Gemüsegarten planen: Fruchtfolge

Fruchtfolge

Der optimale Gemüsegarten ist in vier Beete unterteilt. Jede Pflanzengruppe zieht jährlich ein Beet weiter.

Wer sein Lieblingsgemüse Jahr für Jahr im selben Beet pflanzt, kann böse Überraschungen erleben. Daher die Wintertage nutzen, um einen Gemüsegarten zu planen, in dem die Fruchtfolge stimmt.

Kohlrabi ist toll. Köstlich, vitaminreich und noch dazu einer der schnellsten im Gemüsegarten: Frühe Sorten können bereits sieben bis acht Wochen nach der Aussaat geerntet werden. Und so war das sonnigste Plätzchen im Beet stets für mein Lieblingsgemüse reserviert, jedes Jahr aufs Neue.

Doch nach einiger Zeit, trotz guter Nährstoff- und Wasserversorgung, wuchsen die Pflanzen kümmerlich, die Blätter vergilbten, vor allem aber wiesen die Wurzeln merkwürdige knollige Verdickungen auf. Und: Die Radieschen nebenan zeigten genau die gleichen Symptome! Was war nur los?


Tipps und Wissenswertes rund um den Gemüsegarten: Mit der GartenFlora durch das Gartenjahr.

»Verschenken Sie ein Jahresabo der GartenFlora und sichern sich eine hochwertige Prämie!



Anreicherung von Krankheitserregern

Wie sich herausstellte, machte die Kohlhernie, eine gefürchtete Pilzkrankheit, meinem Gemüse zu schaffen. Ihr Erreger reichert sich auf Flächen, die häufig mit Kohl bestellt werden, im Boden an.

Und einmal etabliert, lässt sich die Krankheit kaum bekämpfen. Totalausfall beim Kohlrabi! Dabei wäre es einfach gewesen, der Kohlhernie erst gar keine Chance zu lassen: Fruchtfolge heißt das Zauberwort. Gemeint ist, dass auf ein und derselben Parzelle nur alle paar Jahre das gleiche Gemüse kultiviert wird.

Anbaupause lässt manche Krankheitserreger "verhungern"

Die Erreger der Kohlhernie würden in den kohllosen Jahren dann schlichtweg verhungern, der Boden gar nicht erst verseuchen. Auch andere Übeltäter wie Wurzelnematoden oder Gemüsefliegen, deren Puppen im Boden überdauern, lassen sich durch solche „Hungerperioden“ dezimieren.

Gewöhnlich reicht eine Anbaupause von drei bis vier Jahren. Doch aufgepasst: Die meisten Übeltäter begeistern sich gleich für eine ganze Pflanzenfamilie, die Erreger der Kohlhernie beispielsweise für alle Kreuzblütler. Daher waren auch meine Radieschen befallen. Sie sind mit dem Kohl eng verwandt. Die Anbaupause sollte also sämtliche Mitglieder einer Pflanzenfamilie umfassen.

» Gemüsegarten: Aussaatzeit für Kohl

Wachstumshemmung durch Familienmitglieder möglich

Eine abwechslungsreiche Fruchtfolge wirkt zudem Selbstunverträglichkeiten entgegen. Einige Pflanzen geben über ihre Wurzeln nämlich Botenstoffe in den Boden ab – sozusagen, um ihr Revier abzustecken. Andere Pflanzen, gerade aus der eigenen Familie, können dadurch im Wachstum gehemmt werden.

Insbesondere trifft das auf Schmetterlingsblütler (zum Beispiel Erbsen) und alle Doldenblütler (zum Beispiel Möhren) zu. Sie profitieren also gleich in doppelter Hinsicht von einer drei- bis vierjährigen Anbaupause.

Fruchtfolge vermeidet einseitige Nährstoffnutzung

Ein dritter, ganz entscheidender Grund für die Fruchtfolge ist der unterschiedliche Nährstoffanspruch der Gemüsekulturen. Sehr hungrige Arten wie Kohl oder Gurken, genannt Starkzehrer, laugen den Boden regelrecht aus. Um nach einem Starkzehrer einen weiteren Prasser satt zu bekommen, müsste das Erdreich aufwändig aufgedüngt werden – und würde dennoch mit der Zeit aufgrund der einseitigen Ausnutzung verarmen.

Dagegen gibt es Hungerkünstler wie Erbsen, genannt Schwachzehrer, die mit einem Überangebot an Nährstoffen heillos überfordert wären. Wie sinnvoll erscheint es da, sie erst nach den Prassern anzubauen und einfach von dem leben zu lassen, was diese übrig ließen?

So dachten vor Jahrhunderten schon unsere Vorfahren und über die Zeit hat sich daraus der folgende, sehr bewährte Fruchtfolgeplan entwickelt, der voraussetzt, dass unser Gemüsegarten in vier Beete mit rotierenden Anbaugruppen aufgeteilt wird.

Vier Beete mit unterschiedlichen Pflanzen

In jedem Jahr gehört jeweils

• ein Beet den Starkzehrern: Dazu gehören Sellerie, Lauch, alle Kohlarten außer Kohlrabi, alle Kürbisgewächse und alle Nachtschattengewächse. Ihr Beet wurde im vergangenen Spätherbst mit abgelagertem Mist versorgt und bekommt kurz vor der Bepflanzung noch einmal Nährstoffe. Richtwert: etwa 3,5 Liter Kompost + 80 g Hornspäne pro Quadratmeter. Zudem bekommen sie während der Wachstumszeit ab und an einen kräftigen Schluck Brennnesseljauche.

• ein Beet den Mittelzehrern: Dazu gehören Möhre, Fenchel, Zwiebel, Knoblauch, Kohlrabi, Mais, Kopfsalate, Schwarzwurzeln, Rettich, Radieschen und alle Gänsefußgewächse. Ihr Beet bekommt vor der Pflanzung etwa 2 Liter Kompost + 35 g Hornspäne pro m2. Auch sie erhalten ab und an Brennnesseljauche.

• ein Beet den Schwachzehrern: Dazu gehören Erbsen, Bohnen, Feldsalat und viele Kräuter. Auch Spinat und Radieschen können als Schwachzehrer kultiviert werden. Sie leben von dem, was die Vorgänger übrig ließen und bedürfen keiner Extradüngung.

• ein Beet der Gründüngung: Bodenfördernde Pflanzen, die Blattmasse (und damit Humus) einbringen und mit weitreichenden Wurzeln das Erdreich lockern, werden hier eingesät. Sie dienen als Bodenkur. Phacelia und Buchweizen sind besonders empfehlenswert. Vor der Einsaat wird ihr Beet mit abgelagertem Mist und anderen organischen Düngern versorgt.

» Dünger und Pflanzenschutz: Gründüngung

Im folgenden Jahr rückt nun jede Pflanzengruppe ein Beet weiter, die Starkzehrer also auf die ehemalige Gründüngungsfläche, die Mittelzehrer folgen den Starkzehrern und so weiter. Daraus resultiert ein rotierendes System, bei dem im fünften Jahr wieder die ursprüngliche Besetzung erreicht ist.
Kerstin Ackermann


Tipps und Wissenswertes rund um den Gemüsegarten: Mit der GartenFlora durch das Gartenjahr.

»Verschenken Sie ein Jahresabo der GartenFlora und sichern sich eine hochwertige Prämie!



Vorkultur und Nachkultur- optimale Platznutzung

Vorgezogene TomatenpflanzenEine Gemüseart beansprucht den Boden nur selten das ganze Jahr über. Tomaten, Zucchini oder Mais zum Beispiel werden erst Mitte Mai ausgepflanzt. Ihre Fläche sollte aber auch schon vorher, im Frühjahr, mit Grünzeug bedeckt sein, da nackter Boden schnell abgetragen wird.

Ab Anfang März gedeiht hier also die Vorkultur: ein besonders schnell wachsendes Gemüse, das möglichst nicht mit der Hauptkultur verwandt ist. Das können Radieschen sein, Pflücksalate, Asia-Salate, Rucola, Spinat, Mairübchen und Lauchzwiebeln. Sie werden bis Mitte Mai geerntet und räumen pünktlich das Beet.

Auch frühe Zwiebeln und Salate kommen als Vorkultur in Frage. Da sie etwas länger auf dem Beet bleiben als die typischen Vorkulturen, werden sie von Anfang an auf Lücke gesetzt. So kann die folgende Hauptkultur (zum Beispiel Tomaten) bereits gepflanzt werden, obwohl die Vorkultur noch steht. Wenn die Tomaten dann gedeihen und mehr Platz benötigen, sind die frühen Kulturen bereits geerntet.

Übrigens brauchen Sie nicht zu fürchten, dass die Vorkultur der Hauptkultur die Nährstoffe wegschnappt – dafür räumen sie viel zu schnell das Beet. Vorkulturen können also auf allen Beeten angebaut werden – bei den Starkzehrern ebenso wie bei Mittel- und Schwachzehrern.

Nach dem Abernten der Hauptkultur folgt schließlich die Nachkultur, die das Beet bis zum Winter bedeckt. Dafür kommen alle als Vorkultur empfohlenen Gemüse in Frage, zusätzlich Feldsalat, Herbstrübchen, vorgezogene Rettiche, Endivien oder Radicchio.

» Mischkultur: Das Ende der Monotonie

Anbaupausen betreffen stets alle Mitglieder einer Pflanzenfamilie:

• Doldenblütler: Möhre, Sellerie, Fenchel, Petersilie
• Kreuzblütler: sämtliche Kohlarten, Radieschen, Rettich, Rauke, Senf, Raps, Ölrettich
• Liliengewächse: Zwiebeln, Knoblauch, Lauch
• Gänsefußgewächse: Spinat, Mangold, Rote Bete
• Korbblütler: Salate, Schwarzwurzeln, Artischocken
• Kürbisgewächse: Kürbis, Gurken, Zucchini
• Schmetterlingsblütler: Erbsen, Bohnen, Lupine
• Nachtschattengewächse: Kartoffeln, Paprika, Auberginen, Tomaten


Newsletter-Anmeldung

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

Das Ratgebermagazin für Gartenliebhaber. Jeden Monat neu mit einer Vielzahl Tipps und Ratschlägen für den Zier- und Nutzgarten, mit Gestaltungsideen, Trends und Neuheiten rund um das Hobby Garten. Dazu wunderschöne Fotos aus liebevoll angelegten Privatgärten.

Editorial lesen Abonnieren

Aktuelle Ausgabe

GartenFlora Shop

Folgen Sie uns auf Facebook    Folgen Sie uns auf Twitter

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr