. Sie benötigt klares, fließendes Wasser. Und die oberirdischen Rhizome, aus denen die scharfe, grüne Paste gewonnen wird, wachsen zwei Jahre und mehr, bevor sie geerntet werden können. Häufiger ist daher Ersatz-Wasabi aus Meerrettich, Senf und grünem Chlorphyll oder Spirulina-Konzentrat.

Zum Glück kann die Wasabi-Pflanze auch bei uns angebaut werden. Die Kultursorte ‘Matsum’ mag feuchten, nahrhaften Boden an einem halbschattigen Standort, gern an einem Teich oder Bachlauf. Bei unter –10 °C zieht sie jedoch besser in ein kühles Gewächshaus um.

Meerrettich selbst vermehren

Von Frühjahr bis Herbst bewurzeln die dünnen Seitenwurzeln, die sogenannten Fechser, recht schnell.

1.    Fechser vorbereiten Mit einer Grabegabel den Meerrettichballen tief lockern, um möglichst lange Wurzeln zu ernten. Die Fechser sollten bleistiftstark und 20 bis 35 cm lang sein. Dann entstehen daraus kräftige Pflanzen. In der Wurzelmitte werden verborgenen Augen mit der Schere vorsichtig abgerieben, damit sich nur wenige Seitenwurzeln entwickeln.

2.    Schräg stecken Mit einem langen Stab schräg ein Pflanzloch in der gut gelockerten Erde markieren.

3.    Tief eingraben Das obere Ende des Fechsers sollte etwa 5 cm unter- halb der Erde liegen. Gut festdrücken und angießen. Der Pflanzabstand beträgt 15 bis 20 cm.


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