Johannisbeeren – einfach zum Vernaschen

Johannisbeeren

Johannisbeeren zählen zu den beliebtesten, dekorativsten, gleichzeitig zu den anspruchslosesten Obstarten im Garten.

Johannisbeeren kommen fast ohne Allüren aus und tragen überreich. Damit haben sich die süß-säuerlichen Früchtchen einen Platz in meinem Herzen und in meinem Garten erobert.

Johannisbeeren - meine große Liebe

Als Kind waren mir die Weißen liebsten. Die fast durchsichtigen Johannisbeeren wuchsen im Garten meines Großvaters – und ich durfte sie direkt vom Strauch naschen. Sie waren so viel milder und süßer als die quietschesauren roten Pendants vom Strauch links daneben. Die mochte ich nur, wenn meine Großmutter einen Löffel Zucker darübergestreut und sich auf den Beeren eine dünne Zuckerkruste gebildet hatte. Hmm …

Heute mag ich auch die Roten Johannisbeeren pur, denn lässt man sie voll ausreifen, werden sie tatsächlich süß. Meine heimlichen Favoriten sind jedoch die Schwarzen Johannisbeeren. Ihr herb-säuerliches Cassis-Aroma gibt Roter Grütze den richtigen Pfiff und passt so gut in einen selbst gemachten Likör.

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Drei Farben und vier Sträucher

Um alle Johannisbeerfarben zu ernten, bräuchte ich nur vier Sträucher: eine rote, eine weiße und zwei schwarze Sorten. Zwei schwarze deshalb, weil die teilweise selbstunfruchtbar sind und eine zweite Sorte für einen guten Fruchtansatz notwendig ist.

Rote und Weiße Johannisbeere sind selbstfruchtbar. In meinem Garten stehen auch noch ein paar weitere rote und weiße Sorten. Die wechselseitige Bestäubung erhöht deutlich den Fruchtansatz, sodass ich bis zu zehn Kilogramm von einem Strauch ernten kann!

Solche Massenträger sind zum Beispiel die Sorten ‘Rotet’, ‘Rondom’ und ‘Rovada’. Selbst im kleinsten Garten oder auf der Terrasse findet sich ein Platz für eine Johannisbeere. Als Stämmchen gezogen brauchen sie gerade mal einen Quadratmeter Standfläche und dank der höhergelegten Krone können sie auch gut in Gemüse-, Kräuter- oder Staudenbeete integriert werden.

Wenn wenig Platz ist ...

Schlank sind Spalierhecken mit eintriebig gezogenen Sträuchern, die mit einem halben Meter Abstand recht dicht beieinander stehen. Die Pflanzen werden mit Bambusstäben gestützt und an einen horizontal gespannten Draht geheftet.

Mehr Raum nehmen Sträucher ein: Rote und Weiße Johannisbeeren stehen 1,50 Meter auseinander, die Schwarzen zwei Meter. Ende Juni spaziere ich öfter an meinen Sträuchern vorbei und teste die Beerchen auf ihre Reife. Ist es dann endlich so weit, werden die Johannisbeeren nach und nach abgeerntet. Das kann bei den reichtragenden Sträuchern schon ermüdend sein.

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Johannisbeeren und das Verrieseln

In manchen Jahren schimpfe ich dabei mit ‘Jonkher van Tets’ und ‘Weißer Versailler’, wenn deren Trauben verrieselt und nur spärlich besetzt sind. Das Verrieseln ist typisch für diese frühblühenden Sorten: Sie sind spätfrostgefährdet, und bei zu kaltem Wetter sind keine Bestäuber unterwegs. Da hilft es, bei Frostgefahr Vlies über die Sträucher zu legen und sie in kalten Frühjahren etwas zu schütteln, damit der Pollen auf die Narben gelangt.

Die Pflege ist recht einfach: Die robusten Beerensträucher gedeihen auf fast jedem Boden. Im Frühling, zur Austriebszeit, versorge ich sie mit einem kaliumbetonten Beerenvolldünger. Eine Mulchschicht aus zerkleinerten Brennnesseln oder Beinwell, Rasenschnitt oder Laub schützt die flachstreichenden Wurzeln und hält den Boden feucht. Bei sommerlicher Hitze sollten die Johannisbeeren durchdringend gegossen werden, damit die Beerchen nicht am Strauch vertrocknen.

Verjüngungskur für die Beerensträucher

Wenn ich es schaffe, verjünge ich die Sträucher nach der Ernte, spätestens jedoch im Winter. Dabei schneide ich jedes Jahr zwei bis drei ältere Triebe, erkennbar an der dunkleren Rinde, über dem Boden ab und ersetze sie durch junge, kräftige Triebe aus dem Wurzelstock. Diese kürze ich auf vier bis sechs Augen. Nach der Verjüngungskur hat jeder Strauch nur noch etwa sechs bis acht Fruchttriebe. Alle anderen habe ich entfernt.

Auch wenn die beste Pflanzzeit für neue Sträucher im Herbst ist, locken jetzt im Sommer Gärtnereien und Gartencentern getopfte Pflanzen mit reifen oder fast reifen Früchten. Sie können noch gepflanzt werden, brauchen aber besondere Aufmerksamkeit, damit sie im nächsten Jahr gut tragen: Gleich beim Pflanzen wird gedüngt, und nach der Ernte werden die Triebe eingekürzt. So können sich noch kräftige Neutriebe aus dem Wurzelstock entwickeln.  

Kurz und bündig: Interessantes rund um die Beerenfrüchte

Hummeln bestäuben im April und Mai die Blüten der Schwarzen Johannisbeere. Dabei halten sie sich an der Blütenkrone fest und bringen die Blüte samt Staubgefäßen zum Vibrieren.

Naschen kann man Weiße Johannisbeeren nur, wenn man sie selbst anbaut, denn im Laden gibt es sie kaum.

Rosé getönte Sorten sind selten, sie ähneln im Geschmack den Weißen Johannisbeeren, z. B. ‘Rosa Sport’ und ‘Rosalinn’. Rote Johannisbeeren sitzen in dichten Trauben oder in lockeren Trauben wie ‘Rovada’. Schwarze Johannisbeeren leiden oft unter Johannisbeersäulenrost. Setzen Sie auf tolerante Sorten wie ‘Titania’, ‘Ometa’ und ‘Silvergieters’.

Unter Johannisbeer-Stämmchen ist noch Platz für Stauden und Gemüsepflanzen. Eine Stütze aus drei Pfählen schützt die fruchtbeladene Krone davor abzubrechen.

Ein Spalier aus eintriebigen Johannisbeeren (z. B. ‘Rovada’) macht sich gut als Raumteiler am Sitzplatz oder Einfassung des Gemüsegartens.

Mit einer Gabel lassen sich die Johannisbeeren einfach und schnell von den Rispen ziehen, vor allem dann, wenn viel geerntet wurde.

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Die grüne Kiwibeere (R. nigrum) schmeckt mild johannisbeerig. Reif ist sie, wenn sie sich grünlich-gelb verfärbt.

Die Jostabeere (R. x nidogrolaria), eine Kreuzung aus Schwarzer Johannisbeere und Stachelbeere, wächst stark und ist anspruchslos. Ihre großen Früchte sind mild.

Die Vierbeere ‘Orangesse’ (R. aureum) hat ein mildes, exotisches Aroma. Sie ist teilweise selbstunfruchtbar und braucht einen Bestäubungspartner.

Natalie Faßmann



Johannisbeeren: Expertentipps zur Sortenwahl und Pflege

Unsere heutigen Kultur-Johannisbeeren stammen vor allem von Wildarten ab, die in den nördlichen Gegenden Europas und Amerikas heimisch sind. Daher sind sie bestens an unser Klima angepasst. Als pflegeleichte Beerensträucher wachsen sie problemlos auf fast allen Bodenarten. Und im Gegensatz zu den meisten anderen Obstgehölzen gedeihen sie auch im Halbschatten.

Johannisbeeren fügen sich selbst in den kleinsten Garten ein, denn die Sorten sind überwiegend selbstfruchtbar. Eine Pflanze reicht also völlig aus. Allerdings tragen vor allem die schwarzen Sorten mehr und größere Beeren, wenn eine zweite Sorte zur selben Zeit blüht.

Abgesehen von der Fruchtfarbe unterscheidet sich die Schwarze Johannisbeere von der Roten bzw. Weißen vor allem durch Drüsen an der Blattunterseite, die einen angenehmen Duft ausströmen. Und sie trägt am einjährigen Holz, die anderen am mehrjährigen.

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Übrigens gehören weiße, rote und rosafarbene Sorten zur Art Ribes rubrum. Die schwarzen hören auf den botanischen Namen Ribes nigrum. Eine frühe schwarze Sorte ist die besonders aromatische ‘Ometa’. Sie reift bereits gegen Ende Juni. Äußerst robust präsentiert sich die späte ‘Titania’. Sie ist frei von vielen Krankheiten und Schädlingen wie der Johannisbeer-Gallmilbe.

JohannisbeerenBei den roten Sorten empfiehlt sich die alte niederländische ‘Jonkher van Tets’. Sie reift bereits ab Mitte Juni. Im Juli folgt dann ‘Rosetta’ mit milden, rosafarbenen Beeren.

Für die Ernte ab Ende Juli ist die rote Profisorte ‘Rovada’ auch im Hausgarten die erste Wahl. Sie besticht durch lange Trauben und eine gute Haltbarkeit am Strauch, auch bei hohen Temperaturen.

Immer beliebter werden Weiße Johannisbeeeren. Sie sind säureärmer als die Roten – angenehm mild als Naschobst. Für die zeitige Ernte steht die ‘Weiße Versailler’ zur Verfügung. Als späte Sorte sei die slowakische ‘Blanka’ empfohlen. An luftig geschnittenen Sträuchern mit wenigen Fruchtästen bildet sie besonders große Beeren an langen Trauben.

Klaus Krohme

Gärtnermeister Klaus Krohme ist Leiter des Kreislehrgartens in Steinfurt und befasst sich seit vielen Jahren mit der Johannisbeer-Kultur.


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Johannisbeeren kultivieren

Büsche mit sechs bis acht Fruchttrieben benötigen etwa 1,50 m allseitigen Standraum. Johannisbeerstämmchen dagegen begnügen sich mit einem Quadratmeter. Noch bescheidener geben sich Johannisbeeren am Spalier:

Johannisbeeren kultivierenAn einem Gerüst werden fächerförmig lediglich drei Triebe gezogen. Alle weiteren schon beim Pflanzen wegschneiden. Ein Drahtgerüst, 1,80 m hoch, mit fünf waagerechten Drähten alle 30 cm, bietet den nötigen Halt.

Der Pflanzabstand in der Hecke beträgt bei allen Sorten ein Meter. Unmittelbar nach der Ernte, spätestens im Winter, wird geschnitten: Die drei Leittriebe nicht einkürzen, alle Seitentriebe bis auf wenige Augen.

Auch eine eintriebige Kultur mit 50 cm Reihenabstand ist so möglich. Nach etwa vier Jahren Standzeit werden Schwarze Johannisbeeren verjüngt. Schneiden Sie die alten Triebe direkt nach der Ernte bodennah ab. Rote und Weiße Johannisbeeren fruchten sehr gut am älteren Holz. Warten Sie hier mit dem Verjüngen bis zum sechsten oder siebten Jahr.

Ernte-Tipp: Schneiden ist besser

Pflücken Sie Johannisbeertrauben nie mit einer Hand. Halten Sie den Fruchtrieb mit der anderen fest, er reißt sonst leicht ab. Die Stiele lassen sich auch mit der Schere abschneiden.

Was sind Vierbeeren?

Vierbeeren sind großfrüchtige Zuchtsorten der nordamerikanischen Gold-Johannisbeere. Sie reifen im August. Erst wenn die ersten schwarzen Früchte abfallen oder platzen, sind sie so richtig süß. Den Namen hat ein Schweizer erfunden: Markus Kobelt, Inhaber der Versandbaumschule Lubera in Buchs bei St. Gallen. Warum? "Weil die Sträucher nicht nur leckere Früchte bringen, sondern auch leuchtend gelbe Blüten mit betörendem Duft und eine tolle, tiefrote Herbstfärbung", so der Züchter.

Die Sträucher sind sehr anspruchslos und erreichen etwa zwei Meter Wuchshöhe. Einen sonnigen bis halbschattigen Platz vorausgesetzt, tragen eingewachsene Sträucher etwa ein Kilogramm Früchte pro Pflanze.

Beerendiebe

Johannisbeeren sind nicht nur bei Menschen beliebt. Auch Stare und Drosseln bedienen sich gern. Vogelscheuchen bringen meist nicht viel. Besser sind Vogel-schutznetze, die vor der Reife über den Sträucher befestigt werden. Am besten, Sie ziehen die Netze recht straff über das Holzgerüst. In nur locker über die Sträucher gelegten Netzen verfangen sich die Vögel leicht.

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